A major London exhibition with hundreds of artifacts from the history of the Rolling Stones has been anounced. Details and links below. One artifact that we own ourselves is a vinyl-LP of Let it Bleed. We got some background stories about it

Eine inoffizielle Historisierung hat schon lange begonnen. Mick Jagger ist Thema von Popsongs. Sie wissen welcher, oder? Die Stones kommen sogar in Kriminalromanen vor. Auch dazu folgt Info. Jetzt ist die Band sprichwörtlich museumsreif und hat bekannt gegeben dass eine Stones-Ausstellung mit Hunderten von Artefakten aus ihrer über fünfzigjährigen Geschichte in Vorbereitung ist: Gitarren, Bühnenklamotten, Fotos, Tour-Poster etc. Der museumsreife Status der Band unterscheidet sich von Leuten wie Lennon, Hendrix, Marley, Jerry Garcia & Co dadurch dass die Stones immer noch höchst lebendig sind, alle paar Jahre Alben mit neuem Material veröffentlichen und immer noch auf Bühnen in aller Welt auftreten. Wir selber sahen die Rolling Stones in Málaga, hier bei uns an der Costa del Sol, 1998 auf der Bridges to Babylon Tour und waren beeindruckt wie umwerfend gut die Band live rüberkommt. Wir waren bis dahin eher gemäßigte Fans die sich im Zweifelsfall eher für ein Floyd, Yes oder Tull-Konzert entschieden hätten. Was die Ausstellung anbelangt, lasen wir in einem humorvoll formulierten englischen Zeitungsartikel dass die Band neben sämtlichem LP-Cover-Artwork sogar die Hochzeitstorte auf dem Cover von Let it Bleed (1969) dabeihaben wird – wenn auch neu zubereitet von der ursprünglichen englischen Köchin Delia Smith, die eine Art Vorläufer von TV-Koch Jamie Oliver war. Soll uns recht sein, denn wir haben das Album als Vinyl-LP, oben im Bild, und nutzen die Gelegenheit für ein paar Hintergrundinfos über ein Album das weitgehend als eins der besten der Stones und der gesamten Rockgeschichte gilt. Wenn man über die Stones schreibt muss man damit rechnen dass viele Leser genau so viel oder mehr über die Band wissen als man selbst, deshalb haben wir ein paar Biografien ausgecheckt um wenigstens ein, zwei Infos zu finden die noch nicht in Wikipedia stehen oder Asbach Uralt Allgemeinwissen sind. Interessant fanden wir, in der Stones-Biografie von Stephen Davis zu lesen dass Mick Jagger und Keith Richards während den Aufnahmen für Let it Bleed in einem Haus von Stephen Stills in der kalifornischen Hippie-Gegend Laurel Canyon wohnten. Einer der häufigsten Besucher dort war der junge Country-Sänger und Keith Richards-Kumpel Gram Parsons, der mit seiner Harley und einem scheinbar unendlichen Vorrat an Kokain vorbeischaute. Er spielte eine entscheidende Rolle dabei, Keith Richards für Country-Music zu begeistern. Keith hatte auch den mit ihm befreundeten Albumcover-Designer Robert Brownjohn engagiert. Der Albumtitel sollte ursprünglich Automatic Changer sein, also Plattenwechsler, ein nützliches Gerät, siehe Bild von einem Modell ohne Pizza und Reifen, das der eine oder andere Leser noch kennen wird. Als der Albumtitel am Ende Let it Bleed wurde, gefiel der Band das Cover so gut dass sie es trotzdem behielten.

The Rolling Stones - Exhibitionism. At the Saatchi Gallery in London from the 5th of April until 4th of September 2016. There's a cool YouTube trailer at the end of the blogpost

Aufnahmen für das Album hatten in England begonnen. Keith Richards hatte, wie wir seiner Autobiografie Life (2010) entnehmen, das von Bluesgitarrist Jimmy Reed inspirierte Gitarren-Riff und die ersten Zeilen von dem Lied Gimmie Shelter (”Oh, a storm is threatening my very life today, if I don’t get some shelter, I’m gonna fade away…”) tatsächlich an einem stürmischen und ominösen Tag geschrieben. Er war in London im Apartment des Kunsthändlers Robert Frasers, draußen auf der Straße flogen den Leuten die Regenschirme weg und Keith wusste dass seine Lebensgefährtin Anita Pallenberg an diesem Tag beim Filmdreh von Performance (1970) war und ihn mit seinem Kumpel Mick Jagger betrog. Er sagt diese Episode war und ist bis zum heutigen Tag der größte Keil zwischen ihm und Mick. Später in Amerika nahm das Lied  das von dem renommierten Rockkritiker Greil Marcus ”the greatest Rock and Roll recording ever made” genannt wurde, zusätzliche düstere Konnotationen an. Beeinflusst vom Vietnamkrieg und Studentenprotesten, sprechen weitere Verse von Krieg und Zerstörung, die aus der Sicht der Hippie-Generation von ihrer eigenen Regierung betrieben wurden. Gimmie Shelter, hier ein YouTube Clip, wurde zur Counterculture-Hymne. Dem Stones-Buch von Steve Appleford namens The Stories behind Every Song (1997) entnehmen wir eine weitere Story über das Lied. Als die Soulsängerin Merry Clayton in Elektra Studios, Los Angeles ihren eindrucksvollen Hintergrundgesang für den ersten Refrain von Gimmie Shelter aufgenommen hatte, waren Mick und Keith total vom Hocker und feuerten sie an, weiterzusingen. Die kluge Dame forderte zuvor jedoch eine höhere Gage um den Rest des Liedes zu singen. Lobenswert und ultracool von Merry Clayton denn die Stones hatten den Ruf, knausrig zu sein. Ein weiteres Lied von Let it Bleed das den Status eines Gesamtkunstwerks hat, ist You Can’t Always Get What You Want. Auf einer Länge von über 7 min. verschmilzen hier Elemente von Klassik, Folk und Rock zu etwas das es vorher nicht gegeben hat, und seitdem selten wieder gab: Einer der Momente in dem Rock zu einer neuen Kunstform wurde. Die 12 Sekunden von der quasi-klassischen Akkordfolge ab 4:15 bis zu Mick Jaggers Schrei ab 4:27 gehören zu den ekstatischsten Momenten dieser Kunstform. Der Text an sich ist ist relativ einfach, sagt aber schon mit der Titel- und Refrain-Zeile viel aus: Du kannst nicht immer alles kriegen was du willst, aber wenn du es versucht, bekommst du manchmal was du brauchst. Der Ausdruck eines Kompromisses. Die großen Träume von einer Revolution der Liebe mögen sich nicht erfüllt haben, aber die Welt ist aufgrund der Hippie-Generation dennoch etwas besser, gerechter und vor allem etwas abenteuerlicher geworden.

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Weitere Infos  Ausstellung The Rolling Stones – Exhibitionism, siehe Trailermit über 500 Artifakten aus der Geschichte der Band ist vom 6. April bis Sept. 2016, Saatchi Gallery London

Krimis in denen die Stones erwähnt werden  Zu Beginn des Artikels angekündigt – es sind die Krimis von Ian Rankin. Bei Übersetzungen geht davon etwas verloren, so heißt ein Rankin-Krimi mit dem Stones-inspirierten Titel Let it Bleed (1995) auf Deutsch Ein eisiger Tod. Rankins Krimis handeln nicht von der Band aber sein Detektiv John Rebus ist Stones-Fan und gelegentlich wird erwähnt dass er Zuhause oder im Auto dieses oder jenes Stones-Album oder Lied hört. Hier z. B. kommt You Can’t Always Get What You Want vor.
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Popsong in dem Mick Jagger erwähnt wird  Natürlich der Mega-Hit  Moves like Jagger von Maroon 5. Das Video enthält eingangs einen frühen 60er Jahre Interview-Clip mit Jagger in dem man ihn fragt, wie lange er glaubt, im Pop-Business überleben zu können? Die Antwort folgt am Ende des Lieds und ist interessant
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Avenita Kulturmagazin
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