We found an old postcard of the Dartmoor village Widecombe-in-the-Moor with a mention of the folk song 'Widecombe Fair'. There are many jokey versions, by the King's Singers etc. But we also like how the band Show of Hands has taken the legend and reinvented it as a mournful ballad. Links below

Wir sammeln alte Fotos und Postkarten zu Themen die uns interessieren. Dabei trifft man manchmal auf Verbindungen auf die man ansonsten vielleicht nicht gekommen wäre. Die Karte links ist von dem idyllischen Dorf Widecombe-in-the-Moor in Devon. Das Dorf liegt in Dartmoor und auf der Rückseite der alten Karte steht dass es seine Bekanntheit mitunter dem englischen Volkslied ‘Widecombe Fair’ verdankt. Das hat uns als Folk-Fans natürlich interessiert. In dem Dorf gibt es eine Landwirtschaftsmesse die jährlich viele Besucher anlockt, denn auf dieser jahrhundertealten Messe gibt es neben den zahlreichen Schafen und Dartmoor-Ponys mittlerweile auch viele andere traditionelle Produkte, Handwerke und Spiel- und Sportarten aus der Region zu sehen. Diese Messe heißt Widecombe Fair und das ist auch der Name des Volkslieds. Das Wort fair kommt in vielen englischen Volksliedern vor, man denke an She moved through the Fair oder das weltberühmte Scarborough Fair. Solche Messen waren früher für die Landbevölkerung wichtige Events: Man traf viele Leute, konnte Geld verdienen und es gab Unterhaltung. In dem Lied Widecombe Fair geht es um eine Gruppe von Männern auf dem Weg zu dieser Messe. Das Lied klingt, mit seiner wiederholten Aneinanderreihung von den Namen der Männner auf Anhieb witzig, bekommt aber am Ende eine traurige und sogar geisterhafte Komponente. Die sechsköpfige Truppe hat sich von einem Wirt namens Tom Pierce ein Pferd geliehen um damit nach Widecombe Fair zu kommen. Sie versprechen, das Pferd zwei Tage später zurückzubringen. Als sie nicht wiederkehren, zieht Tom Pierce los und findet heraus dass die jungen Männer das Pferd zu Tode geritten haben. Daraufhin setzt sich Tom auf einen Stein und weint. Der Name Tom Pierce ist übrigens einer von mehreren alternativen Titeln des Lieds. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte, nämlich später als die Männer mittlerweile tot sind, geistert die graue Stute weiter durch die Moore von Dartmoor und ebenso – wie es das Wiederholungsmuster des Liedes bewirkt – die Männer. Wir müssen gestehen dass der joviale Ton der traditionellen Musik von Widecombe Fair für uns nicht zu so gut zu der traurigen Thematik von dem geschundenen Pferd passt. Aber dieser merkwürdige Kontrast kommt bei Volksliedern, die nicht selten von Unglücken und Mord und Totschlag handeln, ziemlich oft vor. Insofern ist die Interpretation von Steeleye Spans Tim Hart ziemlich authentisch. Aber eine Variante des Liedes die uns besser gefällt ist Widdecombe Fair von Show of Hands. Die englische Folk-Band, siehe YouTube Clip, hat das Lied als eine Art Prequel zur alten Version neu erfunden. Ohne das arme Pferd, und mit Musik die gut zu Dartmoors sagenumwobenen Landschaften passt. 

Widecombe Fair: 'And Tom he sat down on a stone and he cried...with Bill Brewer, Jan Stewer, Peter Gurney, Peter Davy, Dan'l Whiddon, Harry Hawke, Old Uncle Tom Cobley and all'

Auch hier kommen die sechs jungen Männer namens Bill, Jan, Peter and Dan, Harry und Pete vor, und sie sind auf dem Weg nach Widecombe Fair. Sie haben allerdings kein Pferd dabei sondern den jungen Mann Billy den sie, wie seine besorgte Mutter verlangte, während der Reise beaufsichtigen sollen. Als es dunkel wird, kommen sie zu einem Wirtshaus wo sie kräftig einen trinken, und wo der junge Billy sich in die dunkelhaarige Tochter des Wirts verliebt. Der Wirt sagt dass sie schon vergeben sei, aber davon lässt Billy sich nicht abhalten, und er bittet die anderen Jungs. ihn im Wirtshaus zu lassen und am nächsten Tag auf dem Rückweg an der Wegkreuzung abzuholen. Der Erzähler des Lieds willigt ein und gibt Billy seine Taschenuhr damit sie sich um genau zwölf Uhr treffen können. Dann zieht die Gruppe weiter nach Widecombe Fair. Als sie am nächsten Tag zurückkommen, finden sie den Jungen aber nicht mehr, und hören vom Wirt dass seine Tochter und der Junge ins Moor gingen und nicht wiederkamen. Die Mutter des Jungen zerkratzt dem Erzähler aus Wut und Verzweiflung über den Verlust ihres Sohnes das Gesicht. Ein Jahr später kommt der Erzähler wieder an dem Wirtshaus vorbei. Dabei sieht er das junge verloren gegangene Paar im Mondlicht auf dem Moor. Als er den Wirt wiedertrifft, bemerkt er dass er die Taschenuhr trägt die er Billy gegeben hatte. Jetzt weiß er dass der Junge tot ist, und setzt sich auf einen Stein und weint. Und jetzt folgt die Verbindung zu der traditionellen Version des Liedes: Er bittet den Wirt, ihm ein Pferd zu leihen. Damit begann Widecombe Fair ursprünglich. Eine gute Pointe, zudem Volkslieder immer schon umgeschrieben und weiterentwickelt wurden. Die Thematik vom Tod und einer späteren Geisterexistenz ist in Volksliedern ein häufiges Motiv. Im Fall von Widecombe Fair vermuten wir dass das Lied, neben alten Anekdoten von Landwirtschaftsmessen, auch einen weiteren Hintergrund haben könnte. Widecombe hat, dafür dass es ein kleines Dorf ist, eine außergewöhnlich große Kirche dessen Turm man auch auf obiger Postkarte erkennen kann. Wegen diesem 40 Meter hohen Turm wird Saint Pancras Church im Volksmund auch Cathedral of the Moors genannt. Diese Kirche diente jedoch einem großen Gebiet im Moor, und früher mussten Leute ihre verstorbenen Angehörigen aus kilometerweiter Entfernung dort hinbringen. Das war zu Fuß ein anstrengender Weg, und es gab einen Stein an dem die Reisenden gewohnheitsgemäß Rast machten. Den Stein gibt es heute noch, es ist der sog. Coffin Stone, auf dem Leute den Sarg den sie trugen absetzten. Er ist gespalten weil dort der Legende nach einmal ein Sarg vom Blitz getroffen wurde den Gott vom Himmel geschickt hatte weil der Tote ein böser Mensch war der nicht auf dem Friedhof des Herrn begraben werden sollte. Wo könnte hier eine Verbindung zu dem Volkslied sein? Es passen keine sechs erwachsenen Reiter auf ein Pferd. Aber sechs Leute tragen traditionellerweise einen Sarg. Und was den Sarg-Stein betrifft: Vielleicht ist dies der Stein auf den sich Tom Pierce, der Protagonist von Widecombe Fair, weinend hinsetzte als sein Pferd und die sechs Reiter allesamt in der Geisterwelt gelandet sind.

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Info  Leser die sich für Legenden und Steinzeitmonumente von Dartmoor interessieren, können unseren Artikel Grey Wethers und die Sage vom Goldenen Vlies mit Dartmoor-Fotos auschecken

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