50th anniversary of The Freewheelin' Bob Dylan (1963): One of the magical things about the cover is that Bob and Suze look good without trying to. Right down to the clothes and boots they wear. Above all, the album sounds amazing

Dieses Jahr ist das 50. Jubiläum von The Freewheelin’ Bob Dylan (1963), ein Album mit dem Dylan das Folk-Genre in neue künstlerische und politische Sphären katapultierte. Heutzutage erzielen einige seltene LP-Ausgaben tatsächlich Zehntausende von Dollar, gleich mehr dazu. Allein das Cover ist eins der ikonischsten der Musikgeschichte. Es taucht in dem Film Vanilla Sky (2001) auf, wird dort in der Tat von Tom Cruise und Penélope Cruz exakt nachgestellt, inklusive VW-Bus. Wer mal in New York ist, kann das in der dortigen Jones Street übrigens selber tun: Verkehr stoppen, Entschuldigung Herr Wachtmeister…Dylan-Hommage! Das Magische an dem Cover ist dass die beiden gut aussehen ohne es besonders darauf anzulegen. Es wirkt sehr natürlich, und sehr glücklich. Selbst die Klamotten die Bob und Suze tragen sehen gut aus. Selbst heute noch. Die Dame im Bid ist leider vor Kurzem verstorben. Suze Rotolo (1943-2011) war eine von Dylans großen Lieben, das hat der ansonsten eher verschwiegene Mann selber angedeutet. Die Künstlerin hat vor ihrem Tod das Buch A Freewheelin’ Time: A Memoir of Greenwich Village in the Sixties (2009) veröffentlicht und schreibt darin über die damalige Zeit, als das Künstlerviertel Greenwich Village mit seinen Cafés, Folkclubs, Dichtern und Musikern ein einflussreicher kultureller Brennpunkt war. Die damals entstehende Symbiose von Kunst und Politik verdeutlicht das Lied Masters of War, hier ein YouTube-Clip.

Wer sind die ‘Masters of War‘eigentlich? Ich muss dabei unwillkürlich an den Waffenhändler Richard Roper in John le Carrés Roman Der Nachtmanager denken. Dylan erwähnt im Lied allerdings spezifisch die Hersteller von Waffen. Man könnte hier, in Bezug auf die Textzeilen ‘Come you masters of war You that build the big guns, You that build the death planes, You that build all the bombs…’ den oberschlauen Kritiker spielen und sagen dass Kriege nicht ausschließlich von Waffenherstellern angezettelt werden. Es ist komplexer, es gibt u. a. historische, religiöse und wirtschaftliche Gründe für Kriege. Aber wenn man bedenkt dass es Tretminen gibt, oder zumindest gab, die absichtlich wie Kinderspielzeug aussehen, wird klar dass manche Leute tatsächlich – wie Dylan es mit den Zeilen ‘even Jesus would never forgive what you do‘ andeutet – auf einer Stufe jenseits der Menschlichkeit Geschäfte machen. Hier ist was Dylan in den Liner Notes auf der Rückseite des LP-Covers über das Lied Masters of War schreibt:

 ”I’ve never really written anything like that before. I don’t sing songs which hope people will die, but I couldn’t help it in this one. The song is a sort of striking out, a reaction to the last straw, a feeling of what can you do?”

Bring back liner notes! Über den Text von Masters of War hinaus, ist das Lied auch musikalisch interessant weil es, wie es oft ein Merkmal von Folkmusik ist, eine traditionelle Melodie verwendet. Die musikalische Vorlage Nottamun Town wurde von Fairport Convention mit dem mittelaterlichen Originaltext eingespielt. Ich sehe es als einen der lobenswerten und genialen Züge von Dylan, dass er alte Volkslieder die ohnehin Allgemeingut sind, thematisch aktualisierte und somit eine neue Relevanz gibt. Die frühen Alben von Dylan machten das Folk-Genre, das damals weitgehend zum Terrain von älteren, pfeiferauchenden Männern in irischen Pubs geworden war, wieder cool für junge Leute. Dylan beeinflusste dadurch die Beatles, die Stones und viele andere. Das Album The Freewheelin’ Bob Dylan enthält neben Masters of War mehrere andere Klassiker wie Blowin’ in the Wind, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Don’t Think Twice, It’s All Right. Was manche Vinyl-LPs zu einer teuren Seltenheit macht, ist dass ein paar Schallplatten mit einer anderen Liederauswahl existieren. Offenbar wurde damas zu später Stunde entschieden, vier neue Lieder, inklusive Masters of War, auf das Album zu bringen. Aber es gibt es ca. ein, zwei Dutzend Aben mit den vier ursprünglichen anderen Liedern, Sachen wie Let me die in my Footsteps und Rambling Gambling Willie die Jahre später auf Dylans The Bootleg Series Volumes 1–3 (Rare & Unreleased) auftauchten.

 

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PS: Ist meine Vinyl-LP oben im Bild eine der teuren ’The Freewheelin Bob Dylan’ Ausgaben? Sagen wir so: Wenn ich jetzt 35,000 Dollar so locker hätte, würden ich nicht diese Zeilen tippen sondern schon längst mit einer Sangria am Strand sitzen. Meine normale Vinyl-Ausgabe ist also viel besser. Für mich jedenfalls.

Mehr von uns über Dylan  Der Artikel Vor 40 Jahren: Hurricane, Renaldo & Clara…und Desire über eine von Dylans besten LPs. Mit vielen Hintergrundinfos.

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