Some girls...just want a really good friend: Released 40 years ago it became their biggest selling album. In the blog is info about the making of it in Paris, a court case that could have ended the Stones, and the blind girl who saved Keith

Das meistverkaufte Stones-Album aller Zeiten? Ja, tatsächlich. Links, meine Vinyl-LP von Some Girls (1978). Ich hätte auf Let it Bleed (1969) oder Sticky Fingers (1971) getippt. Aber Some Girls war mit damals ca. 6 Mio. Verkäufen kommerziell erfolgreicher. Auch im Vergleich zur vorherigen LP Black and Blue (1976) die mit ca. 1 Million immerhin Platinum-Status hatte. Ein erstaunliches Comeback in Zeiten die für die Stones nicht so einfach waren. Als Mittdreißiger war man damals altes Holz. In den Charts waren Leute wie die 19-jährige Kate Bush. Kult-DJs wie John Peel und Magazine wie NME favorisierten Punk. Und im Mainstream regierte Disco, ein Phänomen das langhaarige Typen mit Jeans und Akustikgitarren teils verbittert zur Kenntnis nahmen. Die Stones gingen jedoch – nach der Devise Angriff ist die beste Verteidigung – in die Offensive. Die große Hit-Single von Some Girls war das Lied Miss You, Nummer Eins in Amerika, Top-5 in mehreren anderen Ländern, und immerhin Nummer 12 in Deutschland. Der Gag dabei war dass Miss You kein ganz typisches Stones-Lied ist sondern Elemente von Disco enthält. Wenn auch nur den typischen 4-to-the-floor Rhythmus mit durchgängiger Bassdrum, und auch den synkopierten Bass. Das Mekka für Disco in den 70er Jahren war New York. Die Stones hatten dort ab 1977 aufgrund ihres neuen US-Plattenvertrags mit Atlantic ein Büro im Rockefeller Center gekriegt. Mick und Keith lebten in New Yorker Hotels, u. a. dem Mayflower Hotel in Central Park West. In Manhattan wurde April 1977 eine Discothek eröffnet die zur Legende wurde: Studio 54. Gründer Steve Rubell und Ian Schrager hatten als Publicity-Stunt Micks Ehefrau Bianca Jagger zu ihrem 30. Geburtstag auf einem weißen Pferd durch die Disco reiten lassen. Die Fotos gingen um die Welt, machten Studio 54 berühmt. Leute wie Andy Warhol, Truman Capote wurden Stammgäste. 1977 bis 1980 war Studio 54 einer der angesagtesten Orte der Popkultur. Verewigt mitunter im Spielfilm von Mike Myers. Folgender Video-Clip mit dem Lied Miss You gibt eine Vorstellung von der Szene.

Zu sehen u. a. Sylvester Stallone, Jerry Hall, Keith Haring, Debbie Harry,
Michael Jackson, Rod Stewart, Elton John, Robin Williams, Robert De Niro,
Billy Joel, Goldie Hawn, Salvador Dali, Diana Ross, Bianca Jagger, Liza Minnelli
William S. Burroughs, junger Sting, Yves Saint Laurent, Travolta, Michael Caine,
Lennon, Zappa, Björn Borg, Baryshnikov, Dylan (mit Sonnenbrille) und Bowie.
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The days of Disco and Studio 54: Floyd and Kiss incorporated elements of Disco in some songs, but the Stones got there first - with the Number One hit Miss You. Check video clip above

Mick ist ebenfalls im obigen Clip, aber das Foto von Keith mit James Brown und John Belushi ist, glaube ich, vom Mocambo Club, auf den ich auch gleich zu sprechen komme. Bob Dylans Foto, falls wirklich von Studio 54, ist das einzige das mich etwas überraschte. Aber interessanterweise gibt es auf Some Girls (1978) eine versteckte Anspielung auf Dylan, gleich mehr dazu. Obige 11 min. lange Version von dem Lied ist ein starker Outtake. Vermutlich auch die Basis vom 8:36 min. langen Disco-Mix von Bob Clearmountain, siehe Foto. Damals speziell veröffentlicht um das Lied für DJs attraktiv zu machen. Miss You wurde über die Jahre öfters neu abgemischt, inklusive von Rap-Mogul Dr. Dre. Auch dazu gleich mehr. Es muss gesagt sein, dass Miss You das einzige Lied auf Some Girls ist das ansatzweise nach Disco klingt. Aber es zeigt dass die Stones, mehr als die meisten ihrer Zeitgenossen, die Fähigkeit hatten, Popkultur anzuzapfen, umzuformen und sich zu eigen zu machen. Im Rückblick klingt Miss You viel mehr nach einem Stones-Lied, als nach einem typischen Disco-Song – sagen wir zum Vergleich mal, Yes Sir, I Can Boogie (1977). Miss You hat mehr Gitarren als in Disco üblich, zudem eine bluesige Mundharmonika. Und Jaggers Stimme hat mehr von einem harschen Rap, als vom süßlichen Gesangsstil à la Bee Gees, die damals mit Saturday Night Fever (1977) Disco in den Mainstream befördert hatten. Micks Falsetto-Passagen in Miss You klingen wie eine ironische Hommage an deren Sound. Jagger sagt im Interview (Bonusmaterial der DVD ‘Some Girls Live in Texas ’78′ über die ich gleich mehr berichte) dass er, anders als viele Rockmusiker, keine Vorurteile gegen Disco hatte. Für ihn gibt es gute und schlechte Lieder in jedem Genre. Auch andere Rockbands benutzten Disco-Elemente für ihre Zwecke: Kiss auf ‘I Was Made For Loving You‘ (1979). Pink Floyd auf Another Brick in the Wall (1979). Aber die Rolling Stones waren mit Miss You auf der LP Some Girls (1978) vor ihnen da.

Back of LP: The story of Some Girls, above, is connected to the previous live album Love You Live (1977) which was recorded in Paris...and Toronto, where Keith's drug bust happened

Some Girls entstand, wie so oft bei den Stones, unter chaotischen Umständen. Nicht zuletzt aufgrund von Keiths Drogenproblemen. Obwohl er in Interviews sagte dass er ‘keine Probleme mit Drogen, sondern nur mit Polizisten‘ hätte – was amüsant und zitatreif klingt. Aber bevor das Album herauskam, hatten viele Leute ernsthaft das Ende der Rolling Stones befürchtet. Februar 1977 wurde bei einer Drogenrazzia in Torontos Harbour Castle Hotel 22 Gramm Heroin bei Keith gefunden. Eine Menge die ihm Händler-Status bescherte und ein mehrjährige Haftstrafe unvermeidlich erscheinen ließ. Bizarrerweise spielte ein Stones-Fan, ein junges blindes Mädchen, eine Rolle dabei, Keith vor dem Knast zu retten. Aber gehen wir mit der Geschichte zuerst ein, zwei Jahre zurück: Nach Paris. In 1976 hatten die Stones den Großteil ihrer Live-Doppel-LP Love You Live (1977) in Paris aufgenommen. Der Beginn einer langjährigen Verbindung der Stones mit Paris, wo auch Some Girls und zukünftig fünf weitere Alben oder zumindest Teile von fünf Stones-LPs aufgenommen wurden. Die meisten Lieder von Love You Live (1977), siehe LP-Cover von Andy Warhol, wurden in der Konzerthalle Les Abattoirs aufgenommen. Ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert in dem in den 70ern auch Leute wie Neil Young, AC/DC, Queen, Pink Floyd u. v. a. spielten. Die Aufnahmen in der Halle, mit 10.000 Personen Kapazität, die auch unter dem offiziellen Namen Pavillion de Paris bekannt ist, klingen gut, haben einen natürlichen, architekturbedingten Halleffekt der die Stones monumental klingen lässt. Die Stones wollten, vielleicht als Kontrast zum Stadion-Sound der meisten Lieder, auch ein paar alte Blues-Klassiker in einem kleinen Club aufnehmen. Sie wählten dafür eine Taverne namens El Mocambo in Toronto. Obwohl dort nur ca. 350 Leute reinpassten, war Mocambo ein kultiger Ort in dem über die Jahre Leute wie Marilyn Monroe, Charles Mingus, Stevie Ray Vaughan und U2 auftraten. Als die Stones im Mocambo spielten, war im Publikum die 28-jährige Margaret Trudeau, Ehefrau des damaligen kanadischen Premierministers Pierre Trudeau – und Mutter des heutigen Premiers Justin Trudeau. Margaret war Stones-Fan, feierte Partys mit ihnen, und hatte angeblich Affairen mit Mick und Ronnie, was – im Tandem mit Keiths Drogenbesitz – zum Skandal wurde.

Keith got out on bail. The band convened in the EMI studios, Paris. Though a jail sentence for Keith seemed inevitable, the session, with some 40 songs, were amazingly productive. Guitar info: Keith with Fender Strat, Ronnie with Zemaitis

Keith Richards kam erst mal auf Kaution frei. Die Gerichtsverhandlung war erst im folgenden Jahr. Er und die Band hatten ihre eingezogenen Pässe von den kanadischen Behörden wiedererhalten. Seine Anwälte hatten u. a. darauf plädiert dass Keith dringend in den Entzug müsste. Was er auch tat, er unterzog sich sechs Wochen lang der damals neuen NES-Therapie in Philadelphia. Obwohl er später wieder mit Heroin anfing, fasste er in diesen drogenfreien Wochen zumindest den Entschluss, aufzuhören. Die Stones begaben sich im Oktober 1977 wieder nach Paris um in den dortigen Pathé-Marconi Studios vom EMI das Album Some Girls aufzunehmen. Mir war dieses Studio, von dem nur wenige Fotos existieren, vorher kaum ein Begriff, aber ich stellte fest dass hier mitunter Alben von ELP (Works, 1977), Thin Lizzy (Black Rose, 1979) und David Gilmour (About Face, 1984) aufgenommen wurden. Mick Jagger, dessen Ehe mit Bianca Jagger de facto am Ende war, lebte während dieser Zeit mit seiner neuen Freundin Jerry Hall in dem kleinen aber kultigen L’Hôtel in Saint-Germain-des-Prés, zu dessen Kundschaft über die Jahre Gäste wie Jim Morrison, Salvador Dali, Jean Cocteau und Grace Kelly gehörten. Keith besaß ein eigenes Apartment in Paris, konnte es aber nicht finden weil er die Adresse vergessen hatte. Passiert in den besten Familien. Aber obwohl es drunter und drüber ging, waren die Aufnahme-Sessions in Paris sehr ergiebig. Obwohl auf Some Girls nur zehn Lieder sind, schrieb die Band damals insgesamt um die vierzig Lieder. Einige davon, wie Start Me Up, sollten später auf Alben wie Tattoo You (1981) auftauchen. Für den guten Verlauf der Some Girls Sessions gibt Keith Richards in seiner Autobiografie Life (2010) mitunter dem Producer Chris Kimsey Credit, (‘The sound we got had a lot to do with Chris Kimsey…’), der als Toningenieur, siehe Foto mit Keith, schon auf früheren Stones-LPs eine gewisse Rolle gespielt hatte. Mick mochte den klaren Bass- und Schlagzeug-Sound den Chris Kimsey der Gruppe Bad Company gegeben hatte, schreibt Stephen Davis in seiner Stones-Biografie Old Gods Almost Dead (2001).

Cover of the single Shattered. Besides the influence of Disco, which was only evident on Miss You - the other thing that had happened was Punk. Though in Mick's opinion the Stones were the original punks. With songs like Shattered they proved it

Ein weiterer zeitgeschichtlicher Einfluss auf die Some Girls Sessions war zweifellos die Punk-Revolution von Bands wie The Clash und Sex Pistols. Aber aus Micks Sicht waren nun mal die Stones, und speziell Keith Richards, die Original-Punks. Und sie wollten sich diese Bad Boy Krone nicht von irgendwelchen Grünschnäbeln stehlen lassen. Das Lied Shattered, dessen Titel man mit ‘Kaputt‘ übersetzten könnte, hat eine punkige, etwas dissonante Akkordstruktur (hauptsächlich E-Dur und H-Dur), mit einem gezielt harschen Text der eher gerufen als gesungen ist:

‘Life is just a cocktail party on the street – Big Apple – people dressed in plastic bags…’ Laughter, joy and loneliness and sex and sex and sex and sex. Look at me, I’m in tatters…I’m a shattered’ (Textauszug ‘Shattered’ 1978)

Oben im Bild, die Plattenhülle der Single Shattered, die vom Design her ebenfalls auf Punk-Ästhetik anspielt. Ein Journalist vom Rolling Stone Magazin sagte damals, das Lied erinnere ihn an ‘Alexander Solschenizyns Betrachtungen über den Niedergang des Westens’. Ich kann nicht sagen dass es mein Lieblingslied von der Band ist, aber es zeigt, wie die Stones, die damals schon 16 Jahre im Geschäft waren – zu dem Zeitpunkt fast einmalig in der Popmusik, denn selbst die Beatles hatten nur 10 Jahre existiert – immer noch offene Augen für das Zeitgeschehen hatten. Rückblickend fällt auf dass Punk ein zwar einflussreiches aber sehr kurzlebiges Phänomen war. Dass die Rolling Stones heute, noch mal 40 Jahre später, und nach sämtlichen musikalischen Kulturkämpfen immer noch Erfolg haben – vielleicht mehr als der Westen insgesamt – wirkt wie ein Wunder.

LP cover got banned, at least some of famous faces had to be blanked out. My LP has two sets of faces on each side of the inner sleeve - to be seen through the die-cut front cover

Obiger Clip von Shattered ist übrigens von der empfehlenswerten DVD Some Girls: Live in Texas ’78, die im Jahr 2011 veröffentlicht wurde und die Band in Topform zeigt. Nicht auf DVD zu sehen, aber faszinierend zu wissen ist dass auf der 1978 Stones US-Tour Vorgruppen wie Van Halen, Patti Smith und die Progrocker Kansas spielten. Diese Konzerte, teils in Stadien mit 80.000 Zuschauern, begannen mittags, um Zeit für die jeweiligen Vorgruppen zu haben. Das spezifische Konzert auf der DVD fand jedoch absichtlich in einer kleineren Halle vor ca. 3000 Zuschauern in Fort Worth, Texas statt. Hier das 1978 Tour-Poster, im Stil von Propagandaplakaten der chinesischen Kulturrevolution, mit einem enthusiastischen Fabrikmädchen zwischen Schornsteinen und Wohnmobilen. Im Mai 1978 gingen die Stones für die Proben der Some Girls Tour in die Bearsville Studios in Woodstock – dem Städtchen das dem Festival den Namen gab aber ca. 100 km von der Konzert-Location entfernt ist. Das Studio, ehemals eine hölzerne, alte Scheune, gehörte dem Ex-Dylan-Manager Albert Grossman und der Gruppe The Band, die ebenfalls eine Verbindung mit Dylan hatten. Über die Jahre kamen Kunden wie R.E.M, Simple Minds, Jeff Buckley und Patti Smith nach Bearsville. Auf der DVD Some Girls: Live in Texas ’78 sind im Bonusmaterial ein paar Szenen von den Stones im Bearsville Studio zu sehen. Bootlegs von den Proben sind Aufnahmen sind unter dem Namen Woodstock Tapes im Umlauf. Die Tour begann Juni ’78 und erntete als ’Back-to-basics Rock ohne Gimmicks viel Lob. Mein Lieblingslied von Some Girls und der Tour ist Beast of Burden, hier der Live-Clip, ein Liebeslied mit ambivalenten Lyrics:

‘Ich will nicht mehr dein Arbeitstier sein, mein Rücken tut mir weh. Ich will dich nur lieben. Ich weiß nicht ob ich rau genug oder reich genug für dich bin? Aber ich bin nicht blind. Ich sehe wie schön du bist…’

The single Beast of Burden was another hit from Some Girls. A song that demonstrates nicely what Keith calls the 'weaving' (i.e. interlinking) of guitars that are a Stones trademark

Die Single Beast of Burden, links das Cover, war ein Top-10 Hit in Amerika. Der Rapport zwischen den Gitarren von Keith und Ronnie kommt hier gut zur Geltung, verdeutlicht das was Keith das weaving oder das Verweben von zwei Gitarren-Sounds nennt. Das Lied wird mitunter als Botschaft von Mick an Jerry Hall – oder von Keith an Anita Pallenberg gedeutet. Letztgenannte Beziehung ging damals auf ihr Ende zu. Anita verließ Woodstock nach einen großen Streit mit Keith, der vor der Tour einen cold turkey, sprich abrupten Drogenentzug durchmachte. Keith war bei Ronnie Wood eingezogen und hatte dort das schwedische Model Lily Wenglass getroffen, die längere Zeit Keiths Freundin wurde und sich gut um ihn kümmerte, z. B. Dealer von von fern hielt. Was für Anita, die selber heroinsüchtig war, vermutlich schwierig gewesen wäre. Keith schreibt in seiner Biografie Life (2010) positiv über Wenglass: ‘Sie holte mich zurück vom Abgrund…es ist nicht einfach, von Heroin loszukommen, nach zehn Jahren und fünf oder sechs Cold Turkeys. Lily war clever, sie hatte Energie, holte mich morgens aus dem Bett…sie war kein Studio 54 Mädchen…Mick mochte sie nicht.’ Ah, wieder eine Erwähnung vom berüchtigten Studio 54 Nachtclub. Ich musste grinsen beim Gedanken dass Keith vielleicht eine Unschuld vom Lande lieber mochte als Micks finessenreiche ‘Studio 54 Mädchen’.

Other side of inner sleeve. You can click to enlarge pics and spot stars: Marilyn Monroe, Rita Hayworth...being on a Stones LP confirms their iconic status, one would have thought

Zum Glück ließ sich Keith in der Regel nicht von Mick beirren. Aber seine Sorgen waren noch nicht ausgestanden. Die US-Tour in Juni und Juli ’78 war zwar erfolgreich gelaufen und beendet, aber im Oktober war der Gerichtstermin in Kanada, der das Potential hatte, die Karriere von Keith und wahrscheinlich auch die von den Stones zu beenden. In einem Wikipedia-Artikel steht dass die ’78 Tour als ‘Farewell Tour’ dargestellt wurde, wofür ich keinerlei Belege oder Zitate finden kann, aber es würde insofern Sinn machen wenn damit für ein worst case Gerichtsurteil vorsorgt werden sollte. Keith erschien am 23. Oktober vor Gericht in Toronto, mit massiver Medienpräsenz, und in Begleitung von Freundin Lily Wenglass und dem kanadischen Schauspieler Dan Aykroyd (ja, der aus dem Film Ghostbusters) der damals Presenter der Kult-Comedy Show Saturday Night Live war. SNL-Producer Lorne Michaels war ebenfalls dabei, und sprach sogar vor Gericht als character witness um ein gutes Wort für Keith einzulegen. Die Stones waren zuvor auf SNL aufgetreten (die gesamte Performance ist im Bonusmaterial der DVD Some Girls: Live in Texas ’78). Erstaunlicherweise, und unter Protesten der konservativen kanadischen Presse, wurde Keith zwar schuldig befunden, aber nur für den Besitz von Heroin, und trotz der großen Menge, nicht als Dealer. Er bekam 1 Jahr Gefängnis, zur Bewährung ausgesetzt. Ich vermute, dass bei dieser Entscheidung der praktische Menschenverstand des Richters die entscheidende Rolle spielte. Aber Keith bringt in seiner Biografie Life eine zusätzliche Geschichte ins Spiel.

 ’And this was to do with a blind girl who had followed the Stones everywhere on the road. Rita, my blind angel. Despite her blindness, she she hitchhiked to our shows. The chick was absolutely fearless. I’d heard about her backstage, and the idea of her thumbing in the darkness was too much for me…’

The album was followed by a successful tour, captured on the DVD Some Girls: Live in Texas ’78. My edition includes CD with all the songs, plus booklet etc. - Info about 2018 dates below

Er erzählt dass die Stones auf Tour damals für längere Zeit, schon bei ihrer vorherigen US-Tour, von einem blinden Mädchen namens Rita begleitet wurden. die der Band und den Konzerten überall hin folgte. Keith war das aufgefallen und er hatte Tour-Personal damit beauftragt, dafür zu sorgen dass dem Mädchen nichts passierte. Bizarrerweise stellte sich später heraus dass dieses Mädchen den Richter von Toronto kannte und ihn persönlich in seinem Haus besuchte um ihm zu erzählen was Keith Richards für sie getan hatte. Wow! Ob das nun genau so ablief oder nicht – fest steht dass der Richter den Gitarristen dazu ‘verdonnerte’ ein Benefizkonzert  für das Canadian Institute for the Blind zu spielen. Das tat Keith nur zu gerne. Hier ein Clip von Just My Imagination, ein Lied von Some Girls das auf dem Konzert gespielt wurde. Die Tatsache dass Keith seit dieser Episode nie mehr festgenommen wurde und im Laufe der Zeit endgültig von Heroin loskam, deutet darauf hin dass er seine Lehre gelernt hatte. Und das der Richter – mit Hilfe von einem Engel, wie Keith das Mädchen nannte – salomonisch urteilte. Keith hat Rita nie vergessen. Hier sind die beiden auf einem Foto von 1989, und hier Keith & Rita heute, 40 Jahre später. Some girls…just save your life.

 

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Wussten Sie schon? Im Titellied von Some Girls (1978) ist eine Anspielung auf Bob Dylan. Die Zeile ‘I’ll buy a house back at Zuma beach and give you half of what I owe‘ bezieht sich auf seine damalige Scheidung, die ihn angeblich viel Geld kostete, mitunter sein Haus (oder die Hälfte seines Wertes) in Zuma Beach, Malibu. Es ist, so weit ich weiß, diese Dylan-Residenz, der ungewöhnliche Kupferdom passt jedenfalls zur Beschreibung. Der Zuma Strand diente auch als ikonischer Filmdrehort, u. a. von der Endszene von Planet der Affen (1968), mit der Freiheitsstatue. Hier ist das Titellied Some Girls, live in Martin Scorseses Film Shine a Light (2008). Ich glaube nicht, dass Dylan die Erwähnung übel nahm. Die Stones gehören bis heute zu seinem Freunden.

Keith Richards Gitarrensound auf Some Girls Keith schreibt in seiner Biografie dass der Gitarren-Sound viel mit einer ‘kleinen grünen Box‘ zu tun hatte, er sagt er benutzte ein ‘echo-reverb MXR Pedal‘. Vermutlich dieses, siehe kurzes Demo auf Youtube. Allerdings fällt mir auf Some Girls auch ein ungewöhnlicher Phaser-Klang auf, z. B. beim Intro von Beast of Burden. Überwiegende Meinung in Gitarren-Foren ist dass Keith auch ein oranges MXR phase 100 Pedal benutzte, hier ein kurzes Demo. Angeblich ist die orange Phaser-Box sogar stellenweise auf der Some Girls Konzert-DVD zu sehen. Uff, solche kleinen Geräte sind im HaIbdunkel auf dem Boden schwer zu erkennen, aber ich checke es nochmal im Detail aus sobald ich dazu komme.

Erwähnung von Jimmy Page auf der Some Girls Tour  Die Stones waren nie schüchtern, manchmal sogar fies und konfrontativ. Jagger macht in dem Lied Star Star einen kleinen Seitenhieb gegen Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page. Ab 2:33 min. ist die neue Textzeile ’And Jimmy Page was quite a rage, I could not see the reason why….’. Das Lied ist vom Album Goats Head Soup (1973), gehörte aber zum Konzert-Repertoire. Wenn Mick ‘nicht verstehen konnte warum Jimmy so in Mode war‘, hat die zweifellos humorvolle Zeile jedoch einen Körnchen Wahrheit, denn bei Led Zeppelin machte sich Ende der 70er eine gewisse Erschöpfung bemerkbar

Spielfilm über Studio 54  Last, not least noch etwas zur anfangs erwähnten Discothek namens Studio 54, die einen gewissen Einfluss auf Mick hatte, zumindest auf das Lied Miss You, das der Band einen massiven Hit bescherte. Hier ein Trailer für den Spielfilm 54 (1988) mit ‘Wayne’s World’ Star Mike Myers in der Rolle von Steve ‘You’re not coming in with that shirt!‘ Rubell. Man müsste schon absolut allergisch auf Disco sein um diesen Film nicht unterhaltsam zu finden. Mehr zum Thema in einem Dokumentarfilm über Studio 54

Miss You als Cover von Prince und Remix von Dr Dre  Ich glaube, selbst die erfolgsgewohnten Stones werden ein kleines bissches stolz auf das ultra-funkige Prince-Cover sein. Mit Sting (Bass) und Ronnie Wood (Gitarre). Interessant auch der 2002 Mix von Dr Dre für – hier noch mal Mike Myers – Austin Powers Film

Stones 2018  Dublin (17 May), London (22 & 25 May, Southampton (29 May), Coventry (2 June), Manchester (5. 6.) Edinburgh (9. 6.), Cardiff (15. 6.), Twickenham (19. 6.), Marseille (26. 6.), Praha (4. 7), Warszawa (8. 7.)

Stones 2018 Deutschland Am 22. Juni Olympiastadion Berlin / und 30. Juni Mercedes-Benz Arena Stuttgart

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