Sandy Denny: Unsere Buchausgabe von Clinton Heylins exzellenter Biografie 'No More Sad Refrains' (2000)

Die Sängerin und Komponistin Sandy Denny kam am 6. Januar 1947 auf die Welt. Heute  wäre ihr 65. Geburtstag. Wenn sie nicht 1978 im Alter von 31 Jahren gestorben wäre. Sandy Stimme und ihre Lieder, solo und mit Fairport Convention (schöner Video-Clip) und mit Fotheringay, werden von so gut wie jedem in der Musikwelt verehrt, u. a. von Led Zeppelin, auf deren Lied Battle of Evermore Sandy (ab 0:48) sang. Während es immer traurig ist wenn Leute jung sterben, beruht Sandys Verehrung weniger auf Sentimentalität als auf den vielen Stunden ihrer schönen Musik, die mit jedem Jahrzehnt besser klingt. Bei außergewöhnlichen Talenten fragt man sich oft: Woher und warum? Die Sandy Denny Biografie No More Sad Refrains (2000) von Clinton Heylin wirft einiges Licht auf solche Fragen. Sandys voller Name, Alexandra Elene MacLean Denny, beruht darauf dass ihre Großmutter väterlicherseits darauf bestand, dass ihr keltischer Familienname MacLean von Generations zu Generation weitergeführt würde. Großmutter Mary war stolz darauf, vom Clan der MacLeans of Douart, von der Isle of Mull zu stammen. Die 1879 geborene Dame war eine Balladensängerin die Gälisch sprach und alte Lieder wie Fhir A Bhata und Grey Selchie of Sule Skerry sang. Spezifisches Liedgut der Orkney- und Shetland Inseln. Orte die nachweislich eine der ältesten Kulturen der Britischen Inseln beheimateten. Aber dies ist keineswegs die einzige interessante Spur die Heylin verfolgt. Unbestreitbar spielte die Folk-Szene Mitte der 60er Jahre in London, wo Sandy damals als Krankenschwester arbeitete, eine starke Rolle. Clinton Heylin präsentiert, anhand von Interviews mit Musikern dieser Szene, wie Bert Jansch, John Renbourn u. v. a, ein faszinierendes Bild von diesen Zeiten: Orte wie die Kommune in Hampsteads Somali Road, legendäre Folkclubs wie Les Cousins in Soho, das Hausboot The Barge auf der Themse, Bunjies, der Troubador Club in Earls Court, The Scots Hoose in Cambridge Circus…und auch für uns bis dato weniger bekannte Clubs wie The Horse Shoe in Tottenhams Court. Das Buch von Clinton Heylin (geb. 1960), der auch Bücher über Bob Dylan und Van Morrison veröffentlicht hat, ist eine Goldmine für Folk-Fans. 

Im CD-Box-Set 'A Boxful of Treasures' gefielen uns auch die schönen Fotos des umfangreichen Booklets

Clinton Heylin erörtert auch mögliche Gründe für Sandys notorische Unsicherheit und  permanente Selbstzweifel. Weniger in Hinblick auf ihr musikalisches Talent als, bizarrerweise, ihr Aussehen. Bizarr, weil für uns und schätzungsweise 99 Prozent aller Menschen, Sandy Denny nicht todhässlich war, im Gegenteil. Dies war wohl eine (nicht so seltene) Art von psychologischem Knacks der scheinbar darauf beruhte dass Sandys Vater, der in sonstiger Hinsicht ein solider Familienvater war, Schwierigkeiten hatte, Gefühle und Liebe gegenüber seiner Tochter zu zeigen. Mit Schuldzuweisungen muss  man vorsichtig sein denn jeder Mensch hat Eigenarten und Fehler. Aber es scheint so als ob dieser – gefühlte und von Sandy auch erwähnte – Mangel an Liebe und Anerkennung eine gewisse Rolle in Sandys Untergang spielte. Sandy war konstant auf der Suche nach Männern die ihr Anerkennung und  Zuneigung zeigten – und ihr geringes Selbstbewusstsein zum Teil ausnutzten. Vielleicht ist es eine der weniger erwähnten Seiten der schwingenden 60er und 70er dass Männer mehr davon profitierten als Frauen. Das Zitat von Al Stewart, dass ‘Sandy manchmal selbst Janis Joplin aussehen liess wie Mutter Teresa’ klingt auf Anhieb lustig. Aber wenn man bedenkt dass dies zwei sehr talentierte  Frauen waren, die die 70er Jahre nicht überlebten, dann ist es nicht lustig sondern traurig. Wir sind andernorts schon auf Sandys Tod eingegangen und wollen uns nicht zu sehr wiederholen. Aber Drogen, Alkohol und eine unglückliche, unstabile Beziehung spielten eine große Rolle.

Erfreulicher ist zu berichten dass in den letzten Jahren endlich angemessene Kompilationen und Box-Sets von Sandys Werk zusammengestellt wurden. Diese sind, auch ihrer schönen Gestaltung wegen, zu Sammlerstücken geworden, wie A Boxful of Treasures, (siehe Wiki-Eintrag). Diesen besitzen und empfehlen wir. Neben 5 CDs mit guter Musik, solo und mit Fairport Convention etc. ist hier ein 55-Seiten Booklet mit Essays und Fotos (daher stammt auch unser Foto, links) und Zeichnungen von Sandy, die allesamt daraufhin deuten dass es sich hier um eine sehr  künstlerische, träumerische und sensible Person gehandelt hat, die der Welt des Musikgeschäfts einfach nicht gewachsen war. Vielleicht ist Geheimnis von den Schottischen Inseln und von Sandys Talent dass es immer ein Geheimnis bleiben sollte. Wir persönlich sahen immer Bilder von den schottischen Inseln in den Zeilen von Who Knows where the Time goes, wo Sandy von leeren Stränden und Wintertagen am Kaminfeuer singt. Der Ort an dem sie immer bleibt und träumt, wenn alle anderen gegangen sind.

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Hinweis:  Das Taschenbuch ‘No More Sad Refrains‘ (2000) von Clinton Heylin ist als englisches Taschenbuch erháltlich. Wem der Box-Set A Boxful of Treasures  zu teuer ist, wird mit dem billigeren 2-CD-Set  No More Sad Refrains – The Anthology ziemlich gut bedient sein. Eine weitere sehr gute Alternative ist der Folkrock-Klassiker Liege and Lief  (1969) von Fairport Convention und Sandy Denny.

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