40 years ago Paco de Lucía released the classic flamenco LP Almoraima (1976). We went places in Andalucía that the guitarist visited and also made a photo of his childhood home. See the pic, plus music & guitar info, in the blogpost

Vor 40 Jahren erschien Almoraima (1976), eins der besten Alben des Flamenco-Gitarristen Paco de Lucía (1947-2014). Er war damals 28 und hatte gerade den internationalen Durchbruch geschafft. Ein Lied von Almoraima wurde vom US-Jazz-Gitarristen Al Di Meola auf dem Album Elegant Gipsy (1977) gecovert. Später erschien das Lied auch auf dem erfolgreichen Live-Album Friday Night in San Francisco (1981) mit John McLaughlin. Nachfolgend im Blogpost ist eine Liveversion vom Gitarren-Trio, und das Original von der Almoraima-LP. Auch Infos über Pacos Gitarre – von einer Firma die später Leute wie Dylan und Steve Howe als Kunden bekam. Und Infos über einen neuen Dokumentarfilm über Paco de Lucía, inkl. Interviews mit McLaughlin, Santana, Chick Corea etc. Aber zuerst sprechen die Gitarren: In zwei guten Youtube-Clips.

.

Gitarre & Komposition: Paco de Lucía
Bedeutung: Breiter Fluss, daher Videothematik
Vom Album: Almoraima (1976), siehe oberes Foto
Check: Rasantes 32stel-Noten-Solo ab 2:18 min.
Erwähnt in: Guitar World ‘50 Fastest Guitarists of all Time‘
.
Anmerkung: Die ‘Mediterranean Sundance’ Version hat
ein längeres Intro. Man erkennt Rio Ancho ab 1:40 min.
Das Lied ist auch auf Friday Night in San Francisco (1981)
Und auf Al Di Meolas Studioalbum Elegant Gipsy (1977)
Obige Videoversion: Pavarotti & Friends for War Child (1996)
.

Near the 400 year old convent called Almoraima (prev. pic), is the 1000 year old castle Castillo de Castellar, above, which in the early 70s became a little hippie colony - kind of still is

Wir nahmen das Album Almoraima (1976) als Ausgangspunkt, eine schöne alte Vinyl-LP von Philips. Im Internet gab es keine Infos über das Coverfoto. Wir fanden nur heraus dass es ein altes andalusischen Kloster namens Almoraima gab und fuhren hin um es auszuchecken. Wir sind nicht sicher ob es das Gebäude auf dem Cover ist – wir waren nicht im Innenhof – aber es ist nahe Paco de Lucías Heimatstadt Algeciras, es ist heute ein Hotel namens La Almoraima und Paco de Lucía war hier mal als Gast. Immerhin. Zudem stellte sich heraus dass nicht nur das Kloster sondern die ganze umliegende Gegend Almoraima heißt und ein Naturschutzgebiet voller Korkeichen ist. Das eindrucksvollste Bauwerk liegt im Zentrum des Almoraima-Bezirks und ist eine über tausend Jahre alte Burg namens Castillo de Castellar, links im Bild. Das war unser nächstes Ziel, denn wir hörten dass Paco de Lucía früher öfters mal vorbei kam. Die Burg ist idyllisch an einem See gelegen und im Inneren ist ein kleines Dorf. Mit einer Gitarre und einer Paco de Lucía-LP unter dem Arm kommt man in andalusischen Bars gut an, denn selbst in Dörfern hat heute kaum noch jemand Schallplatten. Wir hörten ein paar interessante Geschichten. In dem Burgdorf lebten bis in die 1960er Jahre Arbeiter von der Korkeichen-Industrie. Als man ihnen dann moderne Apartments in der nahen Stadt Castellar anbot, zogen alle aus und das Burgdorf zerfiel etwas, wurde eine Art Hippie-Kolonie.

In the castle is a village, with shops & restaurants Nowadays there's also a hotel. The flamenco bar, above was already there in the 1970s and Paco de Lucía came here for parties

Gegründet u. a. von jungen Amerikanern die damals auf der Flucht vor dem amerikanischen Wehrdienst in Vietnam waren. Bizarrer noch, jemand sagte uns dass ein, zwei dieser Leute den Schriftsteller James A. Michener auf seiner Reise durch Spanien getroffen hätten und zum Vorbild für Figuren in dem berühmten Hippie-Roman die Die Kinder von Torremolinos (1971) wurden. Der Originalroman heißt The Drifters, was Die Herumtreiber bedeutet. Der Roman spielt nicht nur in Torremolinos, er folgt den Aussteigern auf ihren Reisen nach Portugal, Marokko etc. Dabei kommt man an Castellar vorbei – das durch seine Nähe zu Gibraltar und Marokko (die in Sichtweite von der Burg sind) damals auch ein Umschlagplatz für Drogen war. Kurz gesagt, Castillo de Castellar wurde in den 70ern ein angesagter Ort für die alternative Szene Andalusiens. Es leben bis heute einige Hippies hier, aber es hat auch eine sog. Gentrifizierung stattgefunden, also es gibt mittlerweile auch ein paar ziemlich schicke Restaurants und in der Tat ein Hotel in der Burg. Am erfreulichsten für uns war, hier auch eine kleine Flamenco-Bar zu finden. Siehe Foto. Hier finden bis heute kleine aber feine Flamenco-Konzerte statt. Besitzter Diego bestätigte uns dass Paco de Lucía die Bar in den 70ern öfters besuchte, zwar nicht als Spieler – denn dafür hätte die Kneipen-Kapazität von ca. 50 Personen nicht ausgereicht – aber als Gast bei Partys und Konzerten von neuen Talenten. In der Bar gibt es auch Flamenco-CDs und wir kauften dort das Almoraima-Album – das wir bis dahin nur als LP, nicht als CD hatten – und hörten die Musik bei der Autofahrt durch die Landschaften der Almoraima. Passte.

Birthplace of Paco de Lucía (1947-2014) in Algeciras. The rural region of Almoraima is nearby and popular for days out & ferias. Dog belongs to the guy who took us to the house

Nicht weit von der Burg Castillo de Castellar ist auch die Stadt Algeciras, aus der Paco de Lucía stammt. Wir fuhren hin um ein Foto vom Haus zu machen in dem der Gitarrist geboren wurde. Fotos im Netz und bei Wikipedia wirken etwas nichtssagend und wir fanden – hey, we can do better than that. Es bestätigte sich die Erfahrung dass es bei Nachforschungen ergiebiger ist, Leute vor Ort nach dem Weg zu fragen, als per Navigationssystem zu fahren. Als wir vor einem Park im Stadtzentrum anhielten und unser Spanisch zum Besten gaben – ¿Dónde está la casa de Paco de Lucía? – kam ein älterer Typ mit Hund dazu und sagte: Wenn mein Hund mit ins Auto darf, zeige ich euch Pacos Haus. Deal. Wie viele Leute seiner Generation, konnte er sich erinnern, Paco als Kind gesehen zu haben. Er erzählte von hiesigen Drogenproblemen die über die Jahre auch einige Flamenco-Musiker betroffen hätten. Als wir an dem Haus in der Straße San Francisco Nr. 8 ankamen und Fotos machten, kam immer wieder der kleine Hund namens Tango ins Bild und bescherte uns bei diesem relativ unscheinbaren Haus eine originelle Momentaufnahme. Wir wussten von vorherigen flüchtigen Besuchen in Algeciras dass es keine keine Bilderbuch-Stadt à la Marbella, und definitiv keine Schickimicki-Stadt wie Puerto Banus ist. Die relativ kleine, auf dem industriellen Schiffsverkehr basierende Hafenstadt an der Meeresenge von Gibraltar hat eine ausgeprägte Arbeiterkultur. Auch Paco de Lucía kam aus einer armen Familie, wo der Vater nach seiner täglichen Arbeit auf Gemüsemärkten, des Abends als Gitarrist in Bars spielte um ein kleines Zubrot zu verdienen. In einem Dokumentarfilm den wir nachfolgend vorstellen, sagt Paco de Lucía dass dieses Leben – knapp an Geld, aber reich an Abenteuer und Familienzusammenhalt – ihn sehr geprägt hat, dass dies die Essenz der Flamenco-Kultur ist. In einem Interview sagte er: ‘It’s strange, but I never thought of myself as playing music, I was just living a special kind of life – flamenco’. Danke, dass wir etwas davon kennenlernen durften, Señor Paco de Lucía (1947-2014).

Ads by Google

 

Paco de Lucías Gitarren  Er spielte meist Gitarren von der Firma Conde, hier ein Foto. Die Werkstatt ist in der Straße Arrieta 4 in Madrid. Dieser YouTube-Clip gibt einen Blick in die Werkstatt von Felipe Conde. Hinter ihm hängen Fotos von Leuten wie Lenny Kravitz. Weitere Benutzer von Conde Gitarren sind Leute wie Bob Dylan, Steve Howe, Al Di Meola, John Williams, Cat Stevens, David Byrne etc. Die Gitarren kosten ca. zwischen 2000 und 10.000 Euro. So weit ich weiß (das sollte man vor dem Kauf zumindest auschecken) werden die billigeren Instrumente manchmal in anderen Werkstätten ‘unter Aufsicht’ der Firma gebaut.

Dokus über Paco de Lucía  Am besten ist der 2CD+DVD-Set La Búsqueda (2014), was Die Suche bedeutet Ein 90 min. Dokumentarfilm der von Paco de Lucías Sohn gedreht wurde und 2015 den Goya-Filmpreis gewann. Neben Leuten aus der Flamenco-Szene, kommen Musiker wie John McLaughlin, Carlos Santana und Chick Corea zu Wort, die zwei letztgenannten auch in diesem Trailer. Wer Schwierigkeiten hat La Búsqueda zu finden (es scheint bei Amazon zur Zeit nur die 2-CD-Musikkompilation La Búsqueda erhältlich zu sein), kann online einen anderen kompletten Dokumentarfilm namens Francisco Sánchez. Paco de Lucía (2002) auschecken. DVDs beider Dokus haben den Vorteil dass sie engl. Untertitel haben.

Wussten Sie schon?  Der Titel des Dokumentarfilms bezieht sich darauf dass Francisco Sánchez sein Geburtsname, und Paco de Lucía sein Künstlername ist. Der Name, quasi Der Sohn von Lucia, ist eine Hommage an seine portugiesische Mutter Lucia Gomes. Im Film besucht er ihren Geburtsort in Portugal

Paco de Lucías Auftritt in einem Western  In Andalusien werden aufgrund der Landschaften und des guten Wetters jährlich viele internationale Filme gedreht. Der junge ‘mexikanische Gitarrenspieler’ in dem Western In einem Sattel mit dem Tod (1971) mit Raquel Welch und Christopher Lee ist kein anderer als Paco. Olé!

Das enigmatische Titellied von Almoraima (1976)  Last not least, das Lied das mit seiner Hommage an die mittelöstlichen Elemente der Flamenco-Musik bahnbrechend war. Ab 1:20 min spielt Paco eine orientalische Kurzhalslaute, eine Oud. Heute ist das, z. B. in Weltmusik, gang und gäbe, vor 40 Jahren war es revolutionär

Mehr von uns über Gitarristen Zum Geburtstag des geheimnisumwitterten Bluesmusikers Robert Johnson

Avenita Kulturmagazin