The 1986 BBC radio dramatisation of the novel 'Regency Buck' (1935) online. Link below. Books by Georgette Heyer are fun to read and also contain a lot of background information about the Regency era. Heyer obviously influenced by Austen novels

Ein BBC-Hörspiel nach Georgette Heyer kann online gehört werden. Link folgt am Ende des Blogposts. Vorlage war ihr Roman Regency Buck (1935), der auf Deutsch als Die Jungfernfalle veröffentlicht wurde. Ihre Bücher scheinen auch in Deutschland beliebt zu sein, mit wunderbaren Titeln wie Brautjagd, Skandal im Ballsaal, Der Page und die Herzogin, Die drei Ehen der Grand Sophy, Bezaubernde Arabella, Der schweigsame Gentleman etc. Diese Art von Titel sind bei Georgette Heyer Programm: Es sind historische Romane die vor etwa zweihundert Jahren spielen, zu Zeiten von Jane Austen, sozusagen. Und die Geschichten sind in der Tat sehr von Austen beeinflusst. Und da Fräulein Austen kaum mehr als eine Handvoll Romane schrieb, gibt es für diese Stilrichtung immer noch viel Bedarf. Wobei manche Autoren heute auf diesem Gebiet eher einen billigen Abklatsch liefern. Aber das ist bei Georgette Heyer (1902 -1974), oben ein Foto von ihr, nicht der Fall. Ihre Bücher sind sehr gut geschrieben, unterhaltsam, humorvoll und aufwendig recherchiert. Man findet viele Details, Fakten und Begriffe die einen zum Nachschlagen in Fachbüchern inspirieren. Regency nennt man die Epoche um das frühe 19. Jhr. Das Wort buck im Titel des Romans bedeutet, wie ich Brewer’s Dictionary of Phrase & Fable entnehme: ‘A former name for a spirited young man or Dandy‘. Als Beispiel dafür wird ein literarisches Zitat geliefert:

 ’A most tremendous buck he was, as he sat there serene, in state, driving his greys’.  W. M. Thackeray: Vanity Fair (1847) chapter VI.

Pferde und Kutschen gibt es bei Georgette Heyer zu Genüge, bei ihr erfährt man sogar dass es von diesem Transportmittel Typen, wie den Tilbury, den Phaeton, den Carrick und die Berline gab. Dass man bei Reisen mit Postkutschen etwa neun Meilen pro Stunde schaffte, und dass bei Ankunft in coaching inns, ähnlich wie bei deutschen Poststationen, innerhalb von zwei Minuten sämtliche Pferde ausgetauscht werden konnten. Den Job erledigte ein ganzes Team von jungen Burschen. Die Coaching Inns von Dörfern waren damals so im Wettbewerb miteinander dass sie sich manchmal gegenseitig sabotierten, Kutschen im voraus abfingen und den Kunden Gläser mit Sherry und belegte Brote als Werbegeschenke anboten. Diese Infos stammen allein aus den ersten paar Seiten von Regency Buck. Dazu kommen viele detaillierte Beschreibungen von Sachen die Leute damals an Kleidern, Essen und Unterhaltung hatten. Zeitgenössische Dichter wie Byron, Robert Southey und Walter Scott werden erwähnt, Leute wie Lord Nelson, den die junge Judith Taverner natürlich verehrt. Es werden viele historische Begebenheiten erwähnt: So kommt in Regency Buck am Anfang ein öffentlicher Boxkampf zwischen Tom Cribb und Tom Molineaux vor, zu dem 20.000 Zuschauer von fern und nah angereist kommen. Und wenn man solche Dinge nachschaut, stellt sich heraus dass dieser Kampf tatsächlich im Jahr 1811 stattfand, und zwar auch genau in Thistleton. Und dass es in der Gegend auch die römische Ruinen gibt die sich Judith Taverner ansehen will, während ihr junger Hauhdegen von einem Bruder sich so etwas geschmackloses wie einen Boxkampf ansieht.
Sie hatten Newark hinter sich gelassen, und der vierspännige Reisewagen fuhr nun durch flaches Land, das dem Auge wenig bot und kaum Anlass zu einer Bemerkung gab. Miss Taverner wandte also den Blick von der Landschaft ab und kehrte sich ihrem Gefährten zu, einem blonden Jüngling, der sich in einer Ecke der Kutsche rekelte und schläfrig den Rücken des ihm zunächst sitzenden Postjungen betrachtete. ‘Wie langweilig, stundenlang ununterbrochen still sitzen zu müssen!‘ , bemerkte sie. ‘Wann kommen wir eigentlich nach Grantham, Perry?‘ (Anfangszeilen, ‘Die Jungfernfalle’, Georgette Heyer)
Heute geht sozialgeschichtliche Recherche mithilfe von Wikipedia relativ schnell, aber Heyer muss sich damals durch Berge von Quellen gearbeitet haben. Und ohne ihre Arbeit wären wir vielleicht nicht auf die Idee gekommen, diese Themen auszuchecken. Darüber hinaus hatte Heyer den Dreh, ähnlich wie Jane Austens und ihre Elizabeth Bennet, faszinierende Romanfiguren zu erschaffen. Ich freue mich über das BBC-Hörspiel, auch wenn es nicht ganz an den Roman heranreicht. Das Hörspiel übernimmt viele Dialoge des Romans, lässt sie aber aufgrund der übertrieben gekünstelten Stimmen zu komödienhaft, und zu wenig romantisch klingen. Hauptfigur Judith Taverner, eine schöne junge Erbin die von Yorkshire nach London kommt und zwischen Heiratsschwindlern und echten Bewerbern unterscheiden lernen muss, kommt im Roman viel sympathischer rüber. Hier wäre wohl ein Film besser geeignet, auch weil der historische Hintergrund bei Heyer so eine große Rolle spielt. Was wiederum bedeutet dass Verfilmungen aufwendig wären. Vielleicht ist Heyer deswegen lange nicht mehr verfilmt worden. Aber es hat auch bei Austen Jahrzehnte gedauert bis man anfing, statt schlichten alten Verfilmungen aufwendige Megaproduktionen für Kino und TV zu produzieren. Ähnliches könnte in Zukunft mit Heyers Werk passieren. Bis dahin lohnt es sich, ihre schönen Romane kennenzulernen.

 

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Georgette Heyer: ‘Die Jungfernfalle’ als Hörspiel online Das BBC-Hörspiel The Regency Buck. Mit Elizabeth Proud (als Judith Taverner), Simon Shepherd (als ihr Bruder Peregrine), Gary Cady (als Bernard Taverner), Steve Hodson (als Lord Worth), Avril Clark (als Mrs Scattergood), David Learner (als Fitzjohn), Stuart Organ (als Henry), Edward de Souza (als Beau Brummel), Steven Pacey (als Charles Audley), Roger Hammond (als Prince Regent), Deborah Makepeace (als Harriet Fairford), John Church (Lord Ashley), Rachel Gurney (Lady Sefton), Natasha Pyne (Mrs Beauchamp), Ronald Herdman (Lord Worcester), Gordon Reid (Mr Skeffing), Binky Baker (Sir Geoffrey Fairford). Bearbeitung: Neville Teller. Regie: David Johnston, 1986

Foto Meine gebundene Ausgabe der Biografie ‘The Private World of Georgette Heyer‘ von Jane Aiken Hodge

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