The cover of Floyd's album Ummagumma (1969) features the so called Droste effect, the picture within the picture. We look at it's occurrence in art, advertising...and other Floyd LPs

Das Doppelalbum Ummagumma (1969) ist musikalisch sehr experimentell, hat Elemente von Musique concrète und Stockhausen. Pink Floyd waren damals fast noch ein Geheimtipp, nicht die Stars die sie mit Dark Side of the Moon (1973) werden sollten. Wir haben endlich eine Vinyl-LP gefunden und werfen einen genaueren Blick auf das Design das im LP-Format viel besser zur Geltung kommt als auf CD. Es ist ein aufklappbares Gatefold-Album. Auf Innen- und Rückseite sind viele interessante Sachen zu entdecken, so wie Pink Floyds gesamtes Musik-Equipment, die Roadcrew…und Roger Waters’ damalige Ehefrau. Anhand von Band-Biografien, haben wir auch Infos über die Foto-Location und die Entstehung des Albums. Die LP-Vorderseite basiert auf dem Droste-Effekt, so nennt man das Prinzip vom Bild im Bild…etwas das man theorethisch endlos weitermachen kann. Pink Floyd und LP-Designer Storm Thorgerson (1944-2013) waren nicht die ersten und nicht die letzten die vom Droste-Effekt Gebrauch machten. Es gibt ihn auf Filmpostern, Magzinen, in der Kunst, auch auf Alben von anderen Bands, sogar auf anderen Floyd-Alben. Und in der Werbung. In der Tat, der Droste-Effekt ist nach einer 100 Jahre alten Werbekampagne für Kakao benannt.

Links in this paragraph illustrate the Droste effect. The LPs gatefold inside has photos of the band and Roger Waters' former wife, the art teacher Judy Trim (1943-2001)

Auf der Packung von der holländischen Kakao-Marke Droste hat die Krankenschwester ein Tablett mit einer Kakao-Packung – auf der sie wiederum selbst zu sehen ist etc. pp. Das selbe Prinzip bei der französischen Bier-Werbung für Bière Titan. Optische Endlosschleifen die man Selbstreferenzialität nennt, ein Begriff der auch in Bereichen von Philosophie, Politik, Sprache, Mathematik…und in der Kunst verwendet wird. Bei dem Grafiker M. C. Escher (1898-1972) wird z. B. eine Hand von einer Hand gezeichnet, die wiederum von der anderen Hand gezeichnet wird. Der Droste-Effekt ist ein Gedankenspiel. Die Rolling Stones hatten 1969 den damals noch lebenden M. C. Escher um ein Cover für ihr Greatest Hits Album gebeten. Escher lehnte ab und die Stones-LP Hot Rocks 1964-1971 bekam stattdessen einen hausgemachten Droste-Effekt, mit einem Kopf in einem Kopf etc. Weitere Beispiele für den Droste-Effekt in der Popkultur sind Filmposter wie das für Christopher Nolans Thriller Memento (2000) und Big Eyes (2014) von Tim Burton. Auch viele Magazin-Cover, z. B. von Mad Magazin, Life Magazin und der Jugendzeitschrift Dynamite. Das Prinzip vom Bild im Bild ist auch Basis von einem der berühmtesten Kunstwerke aller Zeiten, Las Meninas (1656) von Diego Velázquez. Um auf Pink Floyd zurückzukommen: Verschiedenen Varianten des Droste-Effekts, bzw. Selbstreferenzialität, gibt es auf den Kompilationsalben Echoes: The Best of Pink Floyd (2001) und Oh, by the Way (2007). Letztgenannter Box-Set hatte auf der Rückseite sogar ein alternatives Cover mit dem Effekt. Um Streit zu vermeiden, wer im Vordergrund ist? Gitarrist David Gilmour hatte ja auf Ummagumma die Ehre.

Back cover for musicians: Fender guitars, Hiwatt amps etc. The road crew guys, Alan Styles and Peter Watts (right), have died. The latter's daughter Naomi became a Hollywood star

Haus und Garten auf dem Ummagumma-Cover haben übrigens Signifikanz in der Geschichte von Pink Floyd. Es ist das Landhaus Trinity House im Dorf Great Shelford, einem Vorort von Cambridge. In diesem Haus trafen sich 1965 erstmals die zwei Bands aus denen Pink Floyd entstehen sollte. Anlass war die Geburtstagsfeier von Designer Storm Thorgersons Freundin Libby deren Vater das Trinity House gehörte. Die zwei Bands die damals Musik auf der Gartenparty spielten waren Jokers Wild (mit David Gilmour) und The Tea Set (mit Waters, Barrett, Mason und Wright). Vier Jahre später schlug Thorgerson das Haus als Foto-Location für Ummagumma (1969) vor. Bei den Fotos im Inneren der Gatefold-LP ist übrigens Roger Waters’ damalige Ehefrau, die Töpferin und Kunstlehrerin Judy Trim zu sehen. Richard Wright sitzt neben einem Piano und David Gilmour schaut aus einem Baum hervor. Was Drummer Nick Mason anbelangt, fragt man sich ob er sauer war dass er kein großes Starfoto bekam? Schlagzeuger ziehen in Bands immer den Kürzeren! Dafür ist auf der Rückseite der LP sein komplettes Premier Drum-Kit zu sehen, mit dem gesamten Equipment der Band auf dem Asphalt des Londoner Biggin Hill Airport, der 1917 eröffnet wurde und früher der Royal Air Force diente. Das Foto enthält schöne Details für Musik-Freaks: Fender Stratocaster, Telecaster, Precision Bass, sogar Waters’ früherer Rickenbacker Bass, Verstärker von Hiwatt und Sound City, WEM-Boxen etc. Ebenfalls im Bild, die beiden Floyd-Roadmanager Alan Sykes (links) und Peter Watts (rechts), dessen Tochter Naomi Watts Jahre später zum Hollywoodstar werden sollte. Man sagt ja: ‘Every picture tells a story‘. Dazu waren Gatefold-LPs besser geeignet als das CD-Format. Nennen wir es den Vinyl-Effekt.

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Musik-Info  Das Doppelalbum Ummagumma (1969) ist in Live- und Studioaufnahmen aufgeteilt. Auf der Studio-LP hat jedes Bandmitglied eine halbe Albumseite mit experimentellen Solokompositionen. Die Live-LP besteht aus vier atmosphärischen Liedern mit der ganzen Band. Von dem Lied A Saucerful of Secrets gibt es auf YouTube einen starken Live-Filmclip der zwar 2 Jahre später (live in Pompeii) aufgenommen wurde, aber die Band und die Musik der experimentellen Ummagumma-Ära exzellent repräsentiert

Wussten Sie schon? Auf der Vorderseite von Ummagumma (oberstes Foto) sieht man eine LP auf dem Fußboden, den Soundtrack von Vincente Minnellis Filmkomödie Gigi (1958). Für US-Ausgaben wurde die Gigi-LP wegen Copyright-Problemen wegretouchiert – ist aber auf heutigen Versionen wieder zu sehen

Mehr von uns über Floyd-LPs Artikel über ein Hörspiel das von Dark Side of the Moon inspiriert wurde

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