Bert Jansch (1943-2011) was one of my favourite guitarists. Above, my vinyl LP of Rosemary Lane (1971). I used the back of the cover because of the nice photo. The book 'Dazzling Stranger' (2006) by Colin Harper is also recommendable

Als ich vor kurzem von Bert Janschs Tod erfuhr, schweiften die Erinnerungen zurück zu Abenden an Kaminfeuern an denen die Folkrockband Pentangle, der perfekte Soundtrack für kalte Winternächte zu sein schien. Bert Jansch war stilprägend für Pentangle, nicht nur durch seine markante auf ‘Fingerpicking’ (also dem Zupfen der Saiten anstatt dem Anschlag von Akkorden) beruhende Gitarrentechnik, sondern auch weil er auf vielen Liedern sang. Ein schönes Beispiel fürs Janschs von Understatement geprägter Stimme mit Pentangle ist I Loved A Lass, ein 300 Jahre altes Volkslied über die Verzweiflung, dass die vermeintliche Liebste einen anderen heiratet. Eine gute Informationsquelle zu dem zeitlebens öffentlichkeitsscheuen Schotten ist die Biografie ‘Dazzling Stranger: Bert Jansch and the British Folk and Blues Revival‘ (2006) von Colin Harper, siehe Foto oben rechts. Im Vorwort beschreibt Smiths-Gitarrist Johnny Marr wie er als 14-jähriger in Manchester von einem Freund über eine Folkband namens Pentangle hörte. Johnny, zu dem Zeitpunkt kein besonderer Folk-Fan, war beeindruckt von der Art wie Pentangle Elemente von Folk, Jazz und Blues zu einem neuen, magischen Klang formten. Im Laufe der Jahre lernte Johnny den ehemaligen Pentangle-Gitarristen Bert Jansch persönlich kennen und spielte mit ihm auf der Bühne, im Studio und, wie er schreibt, an so manchem Küchentisch. Das gute an Colin Harpers Buch ist dass man hier nicht nur viel über Bert Jansch und Pentangle erfährt sondern auch über die wichtigsten Zeiten, Orte und Personen der britischen Folk-Szene der 60er und 70er Jahre. In den Seiten über Edinburgh tauchen z. B. Leute wie Robin Williamson von der Incredible String Band auf. Bert Jansch und Williamson teilten sich damals ein kaltes, feuchtes Apartment…und eine einzige Gitarre, die ihnen ein zum Mönchtum konvertierter Folkmusiker hinterlassen hatte.

Oh I loved a lass and I loved her so well
And I hated all others who spoke of her ill.
And now she’s rewarded me well for my love
She’s a gone to be wed to another.

Beyond the solo albums there are amazing collaborations with John Renbourn - and of course the legendary folk rock band pentangle. Above, 4-CD-Box-Set ‘The Time Has Come’ (2007)

Ein Merkmal von Pentangle war dass sie oftmals auf einen konventionellen Backbeat verzichteten, also jenen durchgängigen, vom Schlagzeug angegebenen 4/4-Takt der den Klang der meisten Rockbands – und auch Folkbands wie Fairport Convention prägt. Keineswegs etwas schlechtes, aber Pentangles Musik erlaubt mehr Raum für Experimente, Improvisationen, ungewöhnliche Instrumente wie Sitar, Kontrabass, Glockenspiel und Jacqui McShees hohe, rock-untypische Gesangsstimme. Mein Tipp zum Kennenlernen von Pentangle, in der klassischen Besetzung mit Bert Jansch & Co-Gitarrist John Renbourn, ist der 4-CD-Box-Set ‘The Time Has Come’ (2007), siehe mein Exemplar im Foto, rechts. Nicht zuletzt wegen dem exzellenten 55-Seiten Booklet mit einem langen Essay vom oben erwähnten Autor Colin Harper. Zudem sind hier neben den meisten Pentangle-Klassikern auch Raritäten zu hören, wie Pentangles Soundtrack-Musik für den kultigen, von keltischer Mythologie gefärbten Thriller Tam Lin (1971). Mein Lieblingsalbum aus Gitarrist Bert Janschs umfangreicher Solokarriere ist wahrscheinlich Rosemary Lane (1971) dessen Rückseite auf dem obigen Foto zu sehen ist. Auf  YouTube sieht man das schöne Scherenschnitt-Design der LP-Vorderseite. Ebenfalls gut gefällt mir Soho vom Album ‘Bert and John’ (1966) das Jansch und Renbourn als Gitarrenduo aufnahmen bevor sie Pentangle gründeten, Auf diesem Album ist viel von dem schönen, rauen Ton zu  hören der wohl auch Jimmy Page inspirierte, akustische Gitarren im Kontext einer Rockband einzusetzen. Page hat Berts Debutalbum Bert Jansch (1965) namentlich als einflussreich erwähnt. Aber hat er sogar bei Jansch geklaut?

When I saw my love to the church go
With bride and brides maidens she made a fine show.
I followed on with my heart full of woe
She’s gone and she’s wed another.
.

Tatsächlich ist es schwer zu verleugnen, und kein Geheimnis, dass speziell Blackwaterside von Janschs Album ‘Jack Orion’ (1966) ein Vorläufer von Zeppelins Black Mountain Side ist. Der stakkatohafte, teils schnarrende Klang war ein Markenzeichen von Bert Jansch. Folkmusik war ja, bis sie von Leuten wie Jansch und Page, Fairport und Pentangle umgekrempelt wurde, ein Genre das – mit dem Image von älteren Herren mit Pfeife und Schiebermütze – weitgehend das Interesse von jüngeren Leuten verloren hatte. Aber damals wendete sich das Blatt. Folk wurde Bestandteil von Rock und Progrock, selbst elektronisch geprägte Bands wie Pink Floyd holten auf Liedern wie Wish You Were Here die akustischen Gitarren auf die Bühne, ohne dass es altmodisch wirkte. Und heute scheint Folk und Folkrock mit Bands wie Fleet Foxes fast mehr Mainstream-Interesse zu geniessen als je zuvor. Auf Bert Janschs letztem Album spielten u. a. Gastmusiker wie Beth Orton und Devendra Banhart mit. Das Titellied von The Black Swan (2006) ist für mich eine der besten Sachen die Jansch je aufgenommen hat. Ein schöner, geheimnisvoller Schwanengesang. Ich werde Bert Jansch, der am 5. Oktober 2011 im Alter von 67 Jahren verstarb, nicht nur an kalten Winternächten vermissen.

 

 

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