The new Floyd album The Endless River (2014) had pretty good reviews, though some people found the cover image bland. By contrast, we look at the fairly ominous Battersea Station cover of Animals (1977) and the stories behind it

Pink Floyd haben gerade ein neues Album veröffentlicht. Es klingt auf Anhieb ganz gut und wird zukünftig rezensiert. Aber ich wollte heute etwas über LP-Design von Pink Floyd schreiben. Speziell über ein Cover, links, zu dem es eine interessante Story gibt. Ich kam darauf weil das Cover des Albums The Endless River (2014) mehrfach kritisiert wurde: das neue Cover sei klischeehaft, kitschig etc. Ich finde es eigentlich ganz OK, aber LP-Cover die komplett am Computer designt werden, können im Vergleich mit Fotos tatsächlich etwas steril wirken. Das Foto für das Floyd-Album Animals (1977) wurde zwar nachbearbeitet aber hat dennoch die eindrucksvolle, authentische Atmosphäre eines Zeitdokuments. Die Design-Firma Hipgnosis arbeitete damals oftmals tagelang an ungewöhnlichen Locations um Fotos für LP-Cover zu machen. Schon das Motiv an sich, das alte Stromkraftwerk Battersea Power Station in London, ist eine ungewöhnliche Wahl. Der riesige Gebäudekomplex hatte für Songschreiber Roger Waters vermutlich Symbolwert. Repräsentierte für ihn vielleicht die unheimliche Seite der Industriegesellschaft, was zur orwellianischen Thematik des Albums passen würde. Das Design ist aus den späten 1920er Jahren und geht stilistisch in Richtung Art Deco. Es stammt von Architekt Sir Giles Gilbert Scott, der 1924 auch die roten und archetypisch englischen Telefonzellen designte. Battersea mit seinen imposanten Ecktürmen und den über hundert Meter hohen Schornsteinen wurde von New Yorks Wolkenkratzern der 20er Jahre inspiriert. Es wurde, in Anlehnung an den Begriff power station, mitunter Temple of Power genannt. Beim Blick in den legendären 1935 gebauten Kontrollraum des Kraftwerks, im nachfolgenden Bild (das nicht vom Album stammt), hat man das Gefühl, in einem Sci-Fi-Roman von H. G. Wells gelandet zu sein. Zukunftsvisionen der Vergangenheit. So wie man sich in viktorianischen Zeiten vielleicht Die Zeitmaschine vorgestellte. Der Sci-Fi Look des Kontrollraums wurde von der Band Hawkwind auf einem Albumcover verewigt. Das Kraftwerk wurde in den 1930er Jahren gebaut und lief bis 1983. Es produzierte einst zehn Prozent von Londons Strom, wofür es allerdings 1500 Tonnen Kohle pro Tag verbrauchte. Schon im Jahr 1975 sorgte das Thema Umweltverschmutzung und die Atomenergie dafür dass Batterseas Produktion reduziert und dann ganz gestoppt wurde. Danach wurden die Instandhaltungskosten von Battersea, mit seiner Fläche von zwei Fußballfeldern, zum kostspieligen Problem. Über die Jahre wurden alle möglichen Projekte vorgeschlagen um das Gebäude zu nutzen und zu erhalten, von Themenparks, Einkaufszentren bis zu Industriemuseen. Aber nichts davon wurde umgesetzt.

Battersea's 1935 control room looks like something from H. G. Wells: The future, as imagined in the past. This photo is not from Animals (1977). But Hawkwind depicted a Battersea control room on the LP Quark, Strangeness and Charm (1977)

Vor drei Jahren sah es so aus als ob der Abriss des Gebäudes unvermeidlich wäre. Eine große Rolle spielte dabei der ungeheure Wert des Grundstücks, nach London-Preisen wohl mehr als eine halbe Milliarde Euro. Aber dann wendete sich das Blatt im Jahr 2012 plötzlich: Malaysische Investoren legten nicht nur Pläne sondern auf das entsprechende Geld auf den Tisch und bekamen dafür die Erlaubnis, auf dem Gelände von Battersea Hunderte von Luxusapartments zu bauen, wobei der Erhalt und die Pflege des Industriedenkmals, das in der Mitte der Apartmentblocks stehenbleibt, ein Teil des Deals war. Der weltbekannte Architekt Frank Gehry kam ebenfalls an Bord des Projekts und der Großteil der Apartments, die bis zu 9 Millionen Euro pro Stück kosten, wurden verkauft noch bevor sie gebaut wurden. Ob dies das beste aller Happy Ends ist, darüber kann man sich streiten. Der sozialkritische Roger Waters von Pink Floyd würde dazu wahrscheinlich sagen dass sich lediglich das Große Geld mal wieder über alle anderen Interessen durchgesetzt hat. Aber zumindest bleibt dadurch Battersea Power Station als faszinierendes Monument eines vergangenen Zeitalters erhalten. Was das Albumcover anbelangt: Ein Grund für die Schwierigkeit des damaligen Foto-Shoots war dass Roger Waters ein zehn Meter großes, fliegendes Schwein über Battersea haben wollte. Das Problem war: Das aufblasbare, zehn Meter große Schwein das den Spitznamen Algie hatte, verselbstständigte sich, riss sich vom Seil los und flog weg. Der Scharfschütze der Algie in solch einem Fall abschießen sollte – um den Flugverkehr nicht zu gefährden – war am ersten Tag des Shoots vor Ort aber nicht am zweiten, als das Missgeschick passierte. Ein starker Wind trieb Algie kilometerhoch in den Himmel wo es in der Tat von Flugzeugen gesehen wurde. Das gab polizeilichen Ärger für die Firma Hipgnosis, aber letztendlich wurde Algie, ohne Unfälle verursacht zu haben, auf einem Bauernhof in Kent gefunden. Schwein gehabt. Die Ausgabe von Animals (1977) auf obigem Foto oben ist übrigens ein 2011 Digital Remaster. Schön gemacht im Papersleeve Design, wie ein aufklappbares LP-Cover im Miniformat. Das Album klingt auch besser als ich es in Erinnerung hatte, wenn auch thematisch sehr düster. Nicht mein Lieblingsalbum. Die Animals sind hier, ähnlich wie in Orwells Farm der Tiere (1945) Symbole für Menschen. Musikalisch gefällt mir das ca. 10 Min. lange Lied Sheep am besten. Nachfolgend ein Clip davon auf YouTube. Textschreiber Roger Waters gibt hier wahrscheinlich Misstrauen gegenüber Religion und Obrigkeitsglauben zum Ausdruck, wenn er Psalm 23, auch bekannt als das Gebet Der Herr ist mein Hirte, umändert zu Zeilen wie ‘..er hängt mich an Haken auf und verwandelt mich zu Lammkoteletts‘. Düster und bitter, aber man vermutlich sah Roger Waters die alte Battersea Power Station als ein negatives Machtsymbol. Es bleibt erhalten, wäre aber beinahe verschwunden. In dem Fall, vermute ich, hätte es selbst Roger Waters ein kleines bisschen vermisst.

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Weitere Infos  YouTube Clip mit Liveversion &  Fan-Video vom Lied Sheep von Pink Floyds Animals (1977)

Photo  We used a gatefold papersleeve edition 2011 digital remaster of the album

Avenita Kulturmagazin