Enid Blyton (1897 - 1968): Barbara Stoney's biography is good and so is the BBC biopic 'Enid' (2009), largely based on the book. Helena Bonham Carter is superb in the title role.

Zwei exzellente Werke über die Kinderautorin Enid Blyton sind leider nur auf Englisch erhältlich: Der BBC Spielfilm Enid (2009) und die Blyton-Biografie von Barbara Stoney, die weitgehend als Vorlage für den Film diente. Ein Trailer dafür folgt gleich. Wenn wir heute, anlässlich Blytons Geburtstag, über den Film berichten, schließt das Barbara Stoneys Buch zum Teil ein. Weder Film noch Buch sind unkritisch gegenüber Blyton. Es ist kein Wunder und kein Geheimnis dass berühmte Autoren in ihrem Privatleben nicht unbedingt den Idyllen und Idealen ihrer Bücher entsprechen. Aber diese Tatsache wird in der BBC-Produktion nicht mit medientypischer Häme ausgeschlachtet. Eine Konfrontation zwischen Blyton und den Medien ist auch der Ausgangspunkt des Films: Die Autorin, dargestellt von Helena Bonham Carter, wehrt sich bei einem Radiointerview gegen das von Journalisten in die Welt gesetzte Gerücht dass sie ihre zahlreichen Bücher nicht alle selber schreiben würde. Vielleicht ein Beispiel dafür wie vorgeblich progressive Medien manchmal, implizit, die Fähigkeiten von Frauen denigrieren. Diese Gerüchte trafen Blyton viel härter als die schon damals üblichen Vorwürfe dass sie altmodisch sei, denn für Blyton war Schreiben nicht nur ein Job sondern Lebensblut: Sie schuf sich, aus einer teils unglücklichen Kindheit heraus, durch das Schreiben eine Welt in der sie  noch glücklicher war als ihre Millionen von jungen Lesern. Von denen bekam Blyton täglich kistenweise Post. In einer Filmszene ist sie auf dem Hintersitz ihres Autos und liest voller Glücksgefühle die Kinderbriefe, die zum Teil kleine Geschenke, z. B. Käfer in Streichholzschachteln enthielten, während sie gleichzeitig ihrem Chauffeur androht, er würde seinen Job verlieren wenn er bis Ende der Wochen seinen Husten nicht auskuriert hätte. Jenseits ihrer Kinderwelt hatte jeder nach ihrer Pfeife zu tanzen und wurde manchmal eiskalt fallengelassen. So auch, könnte man argumentieren, ihr erster Ehemann Hugh Pollock, im Film gespielt von Matthew Macfadyen, Lesern als Mr. Darcy aus Stolz und Vorurteil (2005) bekannt. Als Blyton im Alter von neunzehn das Elternhaus verläßt um Lehrerin zu werden, schreibt sie in jeder freien Minute Gedichte und Geschichten. Im Film sieht man sie sämtliche Verlage abklappern, aber Hugh Pollock ist der einzige Lektor der ihr Talent erkennt. Er lädt sie zu einem Gespräch ein, wobei Enid sich diese eher sensible Künstlerseele im Nu um den Finger wickelt und bald darauf heiratet.

Der ländliche Hintergrund vieler 'Fünf Freunde' Abenteuer wurde von Landschaften um Corfe Castle in Dorset inspiriert. Hier verbrachte Enid Blyton mit ihrer Familie viele Urlaube

Innerhalb von recht kurzer Zeit wird Enid berühmt, wohlhabend und hat zwei Kinder. Echte Kinder sagen ihr allerdings nicht so sehr zu wie die in ihren Büchern. Sie engagiert ein Kindermädchen, die rüstige Dorothy Richards, die sich schnell zu ihrer engsten Freundin entwickelt. Blytons gigantischer Erfolg und ihre enge Beziehung zu Dorothy führen aber auch zu Marginalisierung ihres Ehemanns Hugh, der zudem Alkoholprobleme entwickelt. Auch ihre zwei Töchter scheinen weniger Liebe und Zuwendung zu bekommen als Blytons junge Leser, die gelegentlich scharenweise zu Picnics in Blytons Anwesen eingeladen werden und an denen die Töchter nicht immer teilnehmen dürfen. Die Töchter werden bald darauf ins Internat verfrachtet, eher unglücklich - aber eine schöne Vorlage für Blytons idyllische Hanni Und Nanni Bücher. Nachdem Blyton ihren Ehemann, unter Androhung von diversen Konsequenzen, zu einer Scheidung bewegt hat, heiratet sie den älteren Arzt Kenneth Waters der, zugegebenermaßen, viel besser zu Blyton passt: Eine sehr stabiler, selbstbewusster Erfolgsmensch, super gespielt von Denis Lawson. Blyton suchte scheinbar eher eine Vaterfigur als einen Kumpeltyp wie Hugh. In der Tat, ihre Beziehung zu ihrem Vater war prägend in Blytons Werk. Sie liebte ihren Vater sehr und hatte eine schwierige Beziehung zu ihrer Mutter, deren Existenz sie sogar verleugnete. Selbst Ehemann Kenneth glaubte, sie sei vor Jahrzehnten verstorben. Aber auch das war eine von Enids Geschichten.  Die Liebe zur Natur, zu abenteuerlichen Ausflügen hingegen, dies waren Dinge die Enid an ihrem Vater liebte. Im Film sind schöne Szenen aus Enids Kindheit,, wie sie mit ihrem Vater durch den Wald geht und er ihr die Namen von den Bäumen beibringt: Dies ist eine Buche…dies ein Ahornbaum. Des nachts zuhause hörte Enid allerdings nur Streit zwischen den Eltern, so laut dass sie begann, ihren zwei kleinen Brüdern Geschichten zu erzählen um sie abzulenken. Als ihr Vater irgendwann auf nimmer wiedersehen das Haus verließ, brach für Enid die Welt zusammen. Ihre vielen Bücher über glückliche Kinderwelten waren vor allen eins: Eine lebenslange Hommage an ihren Vater.

Ads by Google

 

Info Ein Trailer für den BBC-Spielfilm Enid (2009), der nur auf Englisch, ohne Untertitel erhältlich ist. Das Buch Enid Blyton: The Biography von Barbara Stoney gibt ist als Taschenbuch erháltlich / Unser Lesetipp, was Blytons Kinderbücher anbelangt, ist der Klassiker Fünf Freunde und das Burgverlies (1960) / Tipp für Reisen auf den Spuren der Autorin: Die Gegend um die Küstenstadt Swanage und Corfe Castle in Dorset

Avenita Redaktion