2013 BBC radio dramatisation of L'Étranger (1942) by Albert Camus is online. The novel inspired a song by The Cure - also featured in the post. Above, Marcello Mastroianni in the title role of Luchino Visconti's movie adaptation The Stranger (1967)

Die berühmten Anfangszeilen des Romans: ‘Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß nicht. Ich habe ein Telegramm vom Heim bekommen: ‘Mutter verstorben. Beisetzung morgen. Hochachtungsvoll.’ Das will nichts heißen. Es war vielleicht gestern.’ Mit diesen merkwürdig distanziert klingenden Zeilen beginnt auch das BBC-Hörspiel das nachfolgend online gehört werden kann. Die Zeilen deuten an, dass den Erzähler eigentlich nur das genaue Datum des Todes seiner Mutter zu beschäftigen scheint. Wie sich herausstellt, meint es dieser Mann, ein Büroangestellter namens Meursault nicht absichtlich böse. L’Étranger (1942), so der Originaltitel, fühlt sich in dieser Welt sprichwörtlich wie ein Fremder. Dass er einen Mord begeht, der übrigens einem Lied von der Band The Cure den Titel gab, geschieht völlig ungeplant, fast zufällig. Mehr zum Lied gleich. Auf dem obigen Poster von Luchino Viscontis Verfilmung Der Fremde (1967) schaut Marcello Mastroianni, in der Titelrolle, durch die Gitter von einem algerischen Gefängnis. Die Story spielt in Französisch-Nordafrika, wo Albert Camus (1913-1960) geboren wurde. Der entfremdete Meursault ist durch und durch ein Anti-Held, ebenso wie der Roman eine Art Anti-Roman ist – ohne konventionelle Ideale oder Vorbildfunktionen. Hier fehlt auf den ersten Blick jegliche Form von einem Narrativ, also einem sinnstiftenden Leitgedanken der in den meisten Romanen oder Filmen direkt oder indirekt übermittelt wird: Stereotypen wie ‘Der einsame Kämpfer für Gerechtigkeit’ oder ‘Die Rehabilitierung des Außenseiters’ oder ‘Der Triumph der Liebe’ etc. Die Konsensfunktion solcher Narrative ist einer der Gründe warum Religionen, Mythen und literarische Werke enstanden. Aber Narrative können im Laufe der Zeit zu hohlen Klischees werden, die manchmal den ursprünglichen Sinn völlig auf den Kopf stellen. Beispiel: Die Weihnachtsgeschichte, vielleicht der ultimative Narrativ, der durch Kommerz zweckentfremdet wurde. Der Fremde im Roman ist wie ein unbeschriebenes Blatt. Vielleicht wollte Albert Camus, dass wir über dieses leere Blatt nachdenken und es mit unserer eigenen Geschichte, unseren eigenen Idealen füllen.

 

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Neu – Albert Camus: ‘Der Fremde’ als deutsches Hörspiel von 1961 online Das HR-Hörspiel mit Robert Graf (als Titelfigur Meursault), Gustl Halenke (als Marie Cardona), Heinz Reincke (als Raymond Sintès), Kurt Glass (als Masson), Annelene Hanke-Reichert (Frau Masson), Hermann Menschel (Salamano), Wolfgang Ammerbacher (Celeste), Walter Richter (Kommissar), Alf Marholm (Anwalt), Christine Marquardt (Mädchen), Heinz Stoewer (Chef), Dirk Dautzenberg (Polizist), Erwin Scherschel (Wärter), Joost-Jürgen Siedhoff (Emanuel), Erich Bludau (Pförtner), Axel Ivers (Direktor des Altersheims), Paul Hoffmann (Staatsanwalt), Hanns Ernst Jäger (Richter), Gisela Vesco (Nachbarin), René Deltgen (Geistlicher), Lothar Worg (Stimme). Übersetzer: Guido G. Meister. Bearbeitung & Regie: Rolf Hädrich. Länge 85 Min. Hessischer Rundfunk

Albert Camus: ‘Der Fremde’ als Hörspiel von 2013 online  Das BBC-Hörspiel The Outsider. Mit Alex Lanipekun (als Titelfigur Meursault), Priyanga Burford (als seine Freundin Marie Cardona), Stephen Hogan (als Raymond Sintès), Sean Baker (als Salamano), Arthur Hughes (als Celeste), Sean Murray (Staatsanwalt), David Seddon (Verteidiger), Michael Bertenshaw (als Magistrate), John Norton (als der Gefängnisgeistliche), Carys Eleri (Krankenschwester), Sirine Saba (Fifi). Hörspielbearbeitung: John Retallack. Regie David Hunter

Wussten Sie schon? Mit dem Geld das Camus durch den Nobelpreis für Literatur gewann, kaufte er 1958 ein Haus im Südfrankreich, im mittelalterichen 1000-Seelen-Dorf Lourmarin, dessen Mittelmeerklima und ländliche Umgebung ihn an das Algerien seiner Jugend erinnerte. Camus’ Haus ist privat, ohne Schild, und kann nicht besichtigt werden (seine Tochter lebt dort bis heute und will Ruhe haben) aber man kann auf einen Happen zu Essen im Restaurant Ollier oder auf einen Drink im Café de l’Ormeau gehen, wo auch Camus Stammgast war

The Cure: Das Lied das von Camus’ Roman ‘Der Fremde’ inspiriert wurde Das Lied Killing an Arab das 1979 als Debüt-Single veröffentlicht wurde, und später auf dem Cure-Album Boys Don’t Cry (1980) erschien

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