There’s a 2010 BBC radio dramatisation of 'The Marriage of Figaro' online. Link below. Based on the Beaumarchais theatre play, which inspired Mozart’s opera 'Le nozze di Figaro' (1786). Above, my LP with Dietrich Fischer-Dieskau & Maria Strader

‘Galileo, Figaro…magnifico!’ Der clevere Kammerdiener Figaro wurde nicht nur von Freddie Mercury erwähnt, und lange davor von Mozart verewigt, er war auch Namensgeber für Frankreichs älteste Tageszeitung Le Figaro. Erfinder der Figur war jedoch der französische Gelehrte Pierre-Augustin Caron Beaumarchais. Er schrieb das Theaterstück Le Mariage de Figaro (1784). Darauf beruht Mozarts Oper Die Hochzeit des Figaro (1786). In der italienischen Originalfassung Le Nozze di Figaro ist sie seit über 230 Jahren nie aus den Opernhäusern der Welt verschwunden. Links im Bild, meine Opern-LP mit Dietrich Fischer-Dieskau und Maria Stader von 1962. Das BBC-Hörspiel von 2010 beruht auf Beaumarchais. Theaterstück und Oper sind sich vom Handlungsablauf erstmal sehr ähnlich. Die Geschichte spielt in Andalusien, am Hof des Grafen Almaviva, der die unangenehme Angewohnheit hat, seinem weiblichen Personal hinterherzujagen und sexuelle Avancen zu machen. Davon hält ihn auch die Tatsache nicht ab, dass zwei seiner Bediensteten, Figaro und Susanna, an diesem Tag heiraten wollen. Um dem Grafen ein für alle Mal einen Denkzettel zu geben, heckt Susanna zusammen mit der leidgeplagten Ehefrau des Grafen einen Plan aus: Der Graf soll mit einem gefälschten Liebesbrief zu einem Rendezvous im Garten gelockt werden und dort, anstatt Susanna, den als Frau verkleideten Pagenjungen Cherobino vorfinden. Diese Szene in der Oper – als die zwei Frauen den Brief formulieren – bietet mir die Gelegenheit, auf eine weitere Verbindung zur Popkultur hinzuweisen: Das berühmte Duett Sull’aria…che soave zeffiretto wurde in der Stephen King Verfilmung Die Verurteilten (1994) in die Handlung einbezogen. Siehe Filmclip und Filmtext, gesprochen von Morgan Freeman, mit der Passage aus Mozarts Figaro

‘Bis zum heutigen Tage weiss ich nicht, wovon die beiden italienischen Damen gesungen haben. Um die Wahrheit zu sagen, ich will es auch gar nicht wissen. Es gibt Dinge, die müssen nicht gesagt werden. Ich nehme an, dass sie von etwas so schönem gesungen haben, dass man es nicht in Worte fassen kann. Und dass es direkt ins Herz geht. Ich sage Ihnen, diese Stimmen sind höher gestiegen, als man je an einem so trostlosen Ort zu träumen gewagt hätte. Es war als wäre ein wunderschöner Vogel in unseren freudlosen Käfig gefallen und hätte die Mauern zum Einstürzen gebracht. Im Bruchteil einer Sekunde hatte jeder hier in Shawshank das Gefühl frei zu sein’. (Die Verurteilten, 1994)

My CD edition 'Le nozze di Figaro' from 1990. Kiri Te Kanawa and Dawn Upshaw et al with the Metropolitan Opera Orchestra

Die Musik passt auch inhaltlich zum Film. Das Thema Untreue ist der gemeinsame Nenner: Die Affaire seiner Ehefrau spielt eine Rolle dabei, Andy Dufresne (Tim Robbins, der im Filmclip die cool aussehende Figaro-LP auflegt) ins Gefängnis zu bringen. Die oben erwähnten ‘italienischen Damen’ sind übrigens Edith Mathis und Gundula Janowitz in einer Aufnahme von 1968. Links im Bild, meine CD-Version von 1990. Was die in meiner obigen Zusammenfassung angedeuteten Intrigen anbelangt, wird die Story von der Hochzeit des Figaro durch alle möglichen Missverständnisse noch komplizierter, um nicht zu sagen verrückter. Ein inflationär zunehmender Tausch von Klamotten führt dazu, dass nicht nur der Graf sondern mehrere Leute mit unerwarteten Partnern Liebeleien austauschen. Ein bezeichnender Unterschied zum Theaterstück ist jedoch, dass die Oper absichtlich das komödienhafte der Story betont und die politischen Anspielung von Beaumarchais entschärft. Sonst hätte Mozart die Oper, die am 1. Mai 1786 im Burgtheater von Wien Premiere hatte, nicht mit Erlaubnis von Kaiser Joseph II. auf die Bühne gekriegt. Denn im Kern war Die Hochzeit des Figaro, mit der letztendlichen Erniedrigung des Grafen, ein Abgesang auf den europäischen Adel, ein Vorbote der Französischen Revolution.

 

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‘Die Hochzeit des Figaro’ als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel The Marriage of Figaro. Mit Rupert Degas (als Figaro, Kammerdiener), Joannah Tincey (als Susanna, seine Verlobte), Nicholas Rowe (Graf Almaviva), Clare Wille (als seine Ehefrau Gräfin Almaviva), Charlie Morton (als Cherubino, Page des Grafen), Anton Lesser (Bartolo, Arzt), Frances Jeater (Haushälterin Marcellina), Sean Barrett (Antonio, Gärtner und Susannas Onkel), Gina Bramhill (als Antonios Tochter Fanchette), Stephen Thorne (als Richter), Hugh Dickson (Basilio, Musiklehrer der Gräfin) u. a. Regie und Bearbeitung: David Timson. Produktion: Nicolas Soames, BBC 2010

Verwandtes Thema Die SWR-Radiosendung ’Der Mozart-Effekt, eine unendliche Geschichte?’ (2003) von Klaus Schützmannsky. Ein Feature über die umstrittene Hypothese, dass ein bestimmtes Musikstück von Mozart die Intelligenz steigern kann. Eine Sendung an der u. a. Erich Vanecek, Professor für Musikpsychologe an der Universität in Wien, und Wilfried Gruhn, Professor an der Musikhochschule in Freiburg teilnehmen
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Figaros Hochzeit im Spionagethriller In ‘Ipcress – streng geheim’ (1965), dem Klassiker um das Thema Gehirnwäsche, wird Mozarts Figaro von einer Blaskapelle gespielt als Harry Palmer (Michael Caine) und sein Boss in einem Park ein konspiratives Treffen mit Leuten aus dem Ostblock haben. Hier die Szene. Palmer liebt Mozart, empfindet die Version von der Blaskapelle jedoch als Folter und kann es nicht abwarten, zu gehen

Wussten Sie schon? Die Ouvertüre von ’Die Hochzeit des Figaro’ war im TV-Werbespot für Citroen ZX 16v

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