1998 radio dramatisation of the novel Venus in Furs (1870) is online. Production from public broadcasters Österreichischer Rundfunk (ORF). Unlike 'Fifty Shades of Grey' I don't think that this ultimately sad story intentionally romanticizes masochism

‘Wir hatten uns auf der Wiese zu den Füßen der Venusstatue gelagert, ich pflückte Blumen und warf sie in ihren Schoß und sie band sie zu Kränzen, mit denen wir unsere Göttin schmückten Plötzlich sah mich Wanda so eigentümlich, so sinnverwirrend an, dass meine Leidenschaft gleich Flamen über mich zusammenschlug’. Voilà, eine Passage aus dem berühmten oder berüchtigten Roman. Sie wird im Hörspiel zitiert. Produktion vom Österreichischen Rundfunk vom Jahr 1998, mit renommierten Sprechern: Wolfram Berger als Ich-Erzähler Severin, und Andrea Eckert als Wanda / Venus, also die Titelfigur. Es fällt schwer, der Story im Zeitalter von ’50 Shades of Grey’ etwas sehr kontroverses abzugewinnen. Wir leben in Europa in einem Zeitalter in dem einvernehmende Erwachsene im Privatleben und in Sachen Liebe miteinander tun oder lassen können was sie wollen. Und das ist, wenn Sie mich fragen, gut so. Was die Story betrifft, wird das was man – nach dem Autor – heute Masochismus nennt, in Venus im Pelz (1870) nicht sehr romantisiert, nicht einmal besonders erotisiert. Die Story hat zunehmend eher etwas trauriges an sich, insofern dass die Art von Beziehung die Severin sucht, und mehr oder weniger findet, ihn im Endeffekt unglücklich macht. Die Story ist nicht frei erfunden sondern beruht auf Erlebnissen des Autors Leopold Ritter von Sacher-Masoch (1836-1895), der mit einer Frau die er als seine Herrin auserkoren hatte, nach Italien reiste und dabei die Rolle ihres Dieners ‘Gregor ‘annahm. Bevor ich mir folgendes Hörspiel anhörte, hatte ich ehrlich gesagt vor, ein paar augenzwinkernde Gags in dieses Post einzubauen, aber mir ist sprichwörtlich das Lachen vergangen. Das nachdenklich klingende ORF-Hörspiel verzichtet völlig darauf, die Story zu sensationalisieren oder als turn-on zu darzustellen. Eine bemerkenswerte Produktion.

‘Mein Herr! Jetzt, wo mehr als drei Jahre seit jener Nacht in Florenz verflossen sind, darf ich Ihnen noch einmal gestehen, dass ich Sie sehr geliebt habe, Sie selbst aber haben mein Gefühl erstickt durch Ihre phantastische Hingebung, durch Ihre wahnsinnige Leidenschaft…’ (Gekürzte Romanpassage)

Sacher-Masoch: ‘Venus im Pelz’ (1870) als ORF-Hörspiel von 1998 online Das Hörspiel mit Andrea Eckert (als Wanda /Venus) und Wolfram Berger (als Severin). Ton: Gerhard Wieser. Schnitt: Herta Schumlitsch. Assistenz: Franz Grafl, Verena Kalenda. Regie & Bearbeitung: Götz Fritsch. Österreichischer Rundfunk

 

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Wussten Sie schon? Zwei Verbindungen des Romans Venus im Pelz (1870) zur Popkultur: 1. Der Velvet Underground Song Venus in Furs (1967) wurde vom Roman inspiriert. 2. Sängerin Marianne Faithfull, Co-Autorin von dem Stones-Song Sister Morphine, ist eine Verwandte des Autors Leopold von Sacher-Masoch

Radio-Dokumentation Die Deutschlandfunk-Sendung ‘Venus im Pelz’ – Masochismus in einer Gesellschaft der Selbstoptimierer’ (2013). Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke im Gespräch mit Frank Meyer

Verwandtes Thema Die DLF-Sendung Pretty Woman in Bondage – Der Bestseller ‘Shades of Grey’ erscheint auf Deutsch (2012) Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken zählt Shades of Grey keineswegs zu den Klassikern der erotischen Romane. Sendung von Deutschlandfunk Kultur

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