Unsere Romanausgaben von The Hobbit: Illustriert von John Howe (links) und Alan Lee (rechts)

Peter Jackson Verfilmung Der Hobbit wird das Mega-Medienevent von 2012. Der Trailer sieht gut aus. Jacksons Production Diaries auf YouTube sind fast noch interessanter. Angesichts der einjährigen Wartezeit bis zum Kinostart, hier ein, zwei weitere Tipps. Die berühmte BBC-Produktion The Lord of the Rings (1981) ist ein Hörspielklassiker der Einfluss auf Peter Jacksons Verfilmung hatte. Ganz in dieser Liga ist das frühere BBC-Hörspiel The Hobbit (1968) nicht. Aber für Tolkien-Fans dennoch empfehlenswert. Auf dem unteren Foto ist unsere gute alte Cassetten-Version. Das Hörspiel ist 3 St. 30 Min. lang und es gibt davon auch Audioclips bei YouTube. Bei Amazon als 4-CD-Set schon ab 10 Euro erhältlich. Wir haben solche Sachen immer gerne bei langen Autofahrten gehört und mögen umfangreiche Klappentexte, Liner Notes etc. In unserem Hobbit-Set ist erfreulich viel Info über die Enstehung des Hörspiels. Produzent John Powell traf Tolkien in den 50er Jahren als Student in Oxford, wo der Schriftsteller Professor für Anglistik war. Powell sagt, dass sich viel von Tolkiens eigenen Angewohnheiten in der Hobbit-Figur spiegelten, z. B. die Pfeife die selten Tolkiens Hand oder Mundwinkel verliess. Außerdem liebte Tolkien Natur, Gärten und Bäume und trug eine ärmellose Weste wie der Hobbit. Er war ein gemütlich veranlagter Mensch der morgens gern lange schlief und ungern verreiste. Tolkien war nicht sehr enthusiastisch über Dramafassungen seiner Werke,weil er meinte, die Figuren und Geschichten würden dadurch trivialisiert. Er war auch sehr penibel: Als beim BBC-Radio mal eins seiner Gedichte vorgelesen wurde, war Tolkien so wenig von der Darbietung begeistert, dass er extra eine eigene Lesung des Gedicht aufnahm um zu zeigen wie es sein sollte. Ein Perfektionist. Für das Hörspiel von The Hobbit, suchte Powell nach neuen Wegen um sich an Tolkiens Zauberwelt heranzutasten. Der Wendepunkt kam eines Abends während einem Konzertbesuch beim Early Music Consort.

BBC-Hörspiel The Hobbit: Unser alter Cassetten-Set

Diese sechsköpfige Gruppe um David Munrow spielte in den 60er Jahren eine entscheidende Rolle dabei, sog.  Alte Musik, also Musik aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock wieder zu popularisieren. Das Early Music Consort nahm über 50 Alben auf, produzierte Film-Soundtracks für John Boorman und Ken Russell, und spielte auch auf Folk-Alben wie Anthems in Eden (1969) von Shirley Collins. Darüber hinaus sind Early Music Consort eine der wenigen auserwählten Musiker die auf Nasas Voyager vertreten sind. Es ist das 21. Lied der Golden Record. Bei den archaischen Klängen des Early Music Consort jedenfalls, konnte Powell die Welt des Hobbits auf einmal vor sich sehen. Frühe Musik benutzt für heutige Ohren ungewohnt klingende Instrumente wie das Gemshorn, die Rebec, das Regal. Alte Blasintrumente wie den Sordun, das Rankett…und den schon vom Namen her formidabel klingenden Brummtopf. Powell fand, diese oftmals harschen Klänge der Frühen Musik passten besser zu Tolkiens Welten als die viel romantischer angehauchten späteren Musikstile.

Im Endeffekt hat sich natürlich genau diese, vom 19. Jahrhundert geprägte Romantik als Soundtrack für die Der Herr der Ringe Filme durchgesetzt. Das finden wir keineswegs schlecht – aber es klingt wie Wagner, und es würde uns nicht ganz wundern wenn Tolkien das eine Spur zu monumental und gefühlsduselig gefunden hätte. Musik spielt in Tolkiens Hobbit eine beträchtliche Rolle. Der Roman enthält ca. 16 Lieder (wir sagen circa, weil manches davon wiederholt wird) die zum Teil sehr umfangreich sind, wie das 10-strophige Anfangslied ’Far over the misty Mountains…’ welches auch eine starke Rolle in Peter Jacksons Hobbit-Trailer spielt. Ehrlich gesagt klingt es dort sehr gut, auch wenn es aus verschiedenen Zeilen des Originaltexts zusammengesetzt wurde. Auch im BBC-Hörspiel wird ‘Far over the misty Mountains…’ öfters gespielt und gesungen. Dort hat es mehr Kanten und Ecken. In der von Instrumenten begleiteten Version klingt es sogar etwas atonal. Aber vermutlich wollte selbst Tolkien nicht unbedingt dass alles harmonisch klingt. Er schrieb ja selber – wir übersetzten frei aus dem englischen Original: ‘Sie kamen zu Ländern wo Leute seltsam sprachen und Lieder sangen die Bilbo noch nie gehört hatte’.

Unsere Hobbit Ausgabe mit Illustrationen von Alan Lee

Apropos Sprache: Einer der ulkigen Aspekte Hörspiels ist dass Gandalf wie gand-alf und Gollum wie go-lum ausgesprochen wird. Es wäre interessant zu wissen ob das Tolkiens ursprünglichen Absichten entspricht, sind uns aber keineswegs sicher. Gewöhnungsbedürftig ist auch Gandalfs Stimme, gesprochen von Heron Carvic. Mit seiner eher hohen Stimme und ultra-trockenem Upperclass-Akzent klingt Gandalf hier eher wie Alec Guinness, und nicht nicht wie das gewohnte großväterliche Raunen von Ian McKellens Gandalf in Jacksons Herr der Ringe. Das BBC-Hörspiel hat einen Erzähler (Anthony Jackson) der im Zusammenspiel mit Bilbo (Paul Daneman) die Handlung erläutert. Diese Stimmen wirken durchaus passend. Auch der hiesige Gollum (Wolfe Morris) ist gut, zischt und lispelt schön bedrohlich. Drache Smaug (Francis de Wolff) spricht mit starken walisischen Akzent. Ork- und Trollstimmen haben Cockney-Akzente und sind mit elektronischen Effekten wie Flanging verfremdet – gewöhnungsbedürftig da diese Techniken damals noch nicht ganz ausgereift waren. Aber die Lieder der Unholde, so wie ‘Clap! Snap! the black crack….’ haben einen schön unheimlichen umpah-umpah-Sound. Die Klangkulissen, so wie Pferde, Sturm und Regen, sind gut und realistisch gemacht. Wenn man bedenkt dass die zwei kommenden Hobbit-Fime eine Budget von Hunderten von Millionen Dollar haben, ist das BBC-Hörspiel ein kleines Wunderwerk.für Leute die in Kunst & Drama auch eine handgemachte, experimentelle Qualität schätzen.

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Weitere Infos  Unsere Romanausgaben sind von HarperCollins. Die Ausgabe oben links hat ein Cover von John Howe und ansonsten die alten Zeichnungen von Tolkien. Die gebundene Ausgabe, oben rechts und im untersten Foto, enthält 26 Farbillustrationen von Alan Lee, plus viele schwarzweß Bilder. Eine wahre Freude. Das BBC-Hörspiel hat als CD-Set ein anderes Design als obige Cassetten-Ausgabe. Es ist bei Amazon.de unter dem Begiff  The Hobbit, 4 Audio-CDs, engl. Version zu finden.

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