There's a new theory about the inspiration for Raymond Chandlers detective Philip Marlowe. Maybe Samuel Marlowe, who came from Jamaica and worked as PI and adviser for LA film studios. We also look at a classic Chandler movie adaption featuring Bogart - and Bacall with a song. See clip

Raymond Chandlers Krimiklassiker heißt auf Deutsch Der große Schlaf. Die Verfilmung mit Lauren Bacall & Humphrey Bogart kam als Tote schlafen fest (1946) in die Kinos. Originaltitel The Big Sleep. Es gibt eine interessante neue Story über den Hintergrund von Chandlers ikonischer Detektivfigur Philip Marlowe. Gleich mehr dazu. Zuerst ein Filmausschnitt in dem Lauren Bacall, die dieses Jahr gestorben ist, ein Lied singt. Die Jazzkomposition spielt als Bogart im Casino des Gangsters Eddie Mars vorbeischaut.

He would spend it on the ponies
He would spend it on the girls
Buy his mother lovely roses
For her poor old henna’d curls
But when his wife said ‘Sweetie’
What did you get for me?”
He socked her in the choppers
Such a sweet, sweet guy was he!
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And her tears flowed like wine
Yes, her tears flowed like wine
She’s a real sad tomato
She’s a busted Valentine
Knows her mama done told her
That her man is darned unkind
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I’m a-tellin you mister
She was a sob sob sister
Lying on a pillow
Weeping like a willow
My Oh My
How that baby could cry
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My Penguin edition, with an introduction by Ian Rankin. He says, The Big Sleep was one of the first crime novels he ever read, and it is still one of the best. 'California, the tainted Eden, has had no finer chronicler than Raymond Chandler'

Gute Performance von Lauren Bacall (1924-2014), gleichfalls der mehrstimmige, jazzige Begleitgesang von den Williams Brothers. Jazzfans interessiert vielleicht dass diese Version vom Text her anders ist als die frühere Tonaufnahme von Ella Fitzgerald. Aber beide Versionen spiegeln den trockenen und nach heutigem Standard ziemlich unkorrekten Humor vom Amerika der 40er Jahre. Das gilt auch für den Roman und den Film, an dessen Drehbuch kein geringerer als der Schriftsteller William Faulkner beteiligt war. Es gibt nicht viele andere Krimis in denen Marcel Proust erwähnt wird. Lauren Bacall sagt zu Bogart: Oh, Sie stehen also auf. Ich dachte schon Sie arbeiten vom Bett aus, wie Marcel Proust. Bogart tut daraufhin so als ob er den Franzosen nicht kennt, lädt Bacall jedoch dreist dazu ein, in sein boudoir, genauer gesagt, sein Büro zu kommen. Die Handlung von The Big Sleep – oben, meine englische Ausgabe mit Vorwort von Ian Rankin – ist komplex mit vielen Wendungen, kurz gesagt geht es um eine Erpressung. Was bei Chandler jedoch am meisten fasziniert, sind seine Figuren, vor allem sein Detektiv Philip Marlowe hinter dessen ultra-zynischer Fassade sich ein verletzlicher Mensch verbirgt der versucht, in einer korrupten Gesellschaft für einen Funken Gerechtigkeit zu sorgen.

Es war etwa elf Uhr morgens, Mitte Oktober, ein Tag ohne Sonne und mit klarer Sicht auf die Vorberge, was Regen verhieß. Ich trug meinen kobaltblauen Anzug mit dunkelblauem Hemd, Schlips und Brusttaschentuch, schwarze Schuhe und Socken mit dunkelblauem Muster. Ich war rasiert, sauber und nüchtern – egal, ob es jemand merkte. Ich war genau wie gutgekleideter Privatdetektiv sein sollte. Und ich ging gerade vier Millionen Dollar besuchen. (Gekürzte Romanpassage, Der große Schlaf, 1939)
Eine neue Hypothese besagt dass Marlowe auf einem echten Detektiv beruhte, nämlich einem Mann namens Samuel Marlowe (1890-1991) der aus Jamaika stammte, Veteran des Ersten Weltkriegs war und nach dem Krieg nach Amerika emigrierte. Oben im Bild ist ein Foto von ihm. Ab den 20er Jahren arbeitete er als Privatdetektiv für Filmstudios. Er wurde z. B. von Paramount Pictures engagiert um einem Erpresser von Marlene Dietrich auf die Spur zu kommen. Jemand hatte 8000 Dollar gefordert und drohte ansonsten Dietrichs unkonventionelles Liebesleben publik zu machen. Samuel Marlowe fand heraus dass der Erpresser der Sohn von Dietrichs Maskenbildner war. Aufgrund der Verbindung die beide, der Detektiv und der Schriftsteller, mit Hollywood hatten, wurde Samuel Marlowe zum Berater von Chandler, begleitete ihn mitunter als Leibwächter bei Recherchen in Teilen von Hollywood die seinerzeit als riskant galten, z. B. im Drogenmilieu.
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Als Dank verewigte Chandler den Nachnamen von Samuel Marlowe in  einer Reihe von klassischen Detektivromanen. Bisher ging man davon aus dass der Autor den Namen Marlowe gewählt hatte weil er als Jugendlicher ein College in London besucht hatte dessen Internatsunterkunft Marlowe House hieß. Der Name stimmt. Ebenso wie Chandlers Bekanntschaft mit Samuel Marlowe belegt ist. Die neue Hypothese stammt von Louise Ransil, einer Filmhistorikerin die für New Line Cinema tätig war und Samuel Marlowes Sohn kennenlernte. Felsenfeste Beweise gibt es nicht. Aber die gibt es selten beim literarischen Rätselraten um Vorbilder für Romanfiguren. Chandler sagte immer dass Detektiv Marlowe ein Amalgam von Einflüssen war. Autoren lassen sich bei solchen Fragen ungern festnageln, bevorzugen vermutlich Romanfiguren mit denen sich möglichst viele Leser identifizieren. Vielleicht wäre es im Amerika der 30er und 40er Jahre problematisch gewesen, zu enthüllen dass einer der ikonischtsten Detektive der Literatur ein Einwanderer aus Jamaika war.
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Raymond Chandler: ‘Der große Schlaf’ als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel The Big Sleep. Mit Toby Stephens (als Privatdetektiv Philip Marlowe, der im Film von Humphrey Bogart gespielt wird) und Kelly Burke (als Vivien Sternwood, die Filmrolle von Lauren Bacall), Sean Baker (als General Sternwood), Barbara Barnes (als Buchhändlerin Agnes Lozelle), Sam Dale (als Joe Brody), Henry Devas (als Gangsterboss Eddie Mars), Leah Brotherhead (als Carmen Sternwood), Iain Batchelor (als Lash Canino) u. a. Sprechern. Produktion 2011
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Verfilmung  Clip mit Bogart & Bacall in The Big Sleep (1946). Obiges DVD-Cover zeigt damaliges Kinoposter. Die beiden waren zu dieser Zeit schon liiert und bald darauf verheiratet. Es war Bogarts vierte Ehe aber die einzige aus der Kinder hervorgingen, ein Sohn namens Stephen und eine Tochter namens Leslie
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