'I saw a hamlet and a spire': Das Dorf Hathersage wurde 1845 von Charlotte Brontë besucht und hat Verbindungen mit dem Roman Jane Eyre, in dem das Dorf Morton genannt wird.

Im Roman schrieb sie: ‘Ich sah ein kleines Dorf und einen Kirchturm‘. Die Suche nach Orten die Charlotte Brontës Klassiker Jane Eyre inspirierten, führt zum Teil aus dem heimischen Yorkshire der Brontë Schwestern hinaus, in die benachbarte Grafschaft Derbyshire. Spezifisch in das Dorf Hathersage, siehe Foto, das in idyllischer Umgebung nahe der Grenze zu Yorkshire, in einem Tal am Rande eines Moores liegt. Hathersage war Vorbild für das Dorf Morton im Roman. Im Sommer 1845, also etwas über zwei Jahre vor der Veröffentlichung von Jane Eyre (1847), wurde Charlotte Brontë von ihrer guten Freundin Ellen Nussey eingeladen, nach Hathersage zu kommen, wo Ellens Bruder Henry Nussey eine Stelle als Vikar bekommen hatte. Henry war frisch verheiratet und Ellen wollte zusammen mit Charlotte das neue Haus für die Ankunft der Braut vorbereiten: Möbel auswählen und Haushaltshilfen interviewen. Das verlockende Angebot hatte Charlotte zuerst, anfang Juni 1845, ausschlagen müssen, weil sie ihren fast erblindeten Vater Patrick Brontë nicht allein lassen wollte, aber in der Mitte dieses Monats kamen unerwarteterweise Charlottes Bruder Branwell und ihre Schwester Anne Brontë nach Hause und so ergab sich eine Gelegenheit. Kurioserweise hatte der Bräutigam Henry Nussey 1839, sechs Jahre zuvor, auch Charlotte Brontë einen Heiratsantrag gemacht, den sie jedoch abgelehnt hatte weil sie Henry unromantisch fand. Charlotte hatte Ellen dazu geschrieben:

‘…Es würde ihn konsternieren, mich in meinem natürlichen Element zu sehen. Er würde mich, in der Tat, für eine wilde, romantische Enthusiastin halte. Ich könnte nicht den ganzen Tag mit einem ernsten Gesicht vor meinen Ehemann sitzen. Ich würde lachen, satirisch sein und sagen was immer mir zuerst in den Kopf käme…’

Unerhört. Aber diese alte Geschichte hielt Charlotte nicht davon ab den Mann, dem sie sicher alles Gute wünschte, und ihre Freundin Ellen für zwei Wochen in Hathersage zu besuchen.Es wird von Brontë-Biografen oft vermutet dass die freundliche Ellen, die Charlotte willkommen hieß und ihr das neue Haus zeigte, ein Vorbild für die gutherzige Mrs. Fairfax war, die dem Neuankömmling Jane Eyre im Roman das Haus zeigt dass sie für Mr. Rochesters Ankunft vorbereitet. Aber es gibt viel konkretere Verbindungen zwischen dem Roman und dem Dorf Hathersage: Hier hatte nämlich seit Jahrhunderten eine adelige Familie names Eyre gelebt, und in der Kirche und auf dem Friedhof von Hathersage waren viele Artefakte, zum Beispiel aufwendige Grabsteine, mit diesem Namen zu sehen. Übrigens auch heute noch. Charlotte hörte Geschichten und Legenden über die Familie, und Charlotte und Freundin Ellen besuchten sogar Mitglieder der Eyre-Familie, wie die verwitwete Mrs. May Eyre, die in dem Familiensitz North Lees Hall lebte. Der Landsitz North Lees, ca. zwei Kilometer von Hathersage entfernt, gilt mit seinen Zinnen, seinen drei Stockwerken und seiner ruhigen, von Hügeln umgebenen Lage unter Literaturwissenschaftlern als ein mögliches Vorbild für Edward Rochesters Haus Thornfield Hall in Jane Eyre. Zusätzlich war die frühste Besitzerin von North Lees Hall, angeblich dem Wahnsinn verfallen und im zweiten Stock, in einem Raum mit gepolsterten Wänden in einer Art Sicherheitsverwahrung gewesen bis sie, wie die geisteskranke Mrs. Rochester im Roman Jane Eyre, aufgrund eines Feuers ums Leben kam. Im Landsitz North Lees sah Charlotte auch den großen Schrank mit Bildern von den 12 Aposteln, den sie später detailliert im Roman beschrieb. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts, machte Charlotte mit ihrer Freundin Ellen auch Ausflüge ins Hathersage Moor: Im Roman wird Jane Eyre nach ihrer abrupten Flucht aus Thornfield von einem Kutscher an einem Ort namens Whitecross abgesetzt, kein Dorf, sondern ein Steinpfeiler an einer Wegkreuzung. Diesen Stein, das sog. Moscar Cross, auf dem Sheffield Road eingeritzt ist, kann man auch heute finden. Jane Eyre kommt im Roman, nachdem sie  für zwei Tage im Moor herumgegeistert ist, in das Dörfchen Morton, das vom realen Hathersage inspiriert wurde. Und dort macht ihr der Vikar St. John Rivers später einen Heiratsantrag - den Jane, wie auch Charlotte im echten Leben – dankend ablehnte.

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Info Als Hintergrundmaterial für diesen Artikel diente uns hauptsächlich Rebecca Frasers empfehlenswerte Charlotte Brontë Biografie, die es leider nur auf Englisch zu geben scheint. Unser DVD-Tipp: Die neuste Jane Eyre Verfilmung (2011), hier der Trailer, von Cary Fukunaga.

Avenita Redaktion