Gemma Arterton in the title role of Tess of the D'Urbervilles (2008). On the whole I find this the best adaptation of Hardy's novel so far. Nastassja Kinski as Tess the 1979 movie version was good too - but unfortunately not filmed at Stonehenge

Aufwendiges 4-teiliges Hörspiel mit vielen guten Sprechern. Link folgt am Ende des Posts. Die Romanvorlage ‘Tess von den d’Urbervilles: Eine reine Frau’ (1891) wird oft einfach ‘Tess’ genannt. Titelfigur ist eine junge Frau die auf brutale Weise zum Opfer viktorianischer Doppelmoral wird und aus Verzweiflung einen Mord begeht. Mehrfach verfilmt, u. a.mit Nastassja Kinski in der Titelrolle des Spielfilms Tess (1979). Gut gemacht, aber die 2008 BBC-Verfilmung mit Gemma Arterton, links im Bild, gefällt mir noch besser. Nicht zuletzt weil sie an Originalschauplätzen in England gedreht wurde. Das bedeutet mir in diesem Fall etwas weil das prähistorische Monument Stonehenge im Roman vorkommt. Es ist nicht der Mittelpunkt des Romans, aber Stonehenge als Schauplatz, siehe nachfolgend ein Foto, spielt eine gewisse Rolle. In Tess (1891) ist die erste ausgiebige literarische Beschreibung von Stonehenge. Und sogar eine wichtige Beobachtung über einen selten erwähnten Aspekt des Monuments: Nämlich dass Stonehenge auf subtile Art Töne produziert. Töne die in der heutigen, lauteren Geräuschkulisse von Luft- und Straßenverkehr (Stonehenge liegt heute in einem intensiven Verkehrsgebiet) nicht mehr so leicht zu hören sind. Man könnte versucht sein, ‘Die Töne von Stonehenge’ als Hippie-Esoterik abzutun, aber der viktorianische Schriftsteller Thomas Hardy (1840-1928) war alles andere als ein Hippie. Hier eine Passage über Stonehenge in Tess:

Um sie herum herrschte Dunkelheit und eine schwarze Einsamkeit durch die eine steife Brise blies. So waren sie zwei oder drei Kilometer gegangen als Clare plötzlich einen riesigen Bau wahrnahm der nah vor ihnen steil aus dem Gras ragte. Was für ein monströses Bauwerk ist das? Es summt, sagte Tess, hör mal. Er horchte. Der Wind der auf dem Bauwerk spielte, produzierte einen dröhnenden Ton, wie die Note einer gigantischen Harfe die nur eine Saite hat. (Gekürzte Romanpassage, Tess, 1891)

Stonehenge is not the center of the story but it plays a role. The descriptions in the novel are fascinating - mentioning a harp-like sound of the monument in the wind. Clue to its former use?

Ich muss gestehen dass die obige Passage meine Fantasie etwas beflügelte, hinsichtlich der prähistorischen Bedeutung und Benutzung von Stonehenge als Kultplatz. Die windharfenähnliche Eigenschaft von Stonehenge war mir neu. In der Tat ist Archäoakustik ein relativ junges aber wissenschaftliches Forschungsgebiet. Besser bekannt in Großbritannien aufgrund der Vielzahl der Monumente. Aber was die Romanhandlung betrifft, ist Tess von den d’Urbervilles mit oder ohne Stonehenge-Theorien eine faszinierende und bewegende Geschichte. Sie beginnt damit dass John and Joan Durbeyfield - die in Armut lebenden Eltern von Tess – Informationen bekommen die darauf hindeuten dass sie aus dem alten Adelsgeschlecht der d’Urbervilles stammen. Sie überreden Tess, das Landhaus der d’Urbervilles zu besuchen, in der Hoffnung, aus der vermeintlichen Verwandschaft Nutzen zu ziehen. Aber für Tess, die auf dem Anwesen der d’Urbervilles vom Hausherrn vergewaltigt wird, ist es der Anfang eines harschen Werdegangs im spätviktorianischen England, dessen Schattenseiten Hardy uns nicht vorenthält. Als Tess Bekanntschaft mit einem freundlichen Pfarrerssohn namens Angel Clare macht, scheint dies wie eine neue Hoffnung. Aber auch in dieser Beziehung zeigt sich die damalige Doppelmoral gegenüber Frauen. Thomas Hardys Roman stimmt nachdenklich aber nicht deprimierend. Seine Fülle an Beschreibungen von Landleben und Folklore des 19. Jahrhunderts macht Tess zu einer lesenswerten und hörenswerten Geschichte. Ich wünsche gute Unterhaltung beim Hörspiel.

 

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Thomas Hardy: ‘Tess’ als Hörspiel von 2001 online Das BBC-Hörspiel Tess Of The d’Urbervilles. Mit Claire Rushbrook (als Tess), James D’Arcy (als Angel Clare), Adam Godley (als Alec D’Urbeville), Keith Barron (als Mr Durbeyfield), Lyndsey Marshal (Liza), Sean Baker (Mr Crick), Robert East (als Reverend Clare), David Thorpe (als Felix), Jennie Stoller (als Mrs d’Urberville), Kenny Blyth (als Cuthbert), Annette Badland (als Mrs Crick), Alison Pettitt (als Izzy), Amelda Brown (als Mrs Durbeyfield), Rachel Gleaves (als Retty), Joanna Wake (als Mrs Clare), Ian Masters (als Parson Tringham), Lyndsey Marshal (als Liza Lu), Janice Acquah (Marion), Sylvia Hallett (Musik), Isabel Watson (Geige). Hörspielbearbeitung: Alan Sharp. Regie: Mary Peate. 2001

Weiterer Klassiker vom Autor Thomas Hardys ‘Am grünen Rand der Welt‘ als BBC-Hörspiel online

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