Nonic Pint: Schönes & praktisches Design

Liegen wir richtig mit der Annahme dass die meisten Biergläser die in Deutschland über die Theke gehen, die recht filigranen 0,2 l und 0,3 l Stangen oder Pilstulpen sind? Das ist übrigens auch hier in Spanien der Fall. Das häufigste Bierglas ist hier ein tubo, sprichwörtlich: Rohr oder Stange. Möglich dass es in Deutschland regionale Abweichungen von der Regel gibt, vermutlich liegt in Bayern der 1 Liter Maßkrug gut im Rennen, da lassen wir uns von Lesern gerne belehren. In Großbritannien jedenfalls ist das mit Abstand häufigste Glas, wir schätzen mal mit 90% Anteil, das klassische Pint, das man einfach wie Peint ausspricht. Mit 20 Flüssig-Unzen (ca. 568 ml), entzieht sich diese nützliche Biermenge immer noch stur dem metrischen System. Wenn man der englischen Presse (die meist Anti-EU gesinnt ist) Glauben schenken will, haben hinterlistige EU-Beamte jahrelang versucht, den Engländern ihr Pint wegzunehmen und erst vor kurzem aufgegeben. Die einzige erzwungene Änderung ist dass statt einer kleinen, symbolischen englischen Krone auf dem Bierglas jetzt die CE-Kennzeichnung der EU prangt  Allerdings sind die Engländer selber im Gange, einen wichtigen Aspekt des Pint-Glases zu verändern: Als wir für den obigen Fototermin (cleverer Name für ein Trinkgelage, nicht wahr?) versuchten, ein paar Gläser mit der markant gewölbten Pint-Form zu kriegen, war das gar nicht so einfach.

Es gibt hier an der Costa del Sol viele englische Pubs (Wirtschaften, Kneipen) und die wären auch bereit gewesen, uns leere Gläser zu leihen. Das Problem war dass mittlerweile Biergläser überwiegen die ein spezielles Design der jeweiligen Bierbrauerei haben. Sprich: das Pint-Volumen stimmt zwar noch aber die Gläser haben – scheinbar auf Teufel komm raus – andere Formen. Vermutlich um eine ‘Produktidentität’ o. ä. aufzubauen. Aber keins davon war annäherend so gut im Look & Feel wie das oben und unten abgebildete Nonic Glas. Aber letztendlich fanden wir ein Pub das die schönen, logofreien Gläser noch hatte, auch wenn den ahnungslosen Gästen die neumodischen Humpen serviert wurden.

Wie so oft bei Designklassikern, wurde die Nonic Form nach praktischen Anforderungen und nicht als ‘Image’ oder Werbegag konzipiert. Früher passierte es in geschäftigen Bars, an Tresen prallgefüllt mit Biergläsern, nämlich oft dass Gläser unbemerkt gegeneinander stießen und an der schwächsten Stelle, am Rand, kleine Splitter abgehauen wurde und ins Bierglas fielen. Endstation: Kehle. Die Wölbung der Nonic Gläser verhindert dass die Ränder sich berühren. Gleichzeitig gab die Wölbung den Gläsern Stapelfähigkeit. Und dazu sogar mehr Griffigkeit in der Hand. Nonic punktet also dreifach. Wie wär’s mit einem Design-Preis? Auch die Bezeichnung Nonic hat einen Sinn: No nick, also keine Zacken oder Splitter. Das archetypische britische Bierglas wurde erstmals 1948 von Ravenhead Glass, einer Fabrik in Lancashire hergestellt. Die Ideen und Patente für die Nonic-Form und die Stapelfähigkeit führen jedoch möglicherweise zurück nach Chicago und Belgien respektive. Da müssen wir noch etwas nachforschen

Wir haben übrigens, so nach der Devise: wenn schon, denn schon, eins unserer Lieblingsbiere für den ‘Fototermin’ verwendet: John Smith’s Extra Smooth, gebraut in Yorkshire. Dieses Bier ist ein sogenanntes Ale. Ebenso wie Pils aus Hopfen und Malz gemacht, aber halt anders: Mehr Geschmack, mehr Aroma, weniger kohlensäurehaltig als Pils. John Smith’s wird wahrscheinlich Leuten gefallen die einen volleren, würzigeren Geschmack mögen aber Guinness zu bitter finden. John Smith’s fliesst wirklich sehr smooth, also sanft und angenehm die Kehle runter. Richtige Pints werden normalerweise an der Theke gezapft aber das war aus praktischen Gründen hier nicht möglich. Die Dose enthielt mit 500 ml. etwas weniger als ein Pint (568 ml) aber ansonsten hatten wir keine Beschwerden. Leser die uns zukünftig ihr Lieblingsbier, plus vielleicht ein paar interessante Infos und Anekdoten dazu vorstellen möchten, sind willkommen

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