Jane Eyre (2011): Never mind that Andalusia was the last place on earth to get the DVD, we were impressed by Cary Fukunaga's attention to detail and avoidance of clichés.

Es ist die Geschichte von einer jungen Frau die sich aufgrund ihres Selbstwertgefühls allen widrigen Umständen zum Trotz, in der Welt behauptet und ihren Weg findet. Die bisher neuste Verfilmung von Charlotte Brontës Klassiker Jane Eyre (1847) beeindruckt mit Regisseur Cary Fukunagas Aufmerksamkeit für historische Details und auch dadurch dass er die Klischees vermeidet für die solche Verfilmungen anfällig sind, z. B. all zu viele verträumte Blicke, konspirativ-vielsagendes Lächeln und schnulzige Musik. Der Kinofilm Jane Eyre (2011) ist eine insgesamt etwas ernster wirkende Verfilmung als die ebenfalls gute BBC-Fernsehproduktion Jane Eyre (2006). Cary Fukunagas Spielfilm hat nur 2 Stunden Zeit um den 500-Seiten Roman umzusetzen, nicht die 4 Stunden der TV-Serie. Aber er hat diese Begrenzung weitgehend zu seinem Vorteil genutzt. Uns passte es gut dass die Episoden aus Jane Eyres Kindheit, in Form von Flashbacks, etwas gestrafft wurden und nicht wieder in jedem Detail durchgekaut werden mussten. Der Film punktet ebenfalls mit eindrucksvoller Ausstattung: In manchen Szenen trägt Jane-Darstellerin Mia Wasikowska echte 160 Jahre alte Kleidungsstücke, und wenn sie das von Charlotte Brontë erwähnte Buch Bewick’s History of British Birds liest, ist es eine rund zweihundert Jahre alte Originalausgabe von der British Library. Janes Eyres Aquarelle – etwas im Stil von William Blake – die Mr. Rochester im Film begutachtet, wurden von Bildern der jungen Brontë-Geschwister im Brontë Parsonage Museum inspiriert. Cary Fukunaga schafft es sogar, die von Charlotte erwähnte nordenglische Sagenfigur Gytrash kurz als Bild in einem Buch auftreten zu lassen. Die Tatsache dass der Film bei Innenszenen so gut wie keine künstliche Beleuchtung benutzt, sondern das Licht von Kerzen und Kaminfeuern, gibt dem Film ebenfalls etwas Besonderes. Beim Soundtrack wurde auf übertriebene symphonische Untermalung verzichtet und stattdessen die schlichteren Klänge von einem Kammerorchester, einem Piano und einer Geige im Stil von nordenglischer Folksmusik eingesetzt. Neben den von Dario Marianelli komponierten Musik, enthält der Soundtrack auch Pianostücke von Mozart und Beethoven. Besonders freute uns, dass auch ein Lied mit Worten von dem Dichter Lord Byron auftauchte – so wie es auch in der Piano-Szene des Romans vorkommt. Wobei im Film von Blanche Ingram gesungen wird und nicht von Mr. Rochester. Vielleicht hat sich Michael Fassbender geweigert zu singen – aber ansonsten ist er gut in der Rolle. Nicht ganz so viel sarkastisches Grinsen wie sein Vorgänger Toby Stephens. Gut fanden wir auch Jamie Bell, der vom Gesicht und Ausdruck her, perfekt den trockenen, korrekten, wohlmeinenden Vikar St. John Rivers spielte. Auch die Drehorte waren eindrucksvoll. St. Johns Haus liegt in den Mooren von White Edge, einer wild-romantischen Wandergegend. Als Drehort für das Internat Lowood in dem Jane Eyre aufwächst und eine prägende Freundin in Helen Burns findet, diente Broughton Castle. Und Mr. Rochesters Landsitz Thornfield, inklusive der schicksalsträchtigen Kapelle, findet man in Haddon Hall, das auf eine ca. 1000-jährige Geschichte zurückblickt. Hier spricht Jane Eyre die Zeilen die zu den schönsten Momenten in Charlotte Brontës Roman und den Verfilmungen gehören. Zeilen die wir einfach mal gekürzt und sinngemäß aus dem Englischen übersetzen: 

Glauben Sie, ich sei ein Automat, eine Maschine ohne Gefühle?…Glauben Sie, weil ich arm und einfach bin, hätte ich keine Seele? Ich spreche mit Ihnen jetzt nicht auf konventionellem Weg, nicht einmal als physische Präsenz – sondern hier spricht mein Geist ihren Geist an, so als ob wir beide gestorben wären und vor Gott stünden – als Ebenbürtige.

Herrgott, ist es ein Wunder dass Rochester diese bemerkenswerte Frau heiraten will, und dass Charlotte Brontë immer noch gelesen und verfilmt wird? Roman & Film gibt es auch auf Deutsch und beide sind empfehlenswert. Die DVD Jane Eyre (2011) enthält übrigens einen informativen und sympathischen Audiokommentar von dem recht jungen Regisseur Cary Fukunaga (geb. 1977). dessen detaillierte Informationen wir zum Teil für diesen Artikel verwendeten. Erwähnenswert ist auch dass vieles von den ca. 17 Minuten an Deleted Scenes auf der DVD, zu gut ist um ausgelassen zu werden, z. B. die Szenen in denen Jane den Geist von Helen Burns auf dem Moor sieht. Das wäre gutes Material für einen Director’s Cut bei einer zukünftigen TV-Ausstrahlung.

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Info  Deutscher Trailer für Jane Eyre (2011) / Der Spielfilm ist als Blu-ray und DVD im Handel erhältlich / Der Soundtrack von Dario Marianelli, hier ein Clip, als CD und Download.

Avenita Redaktion