My Simon & Schuster edition of 'Unknown Pleasures: Inside Joy Division' (2012) by Peter Hook, founding member & bass player of Joy Division, later New Order. Good read, well written. No ghostwriter, I think. I wish more musicians would do that

Gutes Buch vom Bassist und Gründungsmitglied der ikonischen Band aus dem nordenglischen Manchester.Joy Division veröffentlichten nur zwei Studio-LPs, existierten nur für vier Jahre. Nach dem Tod von Sänger Ian Curtis im Jahr 1980, machten sie unter dem Namen New Order weiter. Peter Hooks Buch ‘Unknown Pleasures: Inside Joy Division’ (2012) ist sehr informativ und auch sehr unterhaltsam geschrieben. Im Bild, meine Ausgabe vom Simon & Schuster Verlag. Ich habe ein Foto daraus beigefügt: Mit Gitarrist Bernard Sumner (links), Ian Curtis (rechts) und Peter Hook in der Mitte. Nur Schlagzeuger Stephen Morris fehlt, vielleicht weil er das Foto gemacht hat? Das Buch gibt es leider nicht auf Deutsch, kann aber als englisches Hörbuch ausgecheckt werden. Link folgt am Ende des Posts. Ebenfalls, ein aufschlussreiches Deutschlandfunk-Feature über Sänger Ian Curtis, der mit 23 Jahren Selbst-mord beging. Sein Tod, aber auch das generell ernste Image der Band, trugen dazu bei, dass Joy Division bis heute sehr kultig ist, immer noch massenhaft T-Shirts verkauft. Paradoxerweise war die Band unter sich, inklusive Ian Curtis, im alltäglichen Leben und auf Tour, keineswegs bitterernst. Sie machten genauso viel Quatsch wie jede junge Rockband. Irgendwie scheint sich die Band jedoch zu etwas entwickelt haben, das mehr als die Summe ihrer Teile war. Vielleicht spielte dabei die Zeit (die trostlosen späten 70er Jahre) und der Ort (das noch trostlosere Nordengland der 70er) eine Rolle. Wer weiß? Sicherlich ein Schlüsselmoment, den Peter Hook beschreibt, war ein Konzert von den Sex Pistols, das er und Schulfreund Bernard ‘Barney’ Sumner am 4. Juni 1976 in der Lesser Free Trade Hall in Manchester besuchten. Wobei Joy Division im Endeffekt gar nicht wie die Sex Pistols klangen oder aussahen. Wie ein früher Liveauftritt von Joy Division zeigt:

Der erste TV-Auftritt der Band, in der BBC-Sendung ‘Something Else’
Kommentar: Neben dem für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Look
der Band, kommt hier auch die etwas manisch wirkende Bühnenpräsenz
von Ian Curtis zu Geltung, und auch seine mysteriös angehauchten Lyrics:
‘Radio, live transmission, radio live transmission / Listen to the silence /
Let it ring on / Eyes, dark grey lenses frightened of the sun / We would have
a fine time living in the night / Left to blind destruction, waiting for our sight…’
.

Der Einfluss von Punk lag nicht so sehr in der Musik selber, sondern viel mehr in der Einstellung, mitunter dem Gefühl, dass man kein Virtuose sein musste, um ein faszinierendes Spektakel für junge Leute zu veranstalten. Joy Divisions typisch spärlicher Sound – mit viel Raum zwischen den Instrumenten – stand in Kontrast zu dem dichten, überladenen Klangbild vieler Bands. Eine Gruppe, die stark von dem ‘leeren’ atmosphärischen Klang von Joy Division beeinflusst wurde, waren nach eigenen Angaben U2. Das hört man besonders auf deren Debütalbum ‘Boy’ (1980). In Peter Hooks Buch ist auch eine Anekdote darüber, wie die damals noch wenig bekannten U2 im Studio von Joy Division auftauchten, um deren Producer Martin Hannett zu bitten, einen U2-Song, nämlich ‘11 O’Clock Tick Tock‘ (1980) zu produzieren. Peter Hooks Buch, 318 Seiten, ist randvoll mit solchen Storys. Er ist ein guter Erzähler, mit einem sympathischen Schreibstil, bei dem ein gewisser trockener Humor durch die Zeilen schimmert. Ein nordenglischer Mutterwitz, den man als deutsches Äquivalent vielleicht im Ruhrpott findet: So à la ’Schlauberger unerwünscht!’ So weit ich sehe, hat er das Buch selbst, ohne Ghost-writer, geschrieben. Ich wünschte, mehr Musiker würden das tun. Heute klingen viele Autobiografien, als ob sie vom Roboter stammen. Das Buch hat mich auf sein nächstes Buch ‘Substance: Inside New Order’ (2016) neu-gierig gemacht. Ich wünsche gute Unterhaltung beim deutschen Radiofeature und dem englischen Hörbuch.

 

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Deutsche Radiofeatures Eine Deutschlandfunk-Sendung vom Jahr 2005 mit Günther Janssen, zum damals 25. Todestag von Joy-Division-Sänger Ian Curtis (1956-1980). Und eine weitere DLF-Sendung von 2019, in der Sören Brinkmann mit Musikkritiker Jens Balzer über die auf Deutsch erschienene Biografie ‘Sengendes Licht, die Sonne und alles andere: Die Geschichte von Joy Division’ von Jon Savage spricht

Spielfilm über Joy Division Deutscher Trailer für den empfehlenswerten Spielfilm ‘Control’ (2007) mit Sam Riley (als Ian Curtis), Joe Anderson (als Peter Hook), James Pearson (als Bernard Sumner), Harry Treadaway (als Stephen Morris) u. a. Regie: Anton Corbijn, der zuvor imageprägender Fotograf der Band war

Info für Equipment-Freaks Muss sein! Peter Hooks erster Bass, noch vor Hondo II Rickenbacker, war diese Gibson EB-0 Kopie von Eko, die er für £35 in Manchester bei Mazel Radio kaufte. Erster Amp: Sound City 120

Englisches Hörbuch Die Lesung von ‘Unknown Pleasures: Inside Joy Division’ (2012) von Peter Hook. Sprecher ist der Autor persönlich. Hinweis: Buch und Hörbuch sind bis dato leider nicht auf Deutsch erhältlich

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