On the day when everyone, except maybe Roland Emmerich, celebrates Shakespeare's Birthday, we take a look at the enigmatic figure of Ophelia in Shakespeare's play Hamlet

Die junge Ophelia die von Blumen umgeben im Fluss den Tod findet, ihn vielleicht sogar gesucht hat, ist eine von Shakespeares enigmatischsten Figuren. Trancehaft, wohl von Wahnsinn oder Verzweiflung, oder Ausweglosigkeit getrieben, hängt sie Blumenkränze an einen Baum, fällt als der Ast bricht und lässt sich vom Wasser davontragen. Kampflos, sogar singend. Diese Szene, die in Hamlet (1603) von Gertrude beschrieben wird, inspirierte Maler, Musiker und Filmemacher. Das Gemälde Ophelia (1852) von John Everett Millais ist weltbekannt, u. a. als Motiv von Postkarten. Wir erinnern uns, es im Kindesalter im elterlichen Badezimmer gesehen zu haben – ohne die Shakespeare-Connection zu kennen. Aber vielleicht ist das nicht nötig. Die Szene strahlt, ähnlich wie The Lady of Shalott (1888) von Waterhouse, eine fatalistische Romantik aus, die auf heutige Menschen wohl geheimnisvoll, fremd und attraktiv zugleich wirkt. Dass Shakespeare in Figuren wie Ophelia auf sublimale Weise, uralte Prototypen wie die Göttin Venus aufleben ließ, vermutete der Dichter Ted Hughes in seiner Analyse ‘Shakespeare and the Goddess of Complete Being’. Wer weiß. Jedenfalls klingen die Zeilen über Ophelias Tod auch in deutscher Übersetzung stark: 

Es neigt ein Weidenbaum sich übern Bach
Und zeigt im klaren Strom sein graues Laub,
Mit welchem sie phantastisch Kränze wand
Von Hahnfuß, Nesseln, Maßlieb, Kuckucksblumen,
Die dreiste Schäfer derber wohl benennen,
Doch unsre Mädchen Toten-Mannes-Finger.
Dort, als sie aufklomm, um ihr Laubgewinde
An den gesenkten Ästen aufzuhängen,
Zerbrach ein falscher Zweig, und nieder fielen
Die rankenden Trophäen und sie selbst
Ins weinende Gewässer. Ihre Kleider
Verbreiteten sich weit und trugen sie
Sirenen gleich ein Weilchen noch empor,
Indes sie Stellen alter Weisen sang,
Als ob sie nicht die eigne Not begriffe,
Wie ein Geschöpf, geboren und begabt
Für dieses Element. Doch lange währt’ es nicht,
Bis ihre Kleider, die sich schwer getrunken,
Das arme Kind von ihren Melodien
Hinunterzogen in den schlammigen Tod.
Interessant mitunter die botanischen Kenntnisse, wie die Erwähnung von Orchis mascula, die Schlegel Kuckucksblume nennt. Shakespeares Ophelia fand, über das obige Bild von Millais, auch mehrfach Eingang in die moderne Popkultur: Das Gemälde inspirierte u. a. das Kylie Minogue Video Where the Wild Roses Grow. Für meinen Geschmack, visuell etwas zu dick aufgetragen, aber gut gesungen. Die Fluss-Szene mit Kirsten Dunst in Lars von Triers Kinofilm Melancholia (ab 3:59 min) ist ebenfalls von Ophelia beeinflusst. ich empfinde die Drei Ophelia Lieder (1918) von Richard Strauss als eine der interessantesten Umsetzungen des Ophelia-Stoffs: komplexe Harmonien, die für den einen oder anderen Hörer wahrscheinlich wie anstrengender, moderner Jazz klingen. Folkig-romantisch dagegen, die Gruppe The Decemberist, deren Lied You’ll Not Feel the Drowning auf YouTube mit vielen verschiedenen Ophelia-Gemälden illustriert ist.
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Von den Verfilmungen gefällt mir der Hamlet (Clip) von Franco Zeffirelli am besten: Eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, Musik von Ennio Morricone und eine exzellente Ophelia von Helena Bonham Carter. Hier zeigt sich dass Kunst, wie die von William Shakespeare auch nach rund 400 Jahren noch spannend ist. Und immer bleiben wird. Wir feiern heute, am 23. April, den Geburtstag des Barden.
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Avenita Redaktion
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