Voted one of the 50 best movies of all time by Sight & Sound magazine. A remake is in the works. Actress Anita Ekberg has died this year. We take a look at the beautifully restored version of this classic by Federico Fellini (1920-1993)

Vom Filmmagazin Sight & Sound zu den 50 besten Filmen aller Zeiten gewählt. Gewinner der Goldenen Palme beim Cannes Filmfestival. Der Filmtitel La Dolce Vita wird ebenso wie Anita Ekberg in Liedern von Dylan erwähnt. Der Film wird auch oft visuell zitiert, z. B. im deutschen Spielfilm Goodbye, Lenin (2003). Clips dazu folgen. Zuerst ein kurzer Überblick. Der Film spielt Ende der 50er Jahre in und um Rom. Im Mittelpunkt ist ein Journalist namens Marcello, gespielt von Marcello Mastroianni, der in Roms High Society nach Geschichten sucht. Der Film verfolgt seine Erlebnisse und Bekanntschaften, z. B. mit Filmstar Sylvia die – gespielt von Anita Ekberg in der berühmten Brunnenszene – Wahrzeichen des Films wurde. Da sie Januar 2015 starb, und zudem ein Remake des Films in Arbeit ist, reizte es uns, einen neuen Blick auf den Film zu werfen, speziell die digital restorierte Fassung an der mitunter Martin Scorsese beteiligt war. Interview-Clip mit ihm folgt. Unser Foto war als eine kleine Hommage an die legendäre Filmszene im Brunnen gedacht, aber es war schwer die Blu-ray und das Wasser des Brunnens (oben rechts zu sehen) gleichzeitig ins Bild zu kriegen weil die Blumen im Weg waren. Aber so hat der Schwarzweißfilm etwas Farbe bekommen. Die restorierte Fassung sieht gut aus. Der Ton ist gut. Auch der Soundtrack von Nino Roto, hier ein Clip, mit Elementen von Jazz, Pop und moderner Klassik, lohnt sich auszuchecken. Ein bahnbrechender Aspekt von La Dolce Vita (1960) war die damals ungewöhnliche Erzähltechnik. Es gibt hier kein konventionelles Handlungsschema à la Hollywood, keine Begegnung die in Romanze endet, kein Rätsel das gelöst wird. Der Film hat einen dokumentarischen Stil und fließt, ein bisschen wie das echte Leben, unberechenbar vor sich hin. Erstaunlicherweise ist das, trotz Filmlänge von fast 3 Stunden, nicht langweilig sondern unterhaltsam. Der episodenhafte Character des Films – man sieht die Hauptfigur Marcello in verschiedenen Situationen die nicht unbedingt direkt miteinander verbunden sind – war ein Einfluss auf Quentin Tarantinos Hit-Film Pulp Fiction (1994).

Marcello Mastroianni & Anita Ekberg: Fellini shows a world where showbusiness has been turned into religion, and religion into showbiz. But he doesn't moralize about media. In La Dolce Vita they're victims as much as cause of the madness

Zu den Stärken von La Dolce Vita gehören auch die Drehorte. Die Stadt Rom ist gewissermaßen der Star des Films. Man bekommt dabei Lust, die Locations im Internet auszuchecken, wie zum Beispiel den 2000 Jahre alten Aquädukt Aqua Claudia, der einst Rom mit Wasser versorgte, und in der Anfangsszene des Films erscheint. Nicht zufällig schwingt die Kamara dann zu hässlichen neuen Hochhaussiedlungen. Regisseur Frederico Fellini (1920-1993) scheint nach Kontrasten zu suchen. Der Weg des Journalisten Marcello führt von baufälligen Kellerräumen von Prostituierten bis zu Partys der Reichen und Berühmten. Eine der Partys findet in den Caracalla-Thermen, den antiken Badeanlagen von Rom statt, dies ist Ort der Tanzszene mit Anita Ekberg die auf den meisten Kinoplakaten und DVD-Covers zu sehen ist. Nach der Party gehen Ekberg und Mastrianni zum Trevi-Brunnen, hier ein modernes Foto, der durch den Film eine Touristenattraktion wurde. Für eine weitere Party besucht Marcello die mittelalterliche Burg Castello Odescalchi. Hier trifft er ein junges deutsches Model namens Nico, geb. Christa Päffgen (1938-1988), die damals weder Andy Warhol begegnet war, noch der Kultband Velvet Underground, für die sie später Sängerin wurde. Fellini zeigt in La Dolce Vita eine Welt in der die Medien Showbusiness zur Religion, und Religion zum Showbusiness gemacht haben. Ein Fotograf der im Film für Marcello arbeitet, hat den Nachnamen Paparazzo. Er wurde so sehr zum Wahrzeichen für Medienzirkus dass man aufdringliche Promi-Fotografen bis heute Paparazzi nennt. Voilà, das Leben imitiert mittlerweile die Kunst. Aber es ist nicht einfach, La Dolce Vita auf ein bestimmtes Message festzunageln. Fellini moralisiert nicht, stellt die Fotografen und den Journalisten Marcello nicht bösartig dar. Sie sind selber eher Opfer als Täter. Gefangen in einem Zirkus der auch ihr eigenes Leben trivialisiert und aushöhlt. Am Ende des Films steht Marcello an einem Strand, hat die Nacht davor an einer bizarren Orgie teilgenommen die im Film eher verzweifelt als lebensfroh dargestellt wird. Auf der anderen Seite einer Flussmündung am Strand sieht der übernächtigt und hilflos wirkende Marcello die junge Kellnerin Paola, eine Unschuld vom Lande, mit der er Wochen oder Monate vorher in einem Strandcafé gesprochen hat. Sie ruft ihm etwas zu aber Marcello kann sie nicht mehr hören, der Wind verweht ihre Worte. Mit der Endszene scheint Fellini die Sehnsucht nach einer Rückkehr, nach einer Art Return to Innocence auszudrücken.

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Weitere Infos  Clip von der Anfangsszene von La Dolce Vita mit dem Hubschrauber der eine Jesus-Statue transportiert. Visuell zitiert u. a. vom deutschen Spielfilm Goodbye, Lenin (2003), mit Lenin anstatt Jesus. La Dolce Vita ist auf Deutsch synchronisiert erhältlich, hat viele positive Rezensionen beim deutschen Amazon

Remake-Info  Federico Fellinis Familie hat vor Kurzem bekannt gegeben dass die Rechte für ein Remake von La Dolce Vita  von der Produktionsfirma AMBI Pictures gekauft wurden und ein Remake in Arbei ist

Wussten Sie schon?  Dino De Laurentiis, der ursprüngliche Producer von La Dolce Vita, wollte Paul Newman in der Hauptrolle des Journalisten Marcello. Als Fellini sich weigerte, stieg De Laurentiis aus.

Dylan-Connection  Der Film wird, wenn auch nur nebenbei, in seinem Lied Motorpsycho Nightmare erwähnt (”…then in comes his daughter whose name was Rita, she looked like she stepped out of La Dolce Vita”)

Martin Scorsese über La Dolce Vita Regisseur der an der Restorierung beteiligt war, spricht über Fellini

Mehr über italienische Filmklassiker Unser Post über Cinema Paradiso (1988) von Giuseppe Tornatore
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