The Hatter (1865) by John Tenniel: Is there a link between Victorian art & literature and the alternative culture of the 60's and 70's? Maybe a sense that there was something weird, wonderful and slightly wrong abour the times they lived in

Im englischen Guardian gab es gerade eine Umfrage unter Schriftstellern, was ihre Lieblingskünstler für Bücherillustrationen seien? Auf solchen Listen taucht oft Sir John Tenniel auf der durch seine Zeichnungen für Alice im Wunderland (1865) berühmt wurde. Sein Bild vom Verrückten Hutmacher, links zu sehen, ist auch in Deutschland ziemlich bekannt, möglicherweise am bekanntesten dadurch dass die Figur tausendfach von Fans der Band Genesis auf deren Schallplatten gesehen wurde. Siehe unteres Foto. Genesis und der Designer Paul Whitehead schmückten Tenniels Hutmacher farblich etwas aus, setzten ihn in die Mitte von einigen bahnbrechenden Progrock LPs und machten aus der Figur erneut eine Ikone der Popkultur. Wir finden es bemerkenswert wie Geschichten und Figuren des 19. Jahrhunderts fast genau 100 Jahre später wieder aufgegriffen wurden. Auf Anhieb scheint die alternative Kultur der 60er and 70er Jahre, und dazu gehörten Genesis damals, nicht viel mit den Zeiten von Königin Victoria gemeinsam zu haben. Aber das gesamte LP-Cover und mehrere Liederstellen des Albums Nursery Cryme (1971) haben einen Bezug zu Victorias Epoche. Das sehr progrockige, musikalisch gewöhnungsbedürftige Lied The Return of the Giant Hogweed (YouTube Clip) erinnert an Horrorszenarien von H. G. Wells: Hier geht es um einen viktorianischen Forscher der aus dem russischen Marschland eine Pflanze nach England einführt die sich aus den königlichen Botanischen Gärten von Kew ausbreitet und bald ganz London im Griff hat. Hier ein Ausschnit vom Originaltext:

‘…Long ago in the russian hills, A victorian explorer found the regal hogweed by a marsh, He captured it and brought it home…Fashionable country gentlemen had some cultivated wild gardens, In which they innocently planted the giant hogweed throughout the land….’

It's certainly interesting how a hundred years after books like 'Alice's Adventures in Wonderland' (1865) Victorian imagery turns up again in the lyrics and artwork of Avant-garde rock albums by Genesis, for example 'Nursery Cryme' (1971)

Genesis waren keineswegs die einzigen die damals visuell und inhaltlich an Stoffe aus Viktorianischen Zeiten anknüpften. Auch andere Bands, wie Yes und Grateful Dead, verwendeten für ihre Poster und LP-Cover künstlerische Elemente des 19. Jahrhunderts. Literarische Themen, wie Alice’s Adventures in Wonderland, wurden sogar direkt in Liedertexten verwendet, wie in Jefferson Airplanes Rockklassiker White Rabbit, in dem mehrere Figuren der Geschichte namentlich erwähnt werden. Aber welche konkrete Verbindung könnten Hippies und Pop Art Designer der 1960er Jahre mit den 1860er Jahren, den Zeiten von Autoren wie Lewis Carroll, Charles Dickens und George Eliot haben? Für unsere Begriffe hat es etwas mit dem Entstehen von neuen Perspektiven zu tun. Zu beiden Zeiten, um die Mitte des 19. so wie etwa um die Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Philiosophen, Künstler und Schriftsteller verstärkt über ihren persönlichen Horizont und über den gesellschaftlichen Status Quo hinauszusehen und hinauszudenken. Vielleicht auch weil sich zu diesen Zeiten eine Mittelklasse entwickelt hatte, der es finanziell überhaupt möglich war, sich mit irgendetwas anderem zu beschäftigen als dem wirtschaftlichen Überlebenskampf. Der erweiterte ‘Blick nach Außen’ eröffnete ein Bewusstsein fúr soziale Probleme, etwas das sicherlich auf Dickens und Eliot zutrifft. Und der erweiterte ‘Blick nach Innen’ eröffnete Fantasiewelten jenseits der Konventionen, etwas das zweifellos auf Lewis Carroll und Alice im Wunderland (1865) zutrifft. Auch in der alternativen Kultur der 1960er fand eine Erweiterung der Perspektiven statt, Aus einer verstärtken Introspektion entstanden zum Teil Psychedelia und der New Age Boom. Und ein erhöhtes Interesse an landes- und weltweitem Geschehen führte zu gesellschaftlichen Veränderungen, wie den Protesten gegen den Vietnamkrieg, und vielem mehr. Kunst und Literatur reflektieren die Zeiten in denen sie entstehen. In der Figur des Hutmachers, wo wir bei diesem Beispiel sind, spiegelt sich zweifellos etwas Komisches, aber auch etwas Tragisches. Die Stadt Stockport, unweit von der Gegend wo der Wunderland-Autor Lewis Carroll aufwuchs, war ein Zentrum der Hutherstellung. Der Mad Hatter im Bild trägt ein Preisschild von 10/6, also zehn Shilling und sechs Pence. Hüte waren ein essentielles Accessoire der viktorianischer Epoche. Die Figur des ‘verrückten Hutmachers’ entstand weil Leute in diesen Beruf, bei dem man Quecksilberdämpfen ausgesetzt war, nicht selten Nervenschäden dabei erlitten, zum Beispiel Gedächnisverlust, und auch Seh- und Sprachstörungen,

Ads by Google

 

Die Figur des Hutmacher verkörpert vielleicht die Tatsache dass es bei allen positiven Errungenschaften der Industrie und dem wachsendem Wohlstand auch groteske Schattenseiten gibt. Und vielleicht ist dies ein Umstand, eine menschliche Kondition die von Künstlern und Schriftstellern zu verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte wahrgenommen und in ihren Werken zum Ausdruck gebracht wurde.

Könnte Sie auch interessieren Unser Feature-Artikel über Genesis und Phil Collins‘ neue Autobiografie

Avenita Kulturmagazin