Every picture tells a story: Über 500 Pubs in England heißen 'The Royal Oak'. Wir wollten wissen, warum?

Reklame kann auf interessante Weise künstlerische und sozialgeschichtliche Aspekte verbinden. Britische Pubs, die in etwa das Äquivalent von deutschen Kneipen oder Wirtschaften sind, haben eine Tradition von Schildern, oftmals sprichwörtlich Aushängeschildern die beidseitig und aufwendig bemalt sind. Die Schilder sind Prestigeobjekte, und professionelle Schildermaler arbeiten Tage oder auch mal eine Woche lang daran. Wirte legen Wert auf individuelle Gestaltung, deshalb sind bei bestimmten Pub-Namen die hundertfach vorkommen, die Schilder oft sehr verschieden. Ein kurzer Blick auf das Ergebnis der Google-Bildsuche für The Royal Oak zeigt dutzende Resultate, wobei auf Anhieb keins unserem Foto gleicht. Britische Pubs sind oft sehr gemütlich eingerichtet, fast wie Wohnzimmer, selbst hier bei uns an der Costa del Sol gibt es englische Pubs mit Kaminfeuern, Teppichen…manchmal sogar Sofas. Tatsächlich entwickelten sich britische Pubs aus den Wohnzimmern von Leuten die zuhause Bier brauten. Vor Hunderten von Jahren, als es noch keine Geschäfte gab die Bier in Flaschen verkauften, ging man in seiner Umgebung zu Leuten von den es sich herumgesprochen hatte dass sie gutes Bier oder ale brauten. So wurden aus privaten Häusern ale houses oder public houses, kurz: Pubs. Wenn solche Häuser nahe von Verkehrswegen lagen, kam auch fahrende Kundschaft dazu. Auf den rauen Straßen des Mittelalters hätte ein Pferdewagen, vermuten wir mal, alle 10 oder 15 Kilometer eine Rast machen müssen. Auch heute noch bieten viele Pubs in ländlichen Gegenden neben Speis und Trank auch Bed & Breakfast. Dass Pubs im Laufe der Zeit auch viel Kundschaft von Postkutschen und später Eisenbahnreisenden bekamen, spiegelt sich in häufigen Pub-Namen wie Post Inn oder Railway Inn. Die Tatsache dass viele Pub-Namen auf Legenden und oft auch historische Ereignisse anspielen, vermittelt eine Vorstellung von damaligen Gesprächsthemen. Dass über 500 englische Pubs The Royal Oak heißen, beruht auf Charles II. Der englische König kehrte 1651 aus dem Exil zurück und versuchte das Parlament zu besiegen. Als er jedoch mit seiner Armee in der Schlacht von Worcester von Cromwell geschlagen wurde, musste er flüchten.

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Eine königstreue Familie versteckte ihn in einem hohlen Eichenbaum. Als Charles es 1660 schaffte, die Monarche wiederherzustellen, wurde diese Eiche The Royal Oak genannt – und kultig. Der Baum wurde im Laufe der Zeit von Souvenirjägern sprichwörtlich in Stücke gerissen, aber an seiner Stelle eine neue Eiche gepflanzt die heute noch steht, und in Boscobel House, Shropshire heute noch besucht werden kann.

Avenita Kulturmagazin