Ah, the glory of well-designed print with interesting information. With George Lucas in the news recently, we look at an article about him in a WIRED magazine from 2005 which, to us, foreshadows his deal with Disney. Which is a good move

George Lucas war vor kurzem in den Nachrichten weil er, kurz gesagt, sein Imperium, inklusive den Rechten an der Star Wars Saga, an Disney verkauft hat. Die Reaktion in der deutschen Presse darüber schien verhalten, was uns überraschte denn – außer wenn irgendjemand Pillen hat mit denen man Lucas ewig am Leben halten kann – sind Disney und die Lucas-Filme das absolute Traumteam. Man stelle sich vor, Lucas hätte nicht den richtigen Nachfolger gefunden, oder die Rechte wären an ein wackeliges Filmstudio gegangen anstatt an den soliden Disney Konzern. Der Grund warum wir bei der Disney & Lucas Geschichte an einen sieben Jahre alten Artikel im Wired Magazin (siehe Foto) dachten, ist dass sich darin, für unsere Begriffe, George Lucas’ Abschied von seinem Imperium schon abzeichnete. Das Cover, auf dem Lucas und Darth Vader verschmilzen, hat eine Signifikanz. Denn Lucas beabsichtigte, gemäß dem Interview, schon damals, als er gerade Die Rache der Sith (2005), also wohl seine letzte Episode der Star Wars Saga zu Ende gedreht hatte, sich neu zu erfinden. Er scheint sich insofern mit Darth Vader zu identifizieren als dass er, dem es als junger, rebellischer und experimenteller Filmemacher einst missfiel dass Konzerne die Filmindustrie übernommen hatten, nun selber der Kopf eines solchen Konzerns geworden war. Er sagte dass er seine finanzielle Sicherheit nun dazu benutzen wolle, Filme zu drehen die niemand von ihm erwartet und die vielleicht sogar niemand sehen will. Und dass er sich das Recht verdient habe, auch mal zu scheitern, Lucas hatte damals etwa ein Jahr damit verbracht, sein Kinodebut, den orwellischen Sci-Fi Film THX 1138 (1971) für die 2004 Neu- bzw. Erstveröffentlichung auf DVD und im Kino zu bearbeiten. Dabei hatte er viel Spaß gehabt, und wir vermuten das trug dazu bei, dass Lucas sich danach sehnte wieder zu seinen eher alternativen Wurzel und Einflüssen zurückzukehren. Einer dieser Einflüsse war ein experimenteller Kurzfilm namens 21-87 der im Jahr 1963 von dem Kanadier Arthur Lipsett gemacht wurde. 

Wir verlinken den ca. 9 min. langen Film gleich, aber wollten vorher noch auf einige Verbindungen zu späteren Filmen von George Lucas hinweisen. Wir weisen zudem daraufhin dass 21-87 kein Film für Kinder ist und mitunter einige verstörende Bilder, z. B. von einem brennenden Menschen enthält, die auch nicht jedem Erwachsenen zusagen werden. Aber es ist nicht die Absicht von experimentellen Filmen oder Film-Collagen wie 21-87, Leuten zuzusagen. Arthur Lipsett (1936 -1986) arbeitete sprichwörtlich mit Filmmaterial das andere weggeworfen hatten, nämlich mit Filmausschnitten die im Editing-Studio des National Film Boards auf dem Boden gelandet waren. Es ist Schwarzweißfilm und Teile davon muten auf Anhieb ziemlich deprimierend an. Vielleicht wird der eine oder andere Leser dabei an die Videokassette in Gore Verbinski Film Ring (2002) denken. Keine Sorge, wir leben noch! Auch die Klänge des Films sind oftmals collagenhafte Samples, wodurch eine weitere Schicht von emotionalen Verfremdungen oder Kontrasten entsteht. Aber gerade das schien George Lucas, der den Film Dutzende mal sah, zu faszinieren. Und er setze ähnliche Effekte bei seinem eigenen Filmprojekt THX 1138 (1971) ein. Lucas baute sogar Lipsetts Filmnamen 21-87 in seine eigenen Filme ein: In THX 1138 fand der Mord an der Freundin der Hauptfigur, die THX heißt, an dem Datum 21/87 statt. Und in Star Wars (1977) wird Prinzessin Leia in einer Zelle mit der Nummer 2187 gefangengehalten. Selbst das Konzept von The Force in den Star Wars Filmen, also eine Art esoterisches oder göttliches Konzept (auf Deutsch: ‘Möge die Macht mit dir sein’ etc.) von hat angeblich eine Verbindung zu dem Experimentalfilm 21-87, hier als YouTube Clip. In einem der Audiosamples die Lipstett verwendete sagt jemand, wir übersetzten frei aus dem englischen Original:

Viele Leute spüren dass ihnen während der Betrachtung der Natur und während der Kommunikation mit anderen Lebewesen, eine Art von Kraft (force) oder so etwas ähnliches bewusst wird, die hinter der sichtbaren Maske steckt die wir vor uns sehen, und das nennen sie Gott.

Ein interessantes Zitat von dem Filmemacher und Philosophiestudent Roman Kroitor. Übrigens auch ein klasse Cover auf der Mai 2005 US-Ausgabe von Wired Magazine. Wir finden Wired generell ganz gut, weil wir Sachen mögen eine erkennbare Liinie haben, was bei vielen Printmedien heute leider nicht mehr der Fall ist:  Sehr ähnliche Themen, sehr ähnliche Meinungen…Goodbye USP. Klar, dass wir die Ausgabe mit George Lucas auf dem Cover und 16 Seiten an Artikeln, die großteils auf einem ausgiebigen Interview mit Lucas beruhen, aufbewahrt haben, denn durch die Materialstärke und die Rückenkante des Mags kann man es wie ein Taschenbuch hochkant im Bücherregal stehen haben. Für Jahrzehnte. Zeitungsverlage, die einen lobenswerten Aufwand für gute Artikel betreiben, sollten überdenken ob es nicht schade ist dass Artikel auf Zeitungspapier fast unweigerlich auf dem Müll landen? Klar, man kann alles ins Web stellen, aber dann ist weniger ein Produkt, und schon gar kein Sammlerobjekt, sonder eher ein Tropfen im Ozean.

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Weitere Infos  Englischer Wiki-Artikel über den Avantgardefilm 21-87/ und Regisseur Arthur Lipsett

Avenita Redaktion