Connections between crafts & language: With Gaelic now spoken by only 1 percent of Scots, we look at how old crafts, like the waulking of Harris Tweed cloth, and the songs that went with it, sustained the language through the centuries

Die Gründe warum manche Sprachen gedeihen, manche verschwinden, und manche gerade so überleben, sind vielfältig. Zur letztgenannten, also problematischen Kategorie gehört Gälisch, das vor etwa 1700 Jahren durch Siedler von Irland nach Schottland kam und die Landessprache wurde. Heute sprechen nur noch 1 Prozent der Schotten Gälisch. Man ist geneigt, teils auch gerechtfertigt, politische Machtspiele vergangener Jahrhunderte für diesen Niedergang verantwortlich zu machen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts betrieben englische Regierungen eine gezielte Anglifizierung der keltisch geprägten Teile der Britischen Inseln, also auch von Irland und Wales. Man kann solche Vorgänge im Sinne von Verschwörungstheorien deuten, oder stoisch zur Kenntniss nehmen dass Sprachen und Kulturen immer schon am Kommen und Gehen waren. Genau wie Gälisch einst die frühere (vielleicht nicht-indogermanische) Landessprache der Pikten ersetzte, übertrumpfte oder was auch immer. Anstatt Schuldige für den Niedergang von Sprachen vorzuführen, was so ist als ob man die Stalltür schließt wenn das Pferd schon weg ist, erscheint es uns sinnvoller nach Dingen Ausschau zu halten die für den Erhalt von Sprachen sorgen. Dabei stießen wir auf eine interessante Verbindung von alten Handwerkstechniken mit Sprache und Musik. Die Region in der Gälisch in Schottland am frühsten Fuß fasste waren die Hebriden, die Inseln im Nordwesten Schottlands. Sie sind bis zum heutigen Tag die Region in der noch am meisten Gälisch gesprochen wird. Das Leben auf diesen Inseln war in den letzten Jahrhunderten immer schon relativ hart und einfach, aber die Bewohner fanden Wege zu überleben, z. B. durch die Fischerei und die Schafzucht. Die Hebrideninsel Harris erlangte mit einem ihrer Produkte aus Schafwolle sogar Berühmtheit, nämlich mit dem Harris-Tweed, ein schöner und kräftiger Stoff aus der Wolle der Blackface Schafe, der den Einwohnern einst als Schutz gegen das harsche Inselklima diente. Dann wurde der Harris-Tweed im 19. Jahrhundert vom Adeligen und Reichen als Modeaccessoire entdeckt und dadurch im Laufe der zum Verkaufsschlager in ganz England. Die Mode erreichte jedoch Mitte der 1960er Jahre ihren Zenith und ist seitdem wohl etwas seltener auf Laufstegen zu sehen. Harris-Tweed wurde ursprünglich komplett von Hand hergestellt und einer der Arbeitsvorgänge war das sog. waulking, das sprachverwandt mit dem deutschen Verb walken ist und darin besteht, den fertiggewebten Stoff auf einer Planke oder einem Tisch mit den Händen zu bearbeiten, also durchzuwalken um die anfangs noch etwas lockere Struktur des Tweeds zu schrumpfen und somit zu festigen. Das Waulking wurde meist von den Frauen der Inselbewohner durchgeführt die dabei, siehe Foto, im Kreis saßen und den Stoff im Uhrzeigersinn herumreichten. Wobei als Zeitvertreib und auch um einen gemeinsamen flüssigen Arbeitsrhythmus zu erzielen, viel gesungen wurde. Natürlich in der traditionellen Inselsprache Gälisch. Dabei entstand eine große Vielfalt an zum Teil improvisierten Liedern, mitunter weil es als ein schlechtes Omen galt, das selbe Lied zweimal zu singen. Das Handwerk des Waulking wurde ab den 1950er Jahren zwar zunehmend von Maschinen übernommen, aber die Lieder haben überlebt und werden heute gesammelt und von Fans und Vereinen, und im auch im Rahmen folkloristischer Events sogar wieder mit Wolltüchern, Tischplanken und Gesang aufgeführt.

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Es gibt davon einiges im Netz, wie hier das Lied  Dh’eirich Mi Moch Madainn Cheitein, was auf Deutsch Ich stand früh auf an einem Morgen im Mai bedeutet. Ähnlich wie bei modernen DJs gingen die Waulking-Lieder ohne Stopp von einem ins andere Lied über, deshalb enthält das Video auch das weitere gälische Lied Cha Teid Mise, was auf Deutsch ‘Ich gehe nicht mit’ bedeutet. Im Rahmen des Lieds gemeint als: ‘Ich gehe nicht mit irgendeinem anderen, nicht mit dem Sohn des Schreiners, nicht mit dem Sohn des Bürgermeisters, ich mag lieber den Jungen mit den braunen Haaren‘. Vielleicht ist das ja gute Nachricht für den einen oder anderen Leser.

Avenita Redaktion