The Moonstone (1868), auf Deutsch Der Mondstein oder Monddiamant. Der erste Kriminalroman der Welt

Thema dieses BBC-Radioprogramms, Link am Ende des Artikels, ist ein neues Buch über das Leben des Romanautors Wilkie Collins der das moderne Krimi-Genre maßgeblich formte oder es sogar erfand, wie viele meinen. Es gibt jedenfalls gute Argumente dafür dass Der Monddiamant (1868) von Wilkie Collins der erste Kriminalroman war. Klassische Merkmale wie ein rätselhaftes Verbrechen, eine begrenzte Zahl von Verdächtigen, geografisch begrenzter Tatort, ein Detektiv, verschiedene Hinweise und Beweismittel. Spuren die Leser auf falsche Fährten locken. Und eine überraschende, einigermaßen plausible Auflösung. Zudem mysteriöse Elemente, wie indische Priester und die religiöse Signifikanz des Diamanten der dem Roman seinen Titel gibt. Auch moderne Elemente wie bewusstseinsverändernde Drogen spiele eine Rolle. Es gab schon vor Wilkie Collins Autoren die Krimi-Elemente benutzen, z. B. Edgar Allan Poe in Der Doppelmord in der Rue Morgue (1841), aber das war eine Kurzgeschichte. Wilkie Collins Monddiamant ist ein Roman mit über 400 Seiten. Immer noch spannend zu lesen. Gemäß der positiven Kritiken bei Amazon hat Der Monddiamant sogar eine Fan-Gemeinde in Deutschland. Obwohl Wilkie Collins’ anderer Klassiker Die Frau in Weiß (1860), deutlich bekannter ist und doppelt so viele Rezensionen hat. Die beiden Erfolge von Collins sind immer noch kultig. Vor einem Jahr gab es ein 4-stündige BBC-Hörspielserie von Monddiamant – You-Tube-Link am Ende des Artikels – und für Weihnachten ist eine neue BBC TV-Verfilmung von The Moonstone angekündigt. Ein weiterer fasziniernder Aspekt von Moonstone ist dass der Roman zum Teil von wahren Begebenheiten inspiriert wurde. Der Mord vom Road Hill House im Jahr 1860 beschäftigte die Viktorianische Gesellschaft für Jahre, sogar Jahrzehnte.

‘Damals kursierten im Feldlager die wildesten Gerüchte über den Schatz im Palast des Sultans. Eine der abenteuerlichsten Geschichten kreiste um einen gelben Diamanten, der schon in den frühen Annalen Indiens eine Rolle spielte. Die älteste Überlieferung erwähnt das Juwel als Stirnschmuck der vierhändigen Gottheit, die den Mond verkörpert. Den Namen Monddiamant verdankt er seiner Farbe und dem Aberglauben, dass ihm die Kraft des Gottes innewohne, den er schmückt. Ähnliche Mythen werde aus Griechenland und Rom überliefert. Doch handelt es sich in diesen Fällen nicht um einen Diamanten, der dem Dienst an einer Gottheit geweiht ist, sondern um einen halbtransparenten Stein dessen Glanz angeblich von der Mondkonstellation beeinflußt wird. Man handelt ihn heute noch unter dem Namen Mondstein.’ (Gekürzte Romanpassage, Der Monddiamant, 1868 von Wilkie Collins)

'The Moonstone' wurde zum Teil von einem echten Fall inspiriert, über den vor Kurzem ein Sachbuch erschien

Vor Kurzem erschien das Sachbuch The Suspicions of Mr. Whicher (2008) über den Fall und wurde ein großer Erfolg, gelobt von Krimischreibern wie Ian Rankin. John Le Carré nannte das Buch von Kate Summerscale sogar einen Klassiker. Der Fall vom Monddiamant unterscheidet sich sehr von der Tatrekonstruktion im Fall des Road Hill Mordes. Aber Wilkie Collins Figur Sergeant Cuff wurde von dem echten Jack Whicher, einem detecting officer der Metropolitan Police inspiriert. Über den vom ihm untersuchten Road Hill Mord gibt es einen längeren Wiki-Eintrag: Der verrät nicht die Lösung vom Monddiamant. Aber die von dem Sachbuch The Suspicions of Mr. Whicher, welches selber wie ein Krimi aufgebaut ist. Wobei die Rolle des Täters oder der Täterin im Fall vom Road Hill Mord selbst heute, nach 150 Jahren noch umstritten ist. Krimi-Fans werden beide Bücher spannend finden.Viel Spaß auch beim folgenden Hörspiel, u. a. mit dem legendären Sprecher Hans Paetsch (1909-2002) in einer seiner weniger bekannten Rollen, als Mathew Bruff und einer der Erzähler in Der Mondstein von 1955.

 

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Wilkie Collins: Der Mondstein als Hörspiel online Das Hörspiel vom Nordwestdeutschen Rundfunk, 1955. Mit Hans Paetsch (als Mathew Bruff, Anwalt der Familie Verinder, und einer der Erzähler), Carl-Heinz Schroth (Gabriel Betteredge, Haushofmeister der Familie Verinder, und einer der Erzähler),  Karin Jacobsen (als Miss Rachel Verinder, Nichte von Oberst Herncastle), Max Eckard (Franklin Blake, Vetter von Miss Rachel), Herbert Steinmetz (Detektiv Sergeant Cuff), Heinz Reincke (Godfrey Ablewhite, ein weiterer Vetter von Rachel), Charlotte Kramm (Miss Drusilla Clack, verarmte Cousine von Miss Rachel und eine der Erzählerinnen) u. a.

Weitere Infos  Wiki-Artikel über den Mordfall vom Road Hill House, der Wilkie Collins inspirierte und auch Thema des Sachbuchs The Suspicions of Mr. Whicher (2008) ist. Auf Deutsch erhältlich als Der Verdacht des Mr. Whicher. Ebenso wie Der Monddiamant, der deutsche Titel von Wilkie Collins’ The Moonstone.
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TV-Verfilmung Einige Szenen von der BBC-Verfilmung The Moonstone (2016) mit Terenia Edwards als Rachel Verinder, Joshua Silver als Franklin Blake, und John Thomson als Detective Sergeant Cuff
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Foto-Info  Meine Penguin-Ausgabe aus den 70er Jahren, mit 18 Seiten Einführung von J. I. M. Stewart, Professor der Anglistik. Das Gemälde auf dem Cover ist nicht kreditiert, sieht aber aus wie William Turner
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