The exhibition 'Sargent: Portraits of Artists and Friends' is in London's National Portrait Gallery until May 25. We look at the story behind his enigmatic portrait called Madame X (1884)

In Londons National Portrait Gallery ist zur Zeit die Ausstellung ‘Sargent: Portraits of Artists and Friends’. Zu dem Anlass ein Blick auf sein geheimnisumwittertes Gemälde Madame X (1884). Links, ein Foto das den Künstler in in seinem Studio mit dem lebensgroßen Porträt der enigmatischen Lady zeigt. Der US-Bürger John Singer Sargent, damals Ende Zwanzig, lebte in Paris und war ein sehr erfolgreicher Porträt-Maler. Er malte Leute wie Claude Monet, die Schriftsteller Henry James und Robert Louis Stevenson und viele andere Personen der Zeitgeschichte. Doch durch das Porträt von Madame X entstand ein Skandal der fast seine Karriere beendete, zumindest dazu führte dass er Frankreich verließ und nach England ging. Nachdem das Bild in der Ausstellung des Salon de Paris gezeigt und vom gesellschaftlichen Establishment vernichtend kritisiert wurde, behielt Sargent es für über dreißig Jahre in seinem Privatbesitz. Erst 1916, als die echte Madame X gestorben war, gab er es an New Yorks Metropolitan Museum of Art. Heute ist es berühmt und erhielt sogar eine Hommage von einem Hollywoodstar in Vogue.

The portrait, right, of the American French socialite was then considered scandalous. But over a hundred years later Virginie Gautreau (1859-1915) has her iconic status confirmed - not least through this homage by Nicole Kidman in Vogue

Das Gemälde, rechts neben dem Foto von Nicole Kidman zu sehen, wurde während der Ausstellung 1884 mit dem echten Namen der jungen Dame betitelt. Die Lady mit Stupsnase, schlankem Hals und blasser Haut hieß Virginie Gautreau. Auch sie war Amerikanerin, aber hatte in Paris einen reichen Banker geheiratet. Das Porträt von dem damals schon renommierten Künstler John Singer Sargent sollte dazu dienen, die hübsche junge Dame endgültig in den Kreis der High Society zu befördern, so wie es heute vielleicht die Präsenz auf dem Cover einer edlen Modezeitschrift bewirkt. Aber es sollte anders kommen. Das Establishment regte sich darüber auf dass Madame Gautreau gleichzeitig einen Ehering und ein Kleid mit sehr tiefem Ausschnitt trug, und darüber hinaus von ihrer Haltung und vom Gesichtsausdruck her, alles andere als Bescheidenheit ausstrahlte – vielleicht sogar eheliche Untreue signalisierte, wie man dem Porträt vorwarf, hier ein näherer Blick. So waren nun mal die Sichtweisen des 19. Jahrhunderts, selbst im vermeintlich liberalen Paris. Das Gemälde, für das sich Sargent einen guten Preis erhofft hatte, fand keinen Käufer und das gesellschaftliche Ansehen von Virginie Gautreau war angeschlagen. Sie zog sich nach dem Skandal aus dem Licht der Öffentlichkeit zurück und starb als Unbekannte im Jahr 1915. Als das Gemälde ein Jahr später in New York ausgestellt wurde, nannte John Singer Sargent (1856-1925) es einfach Madame X. Es sollte fast ein Jahrhundert vergehen bis Virginie Gautreau (1859-1915) den ikonischen Status erreichte den man ihr damals nicht gönnte.

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Weitere Infos  Die Ausstellung ’Sargent: Portraits of Artists and Friends ist in Londons National Portrait Gallery bis zum 25. Mai 2015 / Hier ein kurzes Doku auf YouTube über John Singer Sargent.

Avenita Kulturmagazin