Few books make being homeless, penniless and on the road seem as romantic as the children's classic Rasmus and the Vagabond (1956) by Astrid Lindgren (1907 - 2002), whose birthday is today. Outsiders are a recurring theme of hers

Es ist der Geburtstag von Astrid Lindgren (1907 - 2002) und wenn wir Leser nach ihrem Lieblingsbuch fragen, wird das vermutlich einiges Kopfzerbrechen bereiten, denn es gibt so viele gute Sachen von ihr. Unsere Wahl fällt dadurch leichter dass wir gerade einen ihrer Romane als Gutenachtlektüre für die Kinder vorlesen. Während einige ihrer Bücher, wie Die Kinder aus der Krachmacherstraße (1957) gezielt in einer einfachen Sprache geschrieben zu sein scheinen, haben manche ihrer Romane Themen die einen auch als Erwachsenen beschäftigen. Zum Beispiel die Art wie Lindgren die Außenseiterthematik in Rasmus und der Landstreicher (1956) behandelt. Dies scheint, wie auch bei Pippi Langstrumpf, eins von Lindgrens Kernthemen zu sein. Während manche modernen Kinderbücher voller guter Absichten aber auf eine eher sentimentale Weise an Schuldgefühle appelieren,  z. B. von wohlhabenden Familien gegenüber unterprivilegierten Leuten, hat Lindgren für unsere Begriffe einen anderen Ansatz: Sie stellt die Existenz von dem Waisenjungen Rasmus und dem Landstreicher Oskar, die beide mittellos und obdachlos durchs ländliche Schweden ziehen, als ziemlich romantisch dar. Um das zu veranschaulichen, werden wir eine kurze Passage frei und auszugsweise nacherzáhlen:

Jetzt wusste Rasmus was es bedeutete Landstreicher zu sein. Man konnte machen was man wollte, wandern, essen und schlafen wann es sich ergab. Man war frei wie ein Vogel im Wald….Er sah die grünen Wiesen mit Kühen in der Morgensonne, die roten Bauernhäuser, Mägde die an Hausecken Milchkannen reinigten und Knechte die Pferdetröge mit Wasser füllten…Er sah alles genauso wie Landstreicher es sehen

Das ist keine Mitleidstour die Lindgren hier ankurbelt, sondern es hat eher etwas von amerikanischer Hobo-Romantik á la Freedom’s just another word for nothing left to lose von Kris Kristoffersons Klassiker ‘Me and Bobby MacGee’. Oder auch von Mark Twains Die Abenteuer des Huckleberry Finn. Lindgren beschönigt nicht die Schwierigkeiten der  Menschen, sei es dass Polizisten den Landstreichern das Leben schwer machen, oder dass Waisenkinder in staatlichen Anstalten damals ihren Unterhalt durch Feldarbeit wettmachen mussten. Oder dass ganze Dörfer leerstehen weil die Bewohner wirtschaftlich bedingt nach Amerika auswandern mussten. Der Unterschied bei Lindgren ist die Einstellung gegenüber den Schwierigkeiten. Hier  herrscht nicht die Devise Wen kann ich für meine Probleme verantwortlich machen? - sondern ein Gefühl von Wir lassen uns nicht runterkriegen, wir schaffen das irgendwie. Und im Endeffekt trägt diese Haltung im der Geschichte auch dazu bei dass es klappt. Denn es gibt, wie auch im echten Leben, Leute in Rasmus und der Landstreicher die bereit sind, Außenseitern zu helfen. Für Lindgren scheint das Glas immer eher halbvoll als halbleer zu sein. Anstatt Leser mit erhobenem Zeigefinger zu ermahnen, Außenseiter zu bemitleiden, bringt Lindgren Leser dazu, sich auf positive Weise mit Außenseitern zu identifizieren, die Welt durch die Augen eines Anderen zu sehen. Dieser konstruktive Ansatz ist ein Teil dessen was Lindgrens Bücher für Kinder, und gelegentlich Erwachsene, so lesenswert macht.

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Der Roman wurde mit dem abgeänderten Namen Rasmus und der Vagabund (1981) auch verfilmt, und ist gut gelungen. Hier kommen die schwedischen Landschaften gut zur Geltung, wenn Rasmus und Oskar Bauernhöfe abklappern und nach Scheunen zum Übernachten suchen. Und da sie sich mit Gesang und Ziehharmonika als Straßenmusiker ihr Geld verdienen, sind auch schöne Lieder im Film. Der aus dem Waisenhaus weggelaufene Rasmus wird sehr sympathisch von Erik Lindgren, dem Enkel von Astrid Lindgren dargestellt.

Avenita Kulturmagazin