It's the birthday of Russian actress Tatiana Samoilova (1934-2014), here in the film that won the Palme d'Or at the Cannes Film Festival 1958. In the blog are infos about film locations, trailer and a song explaining the symbol of the flying cranes

Am Geburtstag der russischen Schauspielerin Tatjana Samoilowa (1934-2014), ein Blick auf ihren berühmtesten Film, auf Deutsch auch unter dem kürzeren Titel Die Kraniche ziehen bekannt. Gewinner der Goldenen Palme 1958 in Cannes. Der Film beginnt 1941, kurz vor der deutschen Invasion der Sowjetunion. Ein jähes Ende für schöne Momente die die jungen Verlobten Boris und Veronika anfangs miteinander verbringen. Der Film handelt hauptsächlich von den Folgen des Kriegs für die Zivilbevölkerung. Veronika ist die zentrale Figur, ihr Umgang mit Verlust und Trauer wird bewegend dargestellt. Der Sinn der Kraniche am Anfang und am Ende des Films war mir immer ein gewisses Rätsel – bis ich ein Lied fand das zwar später als der Film entstand aber auch die Symbolik der Kraniche verwendet. Es folgen Clips vom Lied und vom Film. 

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Gedicht: Rasul Gamzatov, 1968
Musikalische Darbietung von: Serebro
Text nachfolgend frei ins Deutsche übersetzt
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Manchmal scheint es mir dass die Soldaten
Die nicht von den Schlachtfeldern zurückkehrten
Nicht hier in unserem Land gestorben sind
Sondern sich in weiße Kraniche verwandelten
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Check the links in the next para to see modern photos of the old film locations. The song is based on a poem that was written years after the movie, but which also uses the metaphor of the cranes - representing people who died in the war as gone but ever present - and relates to the context of the film

Seit ferner Vergangenheit bis zum heutigen Tag
Fliegen sie dort oben und rufen uns zu
Ist es der Grund warum wir so oft und so traurig
In den Himmel sehen und verstummen?

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Eine müde Schar von Kranichen fliegt davon
Fliegt durch den Nebel am Ende des Tages
In ihren Reihen ist ein Platz frei
Und vielleicht ist dieser Platz für mich
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Der Tag kommt an dem ich mit den Kranichen
Durch die blau-grauen Lüfte fliege
Und wie ein Vogel vom Himmel rufe
Zu all denen die ich auf der Erde zurückließ
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Manchmal scheint es mir dass die Soldaten
Die nicht von den Schlachtfeldern zurückkehrten
Nicht hier in unserem Land gestorben sind
Sondern sich in weiße Kraniche verwandelten
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Oben, eine Filmszene aus Wenn die Kraniche ziehen. Veronika und Boris treffen sich am Anfang glücklich und verliebt an einer Brücke in Moskau. Hier sehen sie die Kraniche am Himmel. Vermutlich wird sich der eine oder andere Leser erinnern dass Boris sie liebevoll Eichhörnchen nennt, was im Verlauf des Films eine Signifikanz bekommt, durch das Stofftier das er ihr schenkt. Die ikonischen Szenen an der Brücke wurden an der 1938 gebauten Krimski-Brücke gedreht, siehe modernes Foto. Wenn man von der Brücke aus an der Promenade des Flusses entlanggeht, sieht man weitere Drehorte, wie die Kaimauer und die Stufen die in der Anfangsszene vorkommen. Ebenfalls im Film zu sehen ist der Nikolskaya-Turm, der etwas wie eine Kirche aussieht aber ein Wachturm der im 15. Jhr. gebauten Kreml-Stadtbefestigung ist. Auf der 70 m hohen Turmspitze ist heute noch der rote Stern aus der Stalin-Zeit. Ein weiterer Drehort war der Iwanplatz, der im Film mit kreuzförmigen Panzersperren gefüllt ist, und wo sich Touristenattraktionen wie die Zarenglocke und die Zarenkanone befinden. Der Film beeindruckt nicht nur visuell sondern auch auch vom Drehbuch her, das auf dem Theaterstück Die ewig Lebenden von Viktor Rosow beruht. Die Kraniche ziehen (1957) ist ein ungewöhnlicher Kriegsfilm insofern dass der Feind darin nicht direkt vorkommt. Man sieht keinen einzigen deutschen Soldaten im Film, nur wie Boris von einer Kugel getroffen zu Boden geht. Der Film befasst sich nicht mit Feindbildern sondern eher mit Vorbildern – zeigt wie Leute versuchen, mit Verlust und Zerstörung umzugehen. Die Protagonisten schöpfen dabei nicht aus Hass sondern aus Hoffnung und Idealen. Eine bemerkenswerte Sichtweise, aus einem Land das im Zweiten Weltkrieg 25 Millionen Menschen verlor.

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Weitere Infos  Die Kraniche ziehen (1957) ist auf Deutsch synchronisiert erhältlich und hat beim deutschen Amazon positive Rezensionen. Auf Youtube sind Film und Trailer mit Originalton, teils mit engl. Untertiteln

Wussten Sie schon?  Die Rolle von Boris, Foto oben links, wurde von dem heute 87-jährigen Aleksey Batalov gespielt. Es wäre schön wenn die Öffentlich-Rechtlichen zum 60. Jubiläum des Films in 2017 mit dem letzten lebenden Hauptdarsteller ein Interview über den Dreh machen könnten. Siehe russisches Doku

Weitere Filme von Michail Kalatsow? Kraniche-Regisseur Michail Kalatosow hatte in Deutschland auch mit dem Film Das Rote Zelt (1969) Erfolg. Ein Arktis-Abenteuer mit Leuten wie Mario Adorf und Hardy Krüger

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