Thomas Mann counted it among the six best German novels. The movie is classy too. Effi Briest will appeal to people who like Austen, Wharton, Henry James. We look at places, art & music mentioned in the story - like a beautiful song by Chopin

Wer Autoren wie Austen, Brontë, Wharton und Henry James mag, sollte diese Verfilmung und das Buch von Theodor Fontane auschecken. Die Macher von Effi Briest (2009) wurden offenbar davon inspiriert, mit wie viel Aufwand Engländer und Amerikaner ihre Romanklassiker verfilmen. Mehr dazu im Artikel. Auch ein Blick auf die ebenfalls erwähnenswerte Verfilmung Effi Briest (1974) von Fassbinder. Die Romanvorlage, die übrigens auch Günter Grass inspirierte, ist nicht nur eine bewegende Story sondern auch viel Zeitgeschichte. Es werden Landschaften und Orte, mitunter Museen, Gärten und Cafés in Berlin, verewigt die teils nur noch auf Postkarten existieren. Der Roman ist eine Zeitmaschine, erwähnt auch Dichtung, Literatur und Musik die damals angesagt war. Nachfolgend ein Stück von Chopin das im Roman vorkommt.

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Erwähnung im Roman Effi Briest (1896): ”Es war nicht kalt, nur
grau und regnerisch, und wenn die Tage kurz waren, so waren
die Abende desto länger. Was tun? Sie las, sie stickte, sie legte
Patience, sie spielte Chopin, aber diese Nocturnes waren auch
nicht angetan, viel Licht in ihr Leben zu tragen…” (Kapitel 32)
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If Effi Briest has parallels to figures like Jane Eyre, Isabel Archer or Lizzy Bennet, it's that they're complex characters who don't comply with the expectations of their times

Schönes Lied, auch wenn es in diesem Fall das Dilemma von Effi Briest kaum lindern kann. Ihre Situation ist – als gesellschaftlich ausgegrenzte Ehebrecherin – anders als die von Elizabeth Bennet in Jane Austens Stolz und Vorurteil, oder Isabel Archer in Henry James’ Bildnis einer Dame, oder die von Jane Eyre im gleichnamigen Roman von Charlotte Brontë. Aber was diese Frauen gemeinsam haben, ist dass sie nicht den Klischeevorstellungen des 19. Jahrhunderts entsprechen, sondern komplexe Hauptfiguren in komplexen Situationen sind. Nichts ist schwarzweiß. Fontane jubelt Effi Briest nicht hoch, aber er zeigt auch wie der Druck ihrer Eltern, einen gut situierten, zwanzig Jahre älteren Mann zu heiraten, wesentlich zur Situation beigetragen hat. Fontane zeigt den irrsinnigen Ehrenkodex eines tödlichen Duells, zeigt aber auch dass es für Säulen der Gesellschaft wie Innstetten schwer war, sich gesellschaftlichen Konventionen zu entziehen. Fontane hat für diese Komplexität einen Begriff geprägt: Ein weites Feld. Die Floskel kommt mehrmals vor, ist auch die letzte Zeile des Romans. Als Effis Eltern bewusst wird wie sie zu Effis Tragödie beigetragen haben, sagt ihr Vater zu seiner Ehefrau: ”Ach, Luise, lass. .., das ist ein zu weites Feld.” Er verschließt sich also den komplexen Fragen und Widersprüchen seines Zeitalters. Anders als der Querkopf Günter Grass, der den Satz als Titel für seinen Roman Ein weites Feld (1995) aufgriff. Er befasste sich mit den Widersprüchen der deutschen Wiedervereinigung, verglich sie skeptisch mit der deutschen Vereinigung 1871 zu Fontanes Zeiten – und wurde dafür prompt vom Feuilleton verrissen. Plus ça change.

Effi Briest also inspired Fassbinder, and the novel Too Far Afield (1995) by Grass, which drew parallels from Fontane's times to modern Germany - and got knocked by the media

Fontanes Roman ist gesellschaftskritisch, kann aber auch seine Liebe für positive Aspekte seines Zeitalters und seines Landes nicht verbergen. Wie man es von einem Autor von Büchern wie Wanderungen durch die Mark Brandenburg (1862) erwartet, enthält Effi Briest viele Ortsbeschreibungen die Leser geradezu einladen, mit dem Buch in der Hand eine Reise durch Berlin und auch ländliche Gegenden im Nordosten Deutschlands zu machen. Ich weiß nicht, ob ich ohne den Roman jemals etwas über Rügens sagenumwobenen Herthasee gehört hätte, in dem gemäß dem römischen Historiker Tacitus der Erdgöttin Nerthus gehuldigt wurde, und wo sich bis heute sich bis heute die sog. Herthaburg, eine um die tausend Jahre alte Wallanlage befindet. Fontane erwähnt auch die Kreidefelsen von Rügen an dessen Strand Effi bei Mondschein einen Abendspaziergang macht. In Berlin besucht Effi die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel und sieht dort – den Spaß lässt sich Fontane nicht nehmen – das damals kontroverse, mit nackten Figuren bevölkerte Gemälde Die Gefilde der Seligen (1877) von Böcklin. Bei Effis Besuch des idyllischen Charlottenburger Schlossgartens fragt man sich als Leser, was mit den Kaiserbüsten von Nero und Titus passiert ist die Fontane erwähnt? Vielleicht kann man die für den 200.Geburtstag von Fontane in 2019 irgendwo auftreiben. Aber neben edlen, imposanten Orten kommen auch bohèmische Geheimtipps vergangener Zeiten vor, wie das mittlerweile geschlossene, aber früher berühmte Café Kranzler und das gegenüberliegende Café Bauer das nur noch auf alten Postkarten (links im Bild) existiert. Soweit eine kleine Auswahl* von Orten die erwähnt, und die veranschaulichen was Heinrich Mann über Fontanes Buch sagte: ”Als erster hat er wahrgemacht, dass ein Roman das gültige, bleibende Dokument einer Gesellschaft, eines Zeitalters sein kann”. Was soll man mehr sagen? Höchstens ein paar Tipps für Filme & Romanausgaben.

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Beste Verfilmung  Produzent Günter Rohrbach (Aimée & Jaguar u.v.a) sagt im Making-Of der DVD von Effi Briest (2009) dass ihn neuere englische Produktionen wie Stolz und Vorurteil inspirierten. Das macht sich positiv bei der Ausstattung, dem Soundtrack und den schönen Drehorten des Films bemerkbar. Auch bei der Wahl von renommierten Schauspielern wie Julia Jentsch (Effi Briest) Sebastian Koch (Innstetten) und Mišel Matičević (Crampas) in den Hauptrollen. Siehe Trailer. Was teils miesepetrige Rezensionen bei Amazon betrifft, haben es Verfilmungen von Klassikern in Deutschland notorisch schwer – weil auf einmal jeder den Literaturprofessor spielt und Abweichungen von der Romanvorlage hervorhebt. Sorry, wenn ich Werktreue will, nehme ich den Roman. Von Verfilmungen erwarte ich neue künstlerische Interpretationen eines Stoffes. Und das hat Regisseurin Hermine Huntgeburth gut gemacht, mitunter indem sie dem Film ein offenes Ende gibt: Eine Effi Briest für das 21. Jahrhundert – ich glaube das hätte sich Fontane gewünscht.

Fassbinders Verfilmung  Ich habe sie auf DVD und fand Rainer Werner Fassbinders Effi Briest (1974) interessant als Kontrast zur neueren Verfilmung. Rainer Langhans als Regieassistent? Ich machte mich auf einige Überraschungen gefasst. Aber dies ist eine erstaunlich werkgetreue, um nicht zu sagen konservative Verfilmung – die allerdings eher wie ein Theaterstück wirkt. Auf dem Bildschirm hat dieser S/W-Film eine etwas langatmige, bedrückte Stimmung. Aber dieser Mangel an Romantik rückt den gesellschaftskritischen Kern des Romans in den Mittelpunkt. Der Film ist komplett online, aber die DVD hat ein 30 min. Interview, das zwar nicht von Effi Briest handelt, aber einen interessanten Einblick in Fassbinders Persönlichkeit gibt. Kurz gesagt: Er kommt nicht als abgehoben sondern als sehr praktisch denkender Typ rüber.

Info über Buchausgabe Wenn Romane gemeinfrei online sind, zählen Details und Extras von Büchern, meine Ausgabe, oben im Bild, ist aus den 90er Jahren vom Ullstein Verlag, hat 22 Seiten mit nützlichen Anmerkungen. Das Cover-Bild ist gut gewählt, ist von 1896, dem selben Jahr wie die erste Buchausgabe des Romans, und zeigt das Gemälde Sophie Herz im Wiesenttal bei Pretzfeld (1896) von Curt Hermann.

Mehr über Klassiker des 19. Jahrhunderts Unser Artikel Emily Brontës Sturmhöhe in Film- und Popkultur

*Schöne Romanschauplätze von Effi Briest in Polen & Dänemark werden Thema von zukünftigen Artikeln

Avenita Kulturmagazin