Unsere Hardcover Edition der Peter Jackson Biografie und ein HDR Taschenbuch mit Design von Pauline Baynes

Es sieht aus als ob 2012 das Jahr des Neuseeländers Peter Jackson wird, und wir wollten etwas Hintergrundwissen. Die von Brian Sibley geschriebene Biografie ‘A Film-Maker’s Journey‘ (2006) hat bei UK und US Amazon gute Bewertungen, deshalb haben wir das Buch (das es auch als Kindle-Edition gibt) ausgecheckt. Und in der Tat, es ist neben vielen anderen Infos, voll mit interessanten Details über die Entstehung von Jacksons Mammutprojekt, der Verfilmung der Tolkien-Trilogie Der Herr der Ringe. Wir erinnern uns, vor Jahren in einem Videoladen das Cover des Splatter-Films Braindead (1992) des damals unbekannten Regisseurs bewundert zu haben. Bewundert insofern dass wir anhand des Cover-Stars, einem blutüberströmten Glatzkopf mit Fleischermesser in der Hand, dachten dies wäre ein neuer Rekord in der Abteilung How low can you go? Damals hätten wir nicht darauf getippt, dass Jackson ca. 10 Jahre später eine der besten Kinoproduktionen aller Zeiten herausbringen würde. Vieles an der ca. 7-jährigen Entstehungsgeschichte der HDR-Filme erscheint wie eine Kette von, man könnte fast sagen, schicksalshaften Fügungen. Selbst nach mehrjährigen Vorbereitungen, wie die Sicherung von Filmrechten, Drehbuch-Entwicklung und anfänglichen Investionen von ca. 15 Millionen Dollar, schien es unwahrscheinlich dass das Projekt gelingen würde. Die Liste von Dingen die schiefgingen aber unverhofft neue Türen öfneten, ist lang. Zum Beispiel war Jacksons nächstes Projekt damals eigentlich nicht die Tolkien-Verfilmung sondern eine voraussichtlich jahrelange Arbeit an einem King Kong Remake. Einer der Gründe warum das schon begonnene Kong-Projekt fallengelassen wurde, war Roland Emmerichs Neufassung von Godzilla (1998) welche, so fürchteten Jacksons Geldgeber, einem weiteren Monster-Movie das Wasser abgraben würde.

Unsere Meinung nach, Glück im Unglück. Denn obwohl King Kong für Jackson seit seiner Kindheit viel bedeutete und ein absolutes Traumprojekt für ihn war, müssen wir gestehen dass wir den Stoff nicht so hoch einschätzen und glauben dass eine Kong-Neuverfilmung damals nur  mittelprächtigen Erfolg gehabt hätte. Der Stoff hat nicht diesen mystischen, quasi-religiösen Subtext den Der Herr der Ringe hat – und den auch Filme wie Star Wars haben – um ihn heute in die Megakult-Liga zu katapultieren. Und wenn Kong ein Flop gewesen wäre, hätte Jackson wahrscheinlich nicht die Chance gehabt, noch einen Big-Budget-Film zu drehen. Wir schätzen, das Monster-Duo Kong & Godzilla hat somit geholfen, den Weg für HDR frei zu machen – und insofern sind die beiden Kraftmeier eigentlich doch ganz in Ordnung. Als Kong durchfiel – und erst Jahre später von Jackson aufgegriffen zu werden – wandt Jackson sich wieder dem HDR-Projekt zu. Nach seinem vorherigen Film The Frighteners (1998), hatte der Regisseur ein größeres Team von Computer-Leuten und wollte, um sie zu behalten, wieder einen Film mit Raum für viele Computereffekte machen. Jackson sah das  sog. Sword & Sorcery oder Fantasy-Genre als einen Bereich dessen Potential das Kino, mit Filmen wie z. B Willow, bis dato nicht zufriedenstellend ausgeschöpft hatte.

Der Ursprung des HDR-Filmprojekts lag schon längere Zeit zurück, als Jackson und seine Ehefrau und Co-Drehbuchschreiberin Fran Walsh eines Morgens überlegt hatten, was ein gutes Fantasy-Filmprojekt wäre? Dabei dachten sie an Der Herr der Ringe und beschlossen, obwohl es tollkühn erschien, auf gut Glück auszuchecken ob Der Herr der Ringe als als Filmoption zu Verfügung stünde? Erstaunlicherweise war die rechtliche Situation für HDR unkomplizierter als die von The Hobbit, der als Startpunkt eigentlich am logischsten gewesen wäre. Jackson bekam von der Produktionsfirma Miramax grünes Licht: für zwei HDR-Filme, mit einem Budget von insgesamt 75 Mil. Dollar. Mit seiner ihm eigenen akribischen und enthusiastischen Art begann Jackson, schon während er mit Ehefrau Fran am Drehbuch arbeitete, Spitzen-Leute wie die beiden renommierten Künstler Alan Lee und John Howe für das Projekt zu gewinnen. Nach 15 Mil. Dollar, allein für Research & Development, bekam Miramax aber offenbar kalte Füße und wollte das Projekt auf einen einzelnen Film anstatt zwei kürzen.

Als Jackson sich weigerte, war der Preis dafür anscheinend der Verlust des  Projekts, sprich, die Ersetzung Jacksons mit einem anderen Regisseur. Für Jackson schien in dieser aussichtslosen Lage die Welt zusammenzubrechen. Die letzte Chance war  ein sog. turnaround deal – wobei ein anderes Studio ein Projekt komplett übernimmt, aber auch die bisher entstandenen Kosten an die vorherige Firma zurrückzahlt. Zudem bekam Jackson nur vier Wochen Zeit um einen neuen Investor zu finden. Jackson drehte mit 50.000 Dollar aus eigener Tasche  ein 35-Min. Making Of Doku, auf Basis der bisher erarbeiteten künstlerischen Konzepte, wie z. B. die Entwürfe von John Howe und Alan Lee. Diese wurden, zusammen mit Teilen des Drehbuchs zu einer audio-visuellen Skizze, wie eine Art Hörspiel mit Bildern, zusammengestellt. Jackson stellte sich sogar selber vor die Kamera und tat als ob ihm jemand interviewen würde, wobei er eigentlich seine Verkaufsargumente für den Film vortrug. Mehrere große Studios, wie Sony und DreamWorks, lehnten dennoch ab. Nur bei der Firma Newline Cinema schien jemand, genau gesagt, Produzent Bob Shaye, die Weitsicht für das Potential des Projekts zu haben. In der Tat, der Mann schlug vor, 3 anstatt 2 Filme zu machen. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Wobei in der Jackson-Biografie ‘A Film-Maker’s Journey‘ (2006) ab diesem Punkt viele interessante und unterhaltsame Details über den Filmdreh folgen.

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Hinweis  Unser Artikel über die, so weit wir wissen, nur auf Englisch erhältliche Biografie A Film-Maker’s Journey‘ (2006) von Brian Sibley, beruht auf unserer eigenen Interpretation und repräsentiert nicht unbedingt genau die Schilderungen oder Meinungen des Buchautors

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