Looking at his autobiography and discography, there seem to be two recurring themes. One is Jesus. The other one: Trains

Die Verbindung von Rock, Folk and Country mit der Eisenbahn ist vielfältig. Wir hatten an anderer Stelle die Theorie erwähnt dass der Klang von Lokomotiven, mit ihrem boom, chicka, boom, populäre Musik beeinflusste. Der konstante, mechanische Rhythmus der Popmusik zu eigen ist, war zuvor, in der Musik des 19. Jahrhunderts selten. Es ist vorstellbar dass Leute bei einer künstlerischen Betrachtung der Eisenbahn, regelrecht einen soundtrack darin hörten. Aber die Eisenbahn wurde auch zum Thema in Texten. Bei kaum jemandem mehr als bei Johnny Cash (26. Feb. 1932 – 2003). Heute, an seinem 80. Geburtstag, werfen wir einen Blick auf Eisenbahnlieder aus jedem Jahrzehnt seiner Musikkarriere.

50er Jahre: Auf dem Debütalbum Johnny Cash with His Hot and Blue Guitar (1957) haben mindestens vier Lieder eine Verbindung zum Schienenstrang. Wir sagen mindestens weil auf CD-Versionen Bonustracks wie Hey Porter (YouTube Clip) sind. In diesem Lied, die erste Single die man 1955 von ihm auf dem Radio spielte, ist Cash auf einer Zugreise zurück nach Hause und fragt das Personal wann sie endlich die Mason-Dixon-Linie in die Südstaaten überqueren.

Fotos u.a. Session für 'Ride This Train' LP / Cash & Elvis / Cash & Carter Family / Filmausschnitt: 'Five Minutes to Live'

60er Jahre Die LP Ride This Train (1960) ist ein Konzeptalbum über eine Eisenbahnfahrt durch Amerika – auf Liedern wie Loading Coal mit einem sozialktitischen Blick durchs Zugfenster auf das Leben einfacher Leute. Auf  Folsom Prison Blues ist die Bahn-Connection nicht so offensichtlich. Es handelt vom Gefängnis. Aber der Gefangene hört von seiner Zelle aus, Tag und Nacht den Zug vorbeifahren. Er fantasiert über reiche Leute im Esswagen und hegt Fluchtgedanken. In  The Legend of John Henry’s Hammer (1963) bildet der Hammerschlag von Eisenbahnarbeitern den Rhythmus. Es beruht auf Folklore über den starken Arbeiter John Henry, der vom Boss zum Wettkampf mit einer dampfbetriebenen Maschine herausgefordert wird und später aus Erschöpfung stirbt.

70er Jahre Das Lied The L & N Don’t Stop Here Anymore (1979) zeigt die Verbindung der Eisenbahn mit anderen Industrien. Ein Dorf von Bergarbbeitern wird arbeitlos als die L & N, die Louisville and Nashville Railroad, nicht mehr bei ihnen vorbeifährt: ‘Als ich ein Kind war, sagte mein Vater, werde kein Bergarbeiter wie ich. Früher rollten die Kohlenwagons hier vorbei, jetzt stehen sie leer und rosten vor sich hin’. Johnny Cashs Vater war in den 30er Jahren der US-Wirtschaftskrise ein Hobo (Wiki) der auf Güterzügen herumfuhr und Gelegenheitsjobs suchte. Cash erinnert sich, als Kind  bemerkt zu haben, wie sein Vater immer mit Schrammen nach Hause kam. Sie stammten vom Absprung von fahrenden Zügen der  St. Louis Southwestern Railway, genannt The Cotton Belt Route. Davon handelt Ridin’ on the Cotton Belt (1977). Die Qualität auf YouTube ist mittelprächtig, aber Cash erzählt zur Einleitung diese aufschlussreiche Anekdote.

80er Jahre Schwierige Zeit für Cash. In der jugendlichen Popkultur wurde er mit seinen TV-Shows als altes Eisen angesehen. Er hatte noch nicht den ultra coolen Status der ihm im nächsten Jahrzehnt vergönnt sein sollte. Aber die Eisenbahn rollte weiter. Uns gefällt Ain’t Gonna Hobo No More (1982) mit Erwähnungen von Alberta, Nova Scotia und Halifax in Kanada. Ein Hobo sagt seinen Kumpels dass die nächst Zugfahrt seine letzte ist. Er will sich einen Job und eine Frau suchen. In Hey, Hey Train (1981) ist Johnny sauer auf Zug und Personal weil sie mit seinem Mädchen weg gefahren sind. Eine Nummer mit starken Telcaster-Gitarrenklängen (von Marty Stuart, so weit wir wissen), die rhythmisch abgeht wie eine Rakete.

Das Album 'American Recordings' (1994) enthält sechs Seiten handgeschriebene Liner Notes von Johnny Cash

90er Jahre Mit dem schlichten Klang des Albums American Recordings (1994) gewann Cash wieder ein junges Publikum, siehe das Open Air Konzert mit Let the Train Blow the Whistle. Er singt: Erinnert euch an mich wenn mein Zug abgefahren ist, und sagt den Lügnern und Gerüchtekochern dass ich sie in der Hölle wiedersehen werde. Wir sagten im englischen Bildtext dass es zwei Themen gibt zu denen Cash immer zurückkam: Jesus und die Eisenbahn. Im Lied Down There by the Train (1994) kommen beide vor. Dieser Zug scheint eine Metapher für Vergebung zu sein, denn hier trifft man selbst den römischen Soldaten der Jesus am Kreuz mit der Lanze stach.

2000er Jahre Johnny Cash klang gegen Ende seines Lebens oftmals besser als je zuvor. Seine neue Darbietung von Waiting for a Train vom Box-Set Unearthed (2003) klann es durchaus mit der alten Aufnahme von 1963 aufnehmen. Ein Eisenbahnlied war tatsächlich das Letzte was Cash in seinem Leben aufnahm: Like the 309, ebenfalls von Unearthed (2003). Ich höre den Klang von der Eisenbahn, mit ihr komme ich höher als die Fichten von Georgia, Gebt meiner Kuh noch einen Schluck Wein, und dann steckt mich in einer Kiste auf den Zug 309. Aber das letzte Lied das wir Lesern heute vorstellen ist On the Evening Train von dem posthum veröffentlichten Album American V: A Hundred Highways (2006). Dies ist eins der besten Sachen die wir je von Johnny Cash gehört haben. Obwohl es von einem traurigen Abschied handelt

Fazit  Die Eisenbahn ist bei Johnny Cash Metapfer und Realität zugleich. Sie ist Symbol für den romantisch-bohemischen Lebensstil der Abenteurer. Sie steht für die positiven, sowie die negativen Seiten des Fortschritts. Die Eisenbahn ist moderne Folklore. Sie ist Sozialgeschichte und Familiengeschichte. Johnny Cash schreibt, dass er als kleines Kind mit seiner Mutter auf der Veranda saß. Er hörte die Klänge der nahen Eisenbahnlinie und seine Mutter spielte auf der Gitarre, u. a. auch Wreck of the Old 97, ein Lied über ein Eisenbahnunglück. Jahre später kaufte Cash sich beim Militärdienst in Deutschland seine erste Gitarre. Nach seiner Rückkehr in die Staaten nahm er für sein Debutalbum das Lied Wreck of the Old 97 auf. Die Zugreise von Johnny Cash hatte begonnen.

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Hinweis  Das Buch Cash The Autobiagraphy of Johnny Cash (1997) ist auch auf Deutsch erschienen (mit anderem Cover) und im Onlinehandel erhältlich. Gemäß unserer engl. Originalausgabe sehr lesenswert. Wir benutzten für diesen Artikel allerdings auch andere Quellen, wie Liner Notes von Alben etc. TV-Doku für Eisenbahn-Fans mit Johnny Cash Ridin’ the Rails: The Great American Train Story (1974)

Avenita Kulturmagazin