Documentary on BBC radio about megalithic monuments like the Ring of Brodgar on Orkney, above, having interesting tonal properties which may have been one of various aspects that made these places special in the past. Programme link below.

Ein Doku auf BBC-Radio untersucht ob Steinkreise wie der Ring of Brodgar auf Orkney, siehe Foto links, Klangeffekte produzieren die ein Teilaspekt von dem gewesen sein könnten was den Monumenten vor Tausenden von Jahren einen speziellen Status gab. Professor David Hendy von der University of Sussex weist darauf hin dass Rituale in den meisten Kulturen vielschichtiger Art sind, dass heisst, Klang wird sicher nicht der einzige Aspekt gewesen sein. Wir dachten dabei an die Tatsache dass in Kirchen heutzutage zum Beispiel Hymnen eine Rolle spielen – aber vieles andere auch. Das Programm versucht also nicht eine völlig neue Theorie über die Megalithkultur aufzustellen. Stattdessen werden die Monumente besucht und vor Ort einige akustische Tests gemacht. Ein Link für die Sendung folgt unten auf unserer Info-Leiste. Kurioserweise begegnete uns die Idee dass die Monumente eine Verbindung mit Klangeffekten haben könnten, vor Jahren beim Lesen eines über hundert Jahre alten Romans von Thomas Hardy: In Tess (1891) ist eine Passage mit einer Beschreibung von Stonehenge. Interessant dabei ist dass Hardys hier einen subtilen Klang beschreibt den man heute, aufgrund der modernen Klangkulisse von Autos (Stonehenge liegt jetzt an einer vielbefahrenen Straße) und Luftverkehr nicht mehr wahrnehmen kann. Wir übersetzen frei und auszugsweise aus der Originalfassung:

Um sie herum herrschte Dunkelheit und eine schwarze Einsamkeit durch die eine steife Brise blies. So waren sie zwei oder drei Kilometer gegangen als Clare plötzlich einen riesigen Bau wahrnahm der nah vor ihnen steil aus dem Gras ragte. Was für ein monströses Bauwerk ist das? Es summt, sagte Tess, hör mal. Er horchte. Der Wind der auf dem Bauwerk spielte, produzierte einen dröhnenden Ton, wie die Note einer gigantischen Harfe die nur eine Saite hat.

Unwahrscheinlich dass Hardy diesen Effekt, den er auch als windharfenähnlich beschreibt, frei erfunden hat. Seine Romane enthalten viele detaillierte Beschreibungen damaliger Verhältnisse, inklusive handwerklichen und landwirtschaftlichen Techniken. Hardy wollte Dinge überliefern und verewigen. Der Klang-Aspekt ist also zumindest eine Spur die man verfolgen kann. Dabei fällt auf dass viele Monumente im Laufe der Zeit Namen erhalten haben die immer noch eine Verbindung zu Klang, Musik oder sogar Tanz haben: So stammt z. B. der Name des Steinkreises Merry Maidens in Cornwall Legenden gemäß daher dass neunzehn tanzende junge Frauen und zwei Flötenspieler zu Stein verwandelt wurden. Und ein alter Name für Stonehenge ist Tanz der Giganten. Im BBC-Radiodoku geht Prof. David Dendy auf die Orkney-Inseln im Norden Schottlands, ein Ort der vor ca. 5000 Jahren  eins von Europas wichtigsten kulturellen Zentren war. Dies zeigt mitunter die fantastisch erhaltene Jungsteinzeit-Siedlung von Orkneys Skara Brae. Ein paar Kilometer davon entfernt sind zwei eindrucksvolle und gigantische Megalithmonumente: die Stones of Stenness, einer frühsten Steinkreise der Britischen Inseln, und der Ring of Brodgar, bei dem Prof. Hendy die Tests macht. Sie zeigen dass es im Zentrum des Steinkreises tatsächlich einen Echo-Effekt gibt – und das obwohl von den ursprünglich etwa 60 Steinen nur noch  27 an ihrem Platz stehen. Vor dem Bau der Monumente benutzen Menschen von der Natur geschaffene Orte wie Höhlen für Kultzwecke (man denke an Höhlengemälde), aber das besondere an den Steinkreisen ist dass sie eine der ersten komplett von Menschen, nach ihren eigenen Vorstellungen gestalteten Kultplätze waren. Dies in sich selbst deutet auf eine neue Bewusstseinsstufe: Der Mensch, nicht nur als Teil seiner Umwelt, sondern auch als ihr Gestalter. Eine ähnliches, implizites Statement sieht Hendy auch in Orkneys Maes Howe Anlage: In ihrem Inneren macht er die Erfahrung von kompletter Stille – die ebenfalls künstlich erschaffen wurde. Diese überdeckte Anlage wurde außer als Grabstätte offenbar auch für andere Kultzwecke verwendet, sie ist so konstruiert dass die enge Eintrittspassage während der Wintersonnenwende von einem Lichtstrahl der untergehenden Sonne durchdrungen wird. Ein altes walisisches Wort für diese Art von Kammern ist Traum, vielleicht ein linguistischer Hinweise auf einen schamanistischen Kontext diese Orte.

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Info  Das BBC-Doku A Ritual Soundscape mit Prof. David Hendy von der University of Sussex / Reisen  Die im Artikel erwähnten Monumente Skara Brae, Maes Howe, Stones of Stenness und Ring of Brodgar befinden sich alle auf der Hauptinsel des Orkney-Archipels in Schottland.

Avenita Kulturmagazin