BBC radio dramatisation of the novel 'The Living and the Dead ' on which Vertigo (1958) was based is online. Link below

Der Hitchcock-Klassiker Vertigo - Aus dem Reich der Toten (1958) basiert auf dem Roman D’entre les morts (1954) von Pierre Boileau und Thomas Narcejac. Das Hörspiel von 2007 basiert auf diesem Buch, das in England als The Living and the Dead veröffentlicht wurde. Die gleichnamige BBC-Produktion ist gut gemacht. Link folgt am Ende des Blogposts. Abgesehen davon dass es in Frankreich spielt, ist das Hörspiel dem Film erstaunlich ähnlich. Besser gesagt: Hitchcock änderte nicht so viel an der Romanvorlage. Es geht um einen Mann namens Jacque Flavieres, dessen Rolle im Film von James Stewart gespielt wurde. Er ist ein ehemaliger Polizist der seinen Job verloren hat. Aufgrund seiner Höhenangst, auf Englisch vertigo genannt, verursachte er bei einer Verbrecherjagd auf Hochhausdächer den Tod eines Kollegen. Solche bizarren Szenarien sind wie maßgeschneidert für Hitchcock. Und das ist nur der Anfang. Von da an wird die Story bizarrer und mysteriöser. Flavieres wird von einem alten Freund namens Paul Gevigne gebeten, ein Auge auf dessen Ehefrau Renée zu werfen. Sie benimmt sich seltsam, scheint eine Art Doppelleben zu führen. Der Ex-Polizist lässt sich, anfangs unwillig, dazu überreden, die geheimnisvolle Frau – die im Film von Kim Novak gespielt wird – zu beschatten. Während er ihr folgt, wird er zunehmend fasziniert, im Laufe der Zeit bessessen von Renée, die anscheinend an Reinkarnation glaubt und den Ex-Polizisten immer tiefer in ihre geheime Welt lockt. Oder ist es eine Falle? Sie bezirzt ihn mit Sprüchen wie:

 ’Träume sind so viel schöner als das was man Realität nennt ’

Ein Zitat das den Roman, die Verfilmung, und eigentlich auch die Filmwelt und die Kunstwelt insgesamt, gut auf den Punkt bringt. Kern der Story ist dass ein Mensch – zuerst aus Betrug, dann aus Liebe – versucht, eine andere Identität anzunehmen. Während ein anderer Mensch versucht, diese Illusion zu seiner Realität, zu seiner Rettung zu machen. Hitchcock verführt Zuschauer dazu, sich ein Gelingen dieser unrealistischen Liebesbeziehung zu wünschen. Der Triumph der selbst erschaffenen Wirklichkeit. Der Triumph der Kunst über die Realität. Wobei Hitchcock, der Katholik, diesen Lebensentwurf am Ende scheitern lässt. Vertigo (1958) war seinerzeit kein großer kritischer oder kommerzieller Erfolg. Meiner Meinung nach, wegen dem düsteren Ende. Der Film hätte ja enden können als Judy ihre Transformation zu Madeleine komplett vollzogen hatte. Der Kuss von James Stewart und Kim Novak wäre ein hollywoodtypisches, perfektes Ende gewesen. Ein Feelgood-Movie. Aber Alfred Hitchcock (1899-1980) hatte den Mut, darauf zu verzichten. Der Film hat Jahrzehnte gebraucht, um als einer besten Filme aller Zeiten anerkannt zu werden. Das Hörspiel, nach der Romanvorlage für den Film, lohnt sich ebenfalls auszuchecken. Ich wünsche spannende Unterhaltung.

 

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Hitchcocks Vertigo: ‘Aus dem Reich der Toten’ als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel The Living and the Dead. Mit Michael Maloney (als Ex-Polizist Jacque Flavieres), Robert Pickavance (sein alter Freund Paul Gevigne), Sarah Smart (als Madeleine/Renée, die Ehefrau deren Beschattung Paul in Auftrag gibt), Seamus O’Neill (als Dr Ballard), Chris Jack (als Leriche), Daryl Fishwick (als Concierge). Produktion von 2007

Wussten Sie schon? Obwohl Vertigo in San Francisco spielt – siehe obige ikonische Szene mit Kim Novak bei Fort Point unter der Golden Gate Bridge – ließ Hitchcock sich bei den Drehorten von der in Frankreich spielenden Romanvorlage inspirieren. Im Roman beobachtet Jacque den vermeintlichen Selbstmordversuch der Lady am Ufer der Seine, beim Dock von Courbevoie, einer damals eher rauen Gegend von Paris

Film  Ein Trailer für Vertigo (1958). Auf neuen DVDs ist interessantes Zusatzmaterial, Audiokommentare etc.

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