After a nerve-wracking referendum we want to get back to the good stuff, Scottish poets, Scottish landscapes and Scottish engineers. Like Robert Stevenson and his family who built ca. 97 lighthouses in Scotland. In 1814, author Walter Scott went on a tour visiting lighthouse locations. We follow him

Vor zweihundert Jahren, im Jahr 1814 machte der schottische Dichter und Schriftsteller Sir Walter Scott eine Tour von schottischen Leuchttürmen. Heute kann man im Internet oder im Urlaub Scotts Spuren verfolgen. Über einen der Leuchttürme schrieb Scott sogar ein Gedicht. Gleich mehr dazu. Die Tatsache dass Leuchttürme in Schottland damals etwas ziemlich Neues waren, ist auf den ersten Blick erstaunlich, denn Schottland hat Tausende von Meilen an Küste. Vieles davon schwierig, oftmals höchst gefährlich für Schiffe. Jährlich versanken oder verunglückten Hunderte von Schiffen. Die Gründe für den Mangel an Leuchttürmen klingen heute zum Teil bizarr. Gemäß dem Sachbuch The Lighthouse Stevensons (1999) von Bella Bathurst war einer der Hauptfaktoren das sog. Strandrecht, ein feiner Ausdruck für etwas das in Praxis kaum etwas anderes als Strandraub war. Denn wenn ein Schiff nahe der Küste verunglückte, wurde das von manchen Küstenbewohnern nicht als Tragödie sondern als Glücksfall gesehen. Nicht aus Bosheit sondern aufgrund brutaler Armut. Die Güter die man nach Schiffunglücken am Strand aufgabeln konnte, waren oftmals das einzige nennenswerte Einkommen für viele veramte Küstenbewohner. In extremen Fällen wurde bei Schiffsunglücken dem Ableben von ertrinkenden Seeleuten sogar nachgeholfen. Denn ohne Überlebende stand das sog. Strandgut rechtlich den Findern zu. So kann man sich vorstellen dass Leuchttürme zur Vermeidung von Schiffsunglücken nicht bei jedem beliebt waren. Diese Begebenheiten, nicht nur in Schottland sondern auch anderen Küstenregionen wie Cornwall, inspirierte Romane wie Jamaica Inn von Daphne du Maurier. Aber Leuchtturme waren nicht nur Strandräubern suspekt, es gab sogar religiöse Kreise die Schiffsunglücke als Willen oder Strafe Gottes sahen und deren Verhinderung ablehnten. Selbst der Staat hatte, zumindest in abgelegenen Regionen, nur bedingtes Interesse an Leuchttürmen denn deren Bau und Unterhalt (z. B. Unmengen von Kohle für das Licht) waren teuer, und die Monetarisierung durch Gebühren von Schiffen umständlich. Für einige Dichter und Künstler hingegen waren Leuchttürme im frühen 19. Jahrhundert so etwas wie ein Symbol für Aufklärung, Vernunft und Hilfsbereitschaft…anstatt Raffgier und Aberglaube. William Turner malte den schottischen Leuchtturm Bell Rock Lighthouse 1819 als edles Bollwerk inmitten brutaler Naturgewalten. Der Schriftsteller Walter Scott schrieb folgendes Gedicht über Bell Rock.

The Pharos Loquitur
Far in the bosom of the deep
O’er these wild shelves my watch I keep
A ruddy gem of changeful light
Bound on the dusky brow of Night
The Seaman bids my lustre hail
And scorns to strike his timorous sail
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Ein kurzes, einfaches Gedicht das der Autor von Romanen wie Ivanhoe und Rob Roy spontan erfand als man ihn bei seinem Besuch von Bell Rock bat, etwas in Gästebuch zu schreiben. Walter Scott (1771-1832) machte die Rundreise zu Leuchttürmen an Schottlands Küsten mit dem schottischen Ingenieur Robert Stevenson (1772-1850), dem Großvater des Schatzinsel-Autors Robert Louis Stevenson (1850 -1894). Die Lighthouse Stevensons, wie man Robert und seine Nachfahren nannte, bauten zwischen 1789 und 1940 um die hundert Leuchtturme die heute noch zu sehen sind. Grund warum Stevenson den Schriftsteller Walter Scott zu einer Tour einlud, war mitunter Publicity für den Bau der Leuchttürme. Walter Scott war ein schottischer Superstar. Aber Stevenson wollte von Scott auch Vorschläge und Ideen für den Look und die Location von zukünftigen Leuchttürmen. Die Reise auf einem Schiff namens Pharos, eine Hommage an den antiken Leuchtturm von Alexandria, ging über sechs Wochen, von Juli bis September 1814 und startete in Leith, dem Hafendistrikt von Edinburgh. Erster Stopp war die Insel Isle of May, hier ein Wiki-Eintrag mit Foto vom Leuchtturm. Dann Bell Rock, heute einem der ältesten noch funktionsfähigen Leuchttürme der Welt, dessen Bauphase auf dem obigen Bild zu sehen ist. Es ging weiter nach Girdle Ness in Aberdeen, dann zum Leuchtturm Kinnaird Head wo sich heute das Museum of Scottish Lighthouses befindet. Es folgte die Shetlandinsel Bressay deren Leuchtturm zu diesem Zeitpunkt noch nicht gebaut war. Dann Fair Isle, die abgelegenste Insel Britanniens, heute mit 51 Einwohnern. Der South Light Leuchtturm von Fair Isle wurde erst 1891 von Roberts Nachfahren David und Charles Stevenson gebaut. Es ging weiter zu den Orkneys, mit einem Besuch der Insel Sanday die seit 5000 Jahren bewohnt ist und heute noch ca. 500 Einwohner hat. Sandays Start Point Lighthouse, bzw. eine frühe Version des heutigen Leuchtturms wurde von Stevenson im Jahr 1806 gebaut und hatte das erste Drehlicht in Schottland. Nächste Station war die Orkneyinsel North Ronaldsay deren 21-Meter hohen Leuchtturm Dennis Head Beacon im Jahr 1789 von einem jungen Robert Stevenson und seinem Stiefvater Thomas Smith gebaut wurde. Es ging weiter nach Auskerry, einer kleinen Orkneyinsel auf heute nur noch eine fünfköpfige Familie lebt. Auskerrys Leuchtturm wurde 1866 von Robert Stevensons Nachfahren gebaut. Letzte Station vor Walter Scotts Heimreise war Kirkwall, die Hauptstadt der Orkneys. Auf diesen Inseln bauten die Stevensons im Laufe der Jahre ein Dutzend Leuchttürme, so wie Noup Head Lighthouse auf Westrey das heute noch über 500 Einwohner, Fährverbindungen und mehrere Sehenswürdigkeiten, inklusive Resten von Megalithkultur hat. Es ist selbst heute nicht einfach, sämtliche Leuchtturm-Locations von Scott und Stevenson zu besuchen aber wer es tut, wandelt auf den Spuren von Schotten die der Nachwelt viel Gutes an Literatur und lebensrettender, heute oftmals romantisch wirkender Architektur hinterlassen haben.
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Weitere Infos  Als Hintergrundmaterial für diesen Blogpost diente uns u. a. das Sachbuch The Lighthouse Stevensons (1999) von Bella Bathurst, auf Deutsch als Leuchtfeuer beim Schneekluth Verlag erschienen Mehr von uns über den Schriftsteller Walter Scott  Blogpost über Orkneys 5000 Jahre altes Monument Dwarfie Stane in Scotts Roman Der Pirat (1822), der mitunter von Scotts Leuchtturmreise inspiriert wurde.

Avenita Kulturmagazin

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