On the birthday of Dorothy L. Sayers (1893 -1957) we were pleased to find a nice and fairly rare edition of 'Strong Poison' (1930). The biography by Barbara Reynolds is good too

Es freut uns, rechtzeitig für den Geburtstag von Dorothy L. Sayers (1893 -1957) eine schöne und recht seltene Ausgabe von ‘Strong Poison’ (1930) gefunden zu haben. In Deutschland meist als Starkes Gift, in manchen Fällen als Geheimnisvolles Gift veröffentlicht. Dieses alte Taschenbuch vom Verlag New Englisch Library hat bei weiten das beste Cover das wir kennen, denn es nicht nur ist ein gut gemachtes Bild, sondern hat auch eine gewisse Verbindung zur Geschichte. Von der wir nur verraten dass es um einen Giftmord geht für den die Krimischreiberin Harriet Vane vor Gericht steht. Der Gentleman und Amateur-Ermittler Lord Peter Wimsey verliebt sich in die Angeklagte und hat, von ihrer Unschuld überzeugt, nur einen Monat Zeit um den Mordfall zu lösen. Dann droht der Galgen. Dorothy L. Sayers schrieb anspruchsvolle Romane die eine angenehme Abwechslung zu vielen heutigen, teils bizarr-blutrünstigen Krimis bieten. Pfarrerstochter Sayers bevorzugte versteckte literarische Hinweise und Anspielungen. In Starkes Gift (1930) wird zum Beispiel das Gedicht A Shropshire Lad von A. E. Housman erwähnt, wobei Sayers es dem Leser überlässt, herauszufinden oder zu wissen dass darin Mithridates vorkommt, der König der sich vorsorglich gegen Gift immunisierte indem er es stetig und dosiert zu sich nahm. Und der Titel Strong Poison beruht auf dem alten englischen Volkslied Lord Randall (YouTube Clip), das von einem Mann handelt der von seiner Geliebten vergiftet wird und seiner Mutter von den Symtomen berichtet. Die Frage-und-Antwort-Struktur und die Melodie von  Lord Randall war Jahre später übrigens Vorlage für Bob Dylans A Hard Rain’s A-Gonna Fall. Vergleichen Sie selbst. Oder hatten Sie etwa bezweifelt dass wir es schaffen würden, ein paar coole Lieder in einen Krimi-Artikel einzubauen?

Top left, Roy Ridley and Eric Whelpton, who inspired Lord Peter Wimsey. Right, Dorothy as a young woman, and John Cournos, on whom Phillip Boyes in 'Strong Poison' was based

Dorothy L. Sayers hatte, speziell für damalige Verhältnisse, ein ziemlich abenteuerliches Leben. Von der wohlbehüteten Kindheit im Pfarrhaus, wo sie von Privatlehrerinnen Deutsch, Französisch, Geige und Piano lernte, ging sie später zur Universität in Oxford. Aber anstatt nach ihrem Abschluss die sich anbietende und solide Lehrerlaufbahn zu wählen, war sie eher vom bohèmischen Leben der Schriftsteller und Journalisten in London angezogen. Das wirtschaftliche Klima anfang der 20er Jahre war allerdings schwierig, und um das Schreiben ihrer Krimis zu finanzieren, arbeitete sie jahrelang als Textschreiberin bei einer Werbeagentur. Dort war sie u. a. an der Toucan Werbekampagne für Guinness beteiligt. Eins von Dorothys Hobbys war Motorradfahren, und es wundert nicht dass in einer ihrer Geschichten eine Verfolgungsjagd mit einer Norton vorkommt. Bei 115 km/h wird Dorothy Ende der 20er Jahre dabei wohl an eine Norton CS1 gedacht haben. Aber Sayers hatte auch mit Problemen zu kämpfen, schien zum Beispiel nicht so leicht den richtigen Mann für sich zu finden, und hatte ein uneheliches Kind dass sie geheimhielt um ihre Eltern im Pfarrhaus nicht zu schockieren. Der intellektuelle, aristokratische Hobby-Ermittler Lord Peter Wimsey war sicherlich eine Art Traummann, mit Daimler Double Six, den sich Dorothy, aus Mangel an guten und realen Heiratskandidaten, kurzerhand selber schrieb. Eine praktische und wunderbare Lösung. In Strong Poison (1930) macht Lord Peter seiner Dorothy – dargestellt von Krimischreiberin Harriet Vane – sogar einen Heiratsantrag. Den nahm sie erst in einem späteren Buch, in Aufruhr in Oxford (1935) an. In späteren Jahren, als erfolgreiche Autorin, hatte Dorothy Zeit, sich auch anderen Dingen zuzuwenden, übersetze Dantes Göttliche Komödie, schrieb Bücher und Theaterstücke mit religiöser Thematik und schloss Freundschaften mit Schriftstellern wie C. S. Lewis. Viele von Sayers’ Krimis wurden als TV-Produktionen verfilmt, ein YouTube-Link für Strong Poison folgt. Ganz gut, wobei für uns die Hörspiele und Lesungen besser funktioneren. Wahrscheinlich wäre eine richtig gediegene Kinoproduktion nötig um Dorothy und ihrem edlen Ermittler Lord Peter Wimsey gerecht zu werden.

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Info  Viele Romane von Dorothy L. Sayers, inklusive Starkes Gift, sind als Buch und Hörspiel im Handel erhältlich. Ebenfalls die Biography ‘Dorothy Sayers. Her Life’ and her Soul‘ von Barbara Reynolds, die wir lesenswert fanden. Unsere Ausgabe hat eine Empfehlung von PD James auf dem Cover/ Fotos: Sayers Biography vom Sceptre Verlag / Krimi: New English Library, 1970 Edition. Die TV-Produktion von ‘Strong Poison‘ kann auf YouTube ausgecheckt werden.

 Avenita Redaktion