Hitchcock's Vertigo (1958) has knocked Orson Welles' Citizen Kane (1941) off the top spot for best movie. About time. too.

Der Hitchcock-Klassiker Vertigo (1958) ist zum besten Film aller Zeiten gewählt worden und hat damit Orson Welles’ Citizen Kane (1941), der seit Jahrzehnten den Top-Spot besetzte, vom Sockel gehauen. Aufgrund dieser Meldung, Link folgt gleich, haben wir uns Vertigo gestern mal wieder angesehen. Es ist wirklich ein Werk das mit seiner handwerlichen und künstlerischen Finesse selbst nach Jahrzehnten neue Details und Perspektiven enthüllt. Wir haben uns auch das Bonusmaterial der restaurierten DVD-Ausgabe angesehen, mit gutem Hintergrundmaterial, in Form von Features und umfangreichen Audiokommentaren, u. a. von Leuten die an dem Film beteiligt waren, wie die sympathische und übrigens immer noch fit aussehende Kim Novak (geb. 1933). Was unsere Titelzeile von einer Hommage an San Francisco anbelangt: Hitchcock hatte tatsächlich erst die Stadt und ihre Umgebung als Schauplatz ausgewählt, und sich dann nach einer passenden Geschichte umgesehen. Hitchcock nannte seinen Filmstil pure cinema: Zuerst sollten die Bilder sprechen, die Worte später ein Teil davon werden. Er empfand San Francisco als eine Art amerikanisches Äquivalent von Paris, und tatsächlich war es auch ein französischer Roman der die Grundlage für Vertigo bildete. Der Film sollte ursprünglich From Among the Dead heißen, eine wörtliche Übersetzung des Buchtitels D’entre les morts (1954) von Pierre Boileau und Thomas Narcejac, die auch die Romanvorlage des Simone Signoret Klassikers Die Teuflischen (1955) geschrieben hatten. Hitchcock zeigte dem Publikum gerne wohlvertraute Orte, wie die Golden Gate Brücke, um sie dann in einen zwielichtigen Kontext zu stellen. Obiges Foto zeigt den Moment, kurz bevor der ehemalige Polizist, gespielt von James Stewart, die mysteriöse Blondine Madeleine ins Wasser springen sieht. Anscheinend ein Selbstmordversuch, aber nichts ist wie es scheint, in diesem komplexen und genial konstruierten Psycho-Thriller. Im Gegensatz zu heutigen Thrillern, wird hier sehr wenig mit Gewalt und stattdessen mit Köpfchen und einer gehörigen Portion Romantik gearbeitet. James Stewart gerät in ein Komplott dem er sich – da zunehmend von Kim Novaks Persönlichkeit besessen – nicht mehr entziehen kann. Hitchcock umhüllt die fatale Romanze der zwei Protagonisten mit enigmatischen Orten in und um San Fransisco: Man sieht die beiden an der Küste von Pebble Beach, und in den Wäldern von Redwood, wo Stewart und Novak an uralten Baumringen die Geschichte der Menschheit dokumentiert sehen. In der Stadt sieht man die beiden im Golden Gate Park und am den Ufern des Palace of Fine Arts spazieren. Es ist bemerkenswert wie Hitchcock die Themen Kunst und Religion in die Handlung einfließen läßt, man denke an die Szenen in dem spektakuláren Kunstmuseum Palace of the Legion of Honor. Ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert gibt James Stewart sogar einen entscheidenden Hinweis: die Halskette. Als religiöse Schauplätze wählte Hitchcock die Missionen San Francisco de Asís und San Juan die Bautista aus Kolonialzeiten, wo der Friedhof und eine Nonne Schlüsselfunktionen haben. Der Glockenturm bekommt eine tragische Signifikanz, und auch der Titel Vertigo, also die Höhenangst des Polizisten James Stewart.

Der Kern der Geschichte ist dass ein Mensch – zuerst aus Betrug, dann aus Liebe – versucht, eine andere Persönlichkeit anzunehmen. Während ein anderer Mensch versucht, diese Illusion zu seiner Realität, zu seiner Rettung zu machen. Hitchcock verführt den Zuschauer dazu, sich ein Gelingen dieser unrealistischen Liebesbeziehung zu wünschen. Man könnte es als Metapher dafür sehen, wie Kunst, also das Bildniss oder die selbsterschaffene Wirklichkeit in der Moderne eine quasi-religióse Rolle angenommen hat. Wobei Hitchcock, der Katholik, diesen Lebensentwurf am Ende scheitern läßt Der Film war damals, in den 50er Jahren, kein großer kritischer oder kommerzieller Erfolg. Unserer Meinung nach, wegen dem düsteren Ende. Der Film hätte ja durchaus enden können als Judy ihre Transformation zu Madeleine komplett vollzogen hatte. Der Kuss von James Stewart (1908 – 1997) und Kim Novak wäre in vieler Hinsicht ein hollywoodtypisches, perfektes Ende gewesen. Ein Feelgood-Movie und ein riesiger Erfolg. Aber Alfred Hitchcock (1899 – 1980) hatte den Mut, darauf zu verzichten, und der Film hat Jahrzehnte gebraucht um sich duchzusetzen und zum besten Film, oder sicherlich einem der besten Filme aller Zeiten zu werden.

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Info  Ein Trailer für den Film / Der Film ist im Handel erhältlich und aus unserer Sicht lohnend, u. a. wegen des Zusatzmaterials, den Audiokommentaren etc.

Avenita Redaktion