1972 German radio dramatisation of Robert A. Heinlein's 'The Moon is a Harsh Mistress' online. From public broadcasters WDR. Above, my Hodder & Stoughton paperback from 2005

Hörspiel von 1972 mit renommierten Sprechern. Link folgt am Ende des Posts. Der Roman wurde auf Deutsch u. a. auch als ‘Der Mond ist eine herbe Geliebte’ (1966) veröffentlicht. Im Foto ist meine englische Romanausgabe ‘The Moon is a Harsh Mistress’. Deutsche Übersetzungen sollten sich möglichst nah an den Originaltitel halten. Der erklärerische Titel ‘Revolte auf Luna’ klingt wie ein Europa-Hörspiel für 12-jährige. Aber Schwamm drüber. Es geht in der Tat um die Revolte einer Mondkolonie gegen die Regierung der Erde. Im Jahr 2075 ist der Mond eine Strafkolonie. Die ca. 3 Mio. Einwohner – Kriminelle und politische Dissidenten und deren Nachkommen – leben in unterirdischen Städten. Da es doppelt so viele Männer wie Frauen gibt, ist Polygamie die Regel eher als die Ausnahme. Die Erdregierung hat offiziell die Macht, aber in der Praxis relativ wenig Einfluss, deshalb hat sich auf dem Mond eine quasi-anarchistische Gesellschaft gebildet. Im Gegensatz zu der Erde, wo korrupte und autoritäre Regime herrschen. Der Roman, der in Deutschland auch unter dem Titel ‘Mondspuren‘ veröffentlicht wurde, ist von der politischen Philosophie des Libertarismus geprägt und gilt in dieser Hinsicht als einflussreich. Da es noch keine Verfilmung von diesem Sci-Fi-Klassiker von Robert A. Heinlein (1907-1988) gibt, ist ein Hörspiel besonders interessant. Zu Beginn spricht Erzähler und Programmier Manuel O’Kelly über Dinge die ihm sein Großvater erzählte – und über den Supercomputer ‘Mike’:

Als Mike auf Luna installiert wurde, sollte er die Flugbahnen von Frachtern berechnen und das Startkatapult überwachen. Damit war er keineswegs ausgelastet, und die Verwaltung ließ sich andere Aufgaben für ihn einfallen. Mike wurde ständig verbessert, kontrollierte andere Computer und erhielt zusätzliche Informationsspeicher. Das menschliche Gehirn hat etwa zehn hoch zehn Neuronen; im dritten Jahr hatte Mike fast doppelt so viele Neuristoren. Und dann wachte Mike auf. Ich weiß nicht, ob eine Maschine ‘wirklich’ leben, wirklich Selbstbewusstsein haben kann. Ist ein Virus sich seiner Existenz bewusst? Nein. Eine Auster? Vermutlich nicht. Und eine Katze? Bestimmt. Ein Mensch? Ich weiß nicht, wie es mit Ihnen steht, mein Freund, aber ich bin mir dessen sicher. (Gekürzte Romanpassage)

 

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Robert A. Heinlein: ‘Revolte auf Luna’ als WDR-Hörspiel online Das Hörspiel Teil 1 mit Rolf Schult (als Manuel O’Kelly), Uta Hallant (als Mum, seine Frau), Horst Bollmann (als Supercomputer ‘Mike’), Christa Rossenbach (als Wyoming Knott), Dieter Borsche (Prof. Bernardo de la Paz), Friedrich W. Bauschulte (als Finn Nielson), Heinz-Theo Branding (als Shorty Nkrumah), Hermann Ebeling (als Fred Saberhagen), Stefan Wigger (als Stuart René Lajoie), Martin Hirthe (als Vorsitzender). Weitere Rollen: Christine Gerlach, Beate Menner, Hans Haas,Tobias Pagel, Eckhart Schibber u. a. Hier Link für Teil 2 und Teil 3 und Teil 4. Bearbeitung: Carl Dietrich Carls. Musik: Haralt Winkler. Technische Realisierung: Klaus D. Hildebrandt & Edgar Heinze. Regieassistenz: Eckhart Schibber. Regie: Heinz Dieter Köhler. 1972. Hinweis: Auch als CD-Set erhältlich

Wussten Sie schon? Robert A. Heinleins Roman inspirierte Song Liederschreiber Jimmy Webb, der u. a. Klassiker wie McArthur Park (1968) schrieb, ist ein großer Sci-Fi-Fan, speziell von Heinlein. Er fragte den Autor, ob er den Romantitel The Moon Is a Harsh Mistress (1966) für einen Song verwenden könne. Das resultierende Lied wurde ein Klassiker der dutzende mal gecovert wurde u. a von Joe Cocker, Linda Ronstadt, Celtic Woman und Judy Collins, siehe Clip. Beispiel dafür wie – durch die deutsche Angewohnheit, ohne Not Roman- und Filmtitel bis zur Unkenntlichkeit zu verändern – interessante Verbindungen verloren gehen.

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