Old English for 'At the Broad River' was ''æt thǣre rūman ē''. From which stems the name Romney. Heard that lately?

Wir haben ein gutes Buch über britische Ortsnamen aufgegabelt und interessante Sachen darin gefunden. Ähnliche Bücher gibt es auch auf Deutsch und sind empfehlenswert wenn man sich für Sprache interessiert. Denn hier bekommt die Wissenschaft der Linguistik eine Verbindung zu konkreten Dingen die Menschen etwas bedeuten: Geburtsorte, Dörfer die man kennt und liebt, Städte in denen man lebt und arbeitet. Flussnamen sind besonders interessant, nicht nur weil viele Orte nach ihnen benannt sind – und dadurch auch viele Familiennamen, siehe das Beispiel in unserem Bildtext. Darüber hinaus gehören Flussnamen zu den ältesten Worten der menschlichen Sprache. Flüsse hatten vor 5, 6, oder 7000 Jahren einen lebenswichtigen Stellenwert der uns heute vielleicht etwas weniger bewusst ist. Obwohl der Fluss als Schauplatz oder Metapher in Literatur, Kunst, Film und Musik immer noch eine starke Präsenz hat. Es gibt viele Lieder über Flüsse, eins der schönsten ist vielleicht Sweet Thames Flow Softly, ein Volkslied hier gesungen von Christy Moore. Der Name Thames beruht auf der keltischen Wurzel teme für Fluss, speziell dunkler Fluss. Es ist verwandt mit tamisra, dem Sanskrit Wort für dunkel. Es gibt auch schöne neuere Lieder über Flüsse, wie So far from the Clyde von Mark Knopfler. Wenn Flöte, Akkordeon und Geige einsetzen, meint man, ein altes Volkslied zu hören. Vielleicht wird es eins. Nice one, Mark. Der Name Clyde kommt vom keltischen Wort clouta, was ‘die Reinigende‘ bedeutet. Ähnlich wie es bei Eskimos angeblich 50 Worte für Schnee gibt, haben Flüsse eine Vielzahl verschiedener Namen die auf die eine oder andere Art Fluss oder Wasser bedeuten: Der rauschende, der schöne, der schnelle, der starke, der sich windende, der überflutende, der tiefe, der wilde Fluss. Und Dutzende andere Flussnamen dieser Art. Das alte Volkslied The Miller of the Dee, hier der Chor von der Humboldt Schule Bradshaw Mountain High School in Arizona, handelt von einem Müller am Fluss.

Adrian Room: Dictionary of Place-Names in the British Isles (1988). Over 4000 place-names and their origins

Es gibt auf den Britischen Inseln mehrere Flüsse mit diesem Namen. Der Fluss Dee in Wales heißt auf walisisch Dyfrdwy. Die Römer nannten ihn Deva Fluvius. Ptolemäus verzeichnete ihn als Deova. Diese Namen bedeuten Göttin. Wenn man die Wurzeln von Flußnamen verfolgt, weisen viele darauf hin dass Flüsse neben ihrem praktischen Stellenwert auch religiöse Konnotationen hatten. Dass Flüsse aufgrund ihrer lebenswichtigen Eigenschaften heilig waren scheint plausibel. Darauf deutet auch die Tatsache dass viele Megalithmonumente nahe an Flüssen gebaut wurden. Wie Stonehenge am Fluss Avon, ein häufiges keltisches Wort für Fluss. Und das irische Newgrange am Fluss  Boyne, dessen Name mit der Flussgöttin Bóann verbunden ist. Vielleicht bedeuteten Fluss und Göttin, je nach Laune und Tageszeit, früher in etwa das Gleiche. Interessant sind übrigens auch internationale Verbindungen von Flussnamen. Der Name der Donau ist verwandt mit dem russischen Don. Auch auf den Britischen Inseln gibt es mehrere Flüsse namens Don. Wobei der Don in Yorkshire linguistisch auf einem keltischen Wort für Fluss beruht, während der schottische Don, über den Namen Aberdeen wiederum mit dem keltischen Wort Deuona, also Göttin verbunden ist. Die Flussnamen Aare in der Schweiz und Ahr in Deutschland haben linguistisch die selben Wurzeln wie der schottische Fluss Ayr der auf einem keltischen, vielleicht sogar prä-keltischen Wort für Fluss beruht. Der Fluss Aire in Yorkshire hieß vor 1000 Jahren noch Yr, was möglicherweise mit dem griechischen hieros (heilig) verwandt ist. It’s all connected, right? Und alle Flüsse fließen ins Meer. Insofern passt unser Foto eigentlich ganz gut.

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