Christopher Lee (1922- 2015) said the British cult classic The Wicker Man (1973) was his best movie. Filmed in the Scottish Highlands, it has an experimental folk music soundtrack...and inspired an Iron Maiden song. YouTube link below

Anlässlich des Todes von Christopher Lee (1922- 2015) ein Blick auf einen in Deutschland relativ unbekannten Film den er selber jedoch als seinen besten betrachtete. Auch unter Filmkritikern im englischen Sprachraum gilt er als Klassiker des britischen Kinos. Grundidee des Films ist, dass auf einer abgelegenen schottischen Insel eine Dorfgemeinde lebt die vorchristlich-keltische Kulte betreibt. Ein ausgesprochen christlicher Polizist vom Festland ist auf der Suche nach einem vermissten Kind und sucht auf der Insel nach Spuren. Der Fall nimmt eine Wende als sich abzeichnet dass es bei dem Inselbesuch nicht um das Kind sondern um den Polizisten geht. Er wird Schlüsselfigur von keltischen Bräuchen von denen schon die Römer berichteten. Ein ungewöhnlicher Film und ein starker Soundtrack mit Folk Songs. The Wicker Man (1973), links im Bild die DVD und Soundtrack-CD, ist nach dem Standard von heutigen Horrorfilmen und Thrillern nicht besonders brutal, in Deutschland freigegeben ab 16, aber das Ende ist unerwartet und ziemlich schockierend. Christopher Lee spielt Lord Summerville, dessen Großvater ein viktorianischer Wissenschaftler war der im 19. Jahrhundert auf die Insel Summerisle kam. Die vulkanische Erde und die Lage im Golfstrom waren perfekt für einen neue Obstsorte die er entwickelt hatte. Die Inselbewohner lebten zu diesem Zeitpunkt noch in Armut von einem primitiven Fischfang. Um die Inselbewohner für Landwirtschaft zu begeistern, lehrte er sie über die ‘Alten Götter‘. Als die Apfelbäume begannen, den Bewohnern einen besseres Leben zu bescheren, flohen die christlichen Pfarrer von der Insel. Lord Summerisle, der Nachfahre des viktorianischen Agronomisten, setzte die Arbeit fort. Sein Vater, sagt er, förderte in ihm die Liebe für die Musik, die Natur und die Rituale der alten Götter: ‘Sich auf sie zu verlassen und sie wenn nötig…zu besänftigen’. Worte von ominöser Bedeutung für den Polizisten Sgt. Howie der seinen Gegenspieler Lord Summerville auf der Insel besucht und interviewt. Der Film hat einen gewissen dokumentarischen Charakter, bezieht sich in seiner Darstellung von Naturreligionen auf ein Buch das als Standardwerk über britisches Brauchtum gilt, nämlich die Bücherreihe Der goldene Zweig (1890), eine Studie über Magie und Religion von James George Frazer.

Der Film vermeidet die üblichen Horrorfilm-Klischees von vorchristlichen Religionen und stellt auch das Christentum von Sergeant Howie ernsthaft dar. Er wird als jemand gezeigt der seiner Überzeugung gemäß handelt und versucht, den Inselbewohnern zu zeigen dass die alten Götter und Rituale ihnen nicht mehr helfen können als die Ernten versagen. Es ist ein Film dem man verschiedene Deutungen, Ideen und Argumente abgewinnen kann. So wurde The Wicker Man (1973), anders als die Produzenten befürchtet hatten, von christlichen Verbänden in Amerika ziemlich positiv aufgenommen, vermutlich weil er als Beispiel für die dunklen Seiten von vorchristlichen Bräuchen gesehen wurde. The Wicker Man, ein Farbfilm, beeindruckt visuell mit interessanten Drehorten in Schottland, wie das Küstendorf Plockton das nicht zuletzt wegen dem Film zu einem beliebten Touristenort geworden ist. Der folkige Soundtrack für Wicker Man hat ebenfalls eine beträchtliche Fan-Gemeinde, hier der idyllische Folksong Willow’s Song. Wahrscheinlich sagt auch das gänzlich unfolkige Iron Maiden Lied The Wicker Man und sein Schallplattencover mit dem Maiden-Maskottchen Eddie in der Titelrolle etwas über den Kultstatus des Films aus. Die Entstehung von The Wicker Man (1973) den man nicht mit dem schwachen Remake mit Nicolas Cage vom Jahr 2006 verwechseln darf, hat übrigens eine indirekte Verbindung mit den Dracula-Filmen, insofern dass Christopher Lee damals im Jahr 1972, fünfzigjährig und nach sieben Vampirfilmen, die Nase voll von dem bissigen Thema hatte und etwas neues suchte. Zu dem Zeitpunkt sprach ihn Drehbuchautor Anthony Shaffer an und wollte Lee für ein Filmprojekt auf Basis eines Romans namens Ritual gewinnen. Im Endeffekt investierten Shaffer, Lee und der kanadische Produzent Peter Snell jeweils 5000 Pfund und erwarben die Rechte. Das Film-Budget war mit ca. 500.000 Pfund klein, etwa 5 Millionen Pfund nach heutigen Standard. Ähnlich wie ein paar andere Klassiker, z. B. Blade Runner, hatte The Wicker Man anfangs keinen nennenswerten Erfolg und verschwand jahrelang von der Bildfläche, fast sprichwörtlich, insofern dass Teile des Films verloren gingen. Christopher Lee war eine der Hauptfiguren bei der Restaurierung des Films. Heute zeugen mitunter 215 positive Bewertungen beim englischen und 517 beim amerikanischen Amazon vom Status des Films. Dass The Wicker Man (1973) in Deutschland nicht so bekannt ist, hat viel damit zu tun dass der Film nie auf Deutsch synchronisiert wurde und soweit wir wissen, nie im deutschen Fernsehen gezeigt wurde.

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DVD-Infos  The Wicker Man (1973), ein Farbfilm mit Christopher Lee u. a. ist im Onlinehandel als englische Originalversion mit deutschen Untertiteln erhältlich. Als 1-DVD-Version ab 8 Euro. Wir empfehlen die Special 2-DVD Edition mit viel Hintergrundmaterial zum Film, z.B. Interviews mit Christopher Lee.
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Buch-Info  Hintergrund für diesen Artikel war u. a. das Sachbuch Inside the Wicker Man (2000) von Allan Brown, Verlag  Polygon, 260 S. Infos & Fotos vom Dreh. Zitate & Interview-Auszüge von Christopher Lee
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Musik-Info  The Wicker Man (1973) Soundtrack-CD von Paul Giovanni & Magnet hat ca. 40 min. Spieldauer und 16 Lieder, inklusive einem Lied von Christopher Lee persönlich. Booklet (20 Seiten) mit Info & Fotos.
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