2013 marks the 150th anniversary the London Underground. As much as practical, many stations are beautifully designed

Die älteste U-Bahn der Welt wurde im Januar 1863 eröffnet und feiert dieses Jahr ihr 150. Jubiläum. Wir sind früher öfters mal auf der London Underground gefahren und haben gute Erinnerungen daran. Fahrten von Jugendherbergen oder Bed & Breakfast in Richtung Britisches Museum und dergleichen. Die Röhre, the tube wie sie oft genannt wird, ist nicht nur praktisch sondern hat trotz ihrer monumentalen Größe etwas an Stil und Persönlichkeit, vielerorts sogar etwas an Schönheit aus vergangenen Epochen erhalten. Vom Design her gefallen uns besonders die Elemente die von der Jahrhundertwende stammen. Man könnte das vielleicht Jugendstil nennen, aber der Look von Londons U-Bahnstationen ist hauptsächlich von einer englischen Künstlerbewegung namens Arts and Crafts geprägt. Ihr Gründer war der Designer William Morris (1834 -1896) der wiederum von Künstlern der Präraffaelitischen Bruderschaft beeinflusst war. In den zum Teil heute noch erhaltenen Fassaden und Fahrscheinschaltern von Londons U-Bahnstationen laufen also interessante Fäden zusammen. Der Mann der diese künstlerischen Konzepte in die Praxis eines damals ultramodernen Transportsystems integrierte war ein junger Designer namens Leslie Green der 1903, im Alter von nur 28 Jahren mit dem Projekt des U-Bahn-Designs beauftragt wurde. Es sind zwar heute nur noch wenige von seinen grünen Fahrschaltern mit Messing-Reling erhalten, aber die charakteristischen dunkelroten U-Bahnstationen in die man vom Bürgersteig aus ins Underground-System eintritt gibt, es noch zu Dutzenden in London, wie hier, siehe Fotos, Covent Garden Tube Station und Oxford Station oder auch ruhiger gelegene Stationen wie Chalk Farm um einige zu nennen. 

Leslie Green's design of many stations dates back to around 1903 and was influenced by the Arts and Crafts movement.

Alle Stationen haben, gemäß Größe und Lage etwas eigenes. Aber das markante, über 100 Jahre alte  Gesamtbild der Stationen wird heute zum Glück gehegt und gepflegt und gehört, wie die roten Doppeldeckerbusse, zu London und dem was die Stadt auch für Besucher und Touristen so attraktiv macht. Die Engländer haben eine Art, vielleicht mehr als manche andere Länder, in die Moderne zu schreiten ohne dabei übereifrig die Spuren der Vergangenheit auszulöschen. Dadurch entwickeln sich interessante Synergien. So war zum Beispiel J. R. R. Tolkien ein Verehrer der oben erwähnten Arts and Crafts Kunstrichtung. Gemäß dem Tolkien-Biografen Humphrey Carpenter war Arts and Crafts Gründer William Morris mit seinem vom Spätmittelalter geprägten Stil sogar einer der größten Einflüsse auf Tolkien und die literarischen Welten die er erschuf. Die Bewegung sprach auch den jungen, talentierten U-Bahn-Designer Leslie Green an, der schon im Alter von 22 Jahren sein eigenes Architekturbüro hatte. Vielleicht kann man etwas ‘spätmittelalterliches’ in den markanten Bögen und dem Gesims von Leslie Greens Design erkennen. Aber die U-Bahn sollte auch Geld verdienen und als Markenzeichen einen einheitlichen und deutlich erkennbaren Look in Londons geschäftigem Straßenbild haben. Daher die eher ungewöhnliche Farbe ox-blood red für die verkachelten Fassaden. Kosten für den Bau sollten mitunter dadurch amortisiert werden dass die absichtlich flachen Dächer der U-Bahnstationen das Potential für die Konstruktion und den Verkauf von Geschäftsräumen hatten. Das Innere der U-Bahnstationen sollte besonders edel aussehen, wozu aufwendige Akanthus-Ornamente am Oberrand der grünen Wandkacheln beitrugen. Auf dem Foto links gut erkennbar wenn man es zum Vergrößern anklickt. Dieser ‘Natur als Vorbild‘ Stil war ebenfalls ein Merkmal der Arts and Crafts Design-Philosophie. Insgesamt stellte Leslie Green (1875 -1908) in einem Zeitraum von ca. vier Jahren an die 50 U-Bahnstationen fertig, eine Leistung die ihn, unter enormen Termindruck, seine Gesundheit kostete. Er starb im Alter von 33 Jahren an Schwindsucht, hat aber ein Werk hinterlassen das bis heute die U-Bahn und auch Londons Stadtbild prägt.

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Info  Zu unserem U-Bahn BuchtippThe Subterranean Railway. How the London Underground was built and how it changed the city forever‘ hier ein weiterer Artikel von uns.

Avenita Kulturmagazin