50 years after their iconic appearance in the Bergman movie Persona (1966) these two great ladies of Scandinavian cinema, Liv Ullmann & Bibi Andersson, are 77 and 80 years old - and still looking good. See Persona documentary below

Der schwedische Regisseur Ingmar Bergman (1918-2007) wurde durch den Film Das siebente Siegel (1957) international bekannt. Vor 50 Jahren veröffentlichte er den enigmatischen Spielfilm Persona (1966) mit Liv Ullmann und Bibi Andersson. Von der Film-Bibel Sight & Sound auf Platz 17 der besten Filme aller Zeiten gewählt. Starkes DVD-Cover. Und gut zu wissen, dass die zwei Hauptdarstellerinnen, heute 77 und 80 Jahre jung, beide noch leben und immer noch gut aussehen, wie Sie gleich in einem Doku über Persona sehen werden. Ebenfalls Infos über den abgelegenen Drehort des Films, ein Musikstück von J. S. Bach, und einen schönen alten Volvo der in Persona vorkommt. Aber sagen Sie bitte nicht, das Auto ist der Hauptgrund warum Sie diesen Artikel anklicken! Bergman traf die norwegische Schauspielerin Liv Ullmann rein zufällig als sie mit ihrer Freundin, der Schwedin Bibi Andersson durch die Straßen ging. Bergman war fasziniert davon, wie ähnlich die beiden Frauen sich sahen, und fragte Ullmann ob sie Lust hätte in einem seiner Filme zu spielen? Bibi kannte er schon gut, sie war in mehreren seiner Filme erschienen, so wie dem obengenannten Siebenten Siegel, und war zudem in den 50er Jahren romantisch mit Bergman liiert gewesen. Für Liv sollte die Begegnung der Beginn einer langen Verbindung mit Bergman werden. Der Film um den es ging, war Persona. Er handelt von zwei Frauen die sich auf eine einsame Insel zurückgezogen haben.

Bergman's house on Fårö. It appears in Persona (1966) and the documentary 'Trespassing Bergman' (2013) featuring people like Ridley Scott and Martin Scorsese. See trailer below

Drehort war die raue, landwirtschaftlich geprägte Insel Fårö an der schwedischen Südküste, die etwa so groß wie Sylt ist aber nur ein paar hundert Einwohner hat. Hier spricht man bis heute den ältesten Dialekt Schwedens. Ingmar Bergman verliebte sich Anfang der 60er Jahre in die Insel und drehte mehrere seiner Filme dort. Fårö wurde sein Zuhause, er blieb dort bis an sein Lebensende. Links im Bild ist sein Haus namens Hammar. Hier und am nahen Strand spielt der Großteil des Films Persona (1966). Man sieht die damals 26-jährige Liv Ullmann in der Rolle von Elisabet Vogler, einer berühmten Schauspielerin die ihre Fähigkeit zu sprechen verloren hat. Da keine körperlichen Leiden vorliegen, scheinen die Gründe psychischer Natur zu sein. Nach einem anfänglichen Aufenthalt in einem Sanatorium schickt man sie zusammen mit der Krankenschwester Alma, gespielt von Bibi Andersson, auf eine abgelegene Insel in der Hoffnung, weit weg von Stress und Alltag dort kuriert zu werden. Was dann passiert könnte man als eine Auflösung der Persönlichkeiten der zwei Frauen beschreiben. Alma ist von Elisabet fasziniert, und obwohl sie anfangs sehr anders als sie zu sein scheint, beginnt sie sich zunehmend mit ihr zu identifizieren. Die zwei Persönlichkeiten scheinen zu verschmelzen. Wenn das vage klingt, ist das weil der Film vage ist und mehr Fragen stellt als er beantwortet. Aber vielleicht ist es ein Merkmal von Kunst, wenn Werke nicht alles erklären sondern andeuten, und dem Zuschauer eigene Interpretationen überlassen.

Ever wondered what it'd be like to be stuck on a lonely island with two ladies? Ingmar Bergman with Bibi Andersson (left) and Liv Ullmann, filming Persona 1966) on the island of Fårö

Persona ist ein Avantgarde-Werk das Ansprüche an den Zuschauer stellt, aber zugleich fasziniert. Der Film wurde mir trotz des ziemlich spärlichen Handlungsstrangs nicht langweilig sondern brachte mich wiederholt dazu, ihn anzuhalten und Szenen zu wiederholen in denen ich meinte, etwas bizarres gesehen, gehört, missverstanden zu haben. Warum hat Krankenschwester Alma gerade ohne klaren Anlass von einem nicht ganz jugendfreien Liebesabenteuer mit vier Leuten am Strand erzählt? Beim Zusammenleben der Frauen stellt sich bald die Frage, ob es die Patientin oder die Krankenschwester ist, die größere Probleme mit ihrer Persönlichkeit hat? Und die Frage, was eine Persönlichkeit überhaupt ist? Ist es das was wir tun? Das was wir sagen? Das was wir denken? Ist es unsere Geschichte, oder eine Rolle die gesellschaftliche Konventionen von uns erwarten, z. B. die Erwartung, die Rolle der Ehefrau und Mutter anzunehmen? Diese Art von Dekonstruktion hat etwas subversives an sich. Ingmar Bergmans Subversivität scheint jedoch nicht ideologisch geprägt zu sein. Es scheint ihm nicht um 60er Jahre typische Gesellschaftskritik zu gehen, sondern um Neugier auf die Frage: Was sind wir? Was macht uns zu dem was wir sind? Die Idee kam Bergman, wie er in einem Interview sagte, bei einem Krankenhausaufenthalt als er erstmals eine Narkose erhielt und eine Vorstellung bekam, wie die Auflösung einer Persönlichkeit sich anfühlen könnte. Er sagt, er empfand das Gefühl einmal nichts zu sein als befreiend. Das schwedische Wort für Nichts ist Ingenting. Es ist das einzige Wort das Liv Ullmann im ganzen Film spricht. Bergman heiratete sie nach dem Film und lebte jahrelang mit ihr auf der Insel Fårö, in dem Strandhaus das als Drehort für Persona (1966) gedient hatte.

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Weitere Infos  Hier ein Trailer für Persona (1966), der Film ist auf Deutsch synchronisiert erhältlich und hat bei Amazon positive Rezensionen. Hier sind Interviews mit Bergman, Ullmann & Andersson über Persona

Der Dylan-Fan  Der Junge der in Persona (1966) Elisabets Voglers Sohn spielt und die Leinwand mit Liv Ullmanns Gesicht berührt, siehe Foto, ist der heute 65-jährige Jörgen Lindstöm. Persona war der letzte von drei Bergman-Filmen in denen er spielte. Danach arbeitete er im technischen Bereich der Filmindustrie. Er ist ein großer Dylan-Fan und hat eine umfangreiche Sammlung seiner Aufnahmen

Der schöne alte Volvo im Film  Als Alma loszieht um Elisabets Briefe abzuschicken – und sich heimlich ansieht was darin steht – fährt sie einen 1962 Volvo Amazon, einen Kombi 221 wie in diesem Foto

Doku über Bergman auf der Insel Fårö  Filmleute wie Ridley Scott, Martin Scorsese, Ang Lee sprechen in Trespassing Bergman (2013), siehe Trailer, darüber wie Bergman sie inspirierte. Mehrere Regisseure werden beim Besuch von Bergmans Haus auf Fårö interviewt, mitunter der Österreicher Michael Haneke

Musik von J. S. Bach im Film Persona hat einen starken modernistischen Soundtrack von Lars Johan Werle. Auch etwas klassische Musik. Elisabet hört im im Sanatorium Violinkonzert E-Dur, siehe Filmclip

Reisen auf Bergmans Spuren  Im Bergman Center auf der Insel Fårö an der Nordspitze der Insel Gotland, siehe Landkarte (Gotland war übrigens Drehort für die Pippi Langstrumpf Filme) sind jährlich verschiedene Ausstellungen, z. B. zum 50. Jubiläum von Persona (1966). Das Center ist Mai bis September geöffnet
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Avenita Kulturmagazin